Kein Sondereinsatz in der Sahara

9. April 2003, 19:32
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Da bisher keine Lösegeldforderungen aufgetaucht sind, steigt die Hoffnung auch verschwundene Reisegruppen zu finden

Berlin - Der deutsche Innenminister Otto Schily hat am Mittwoch im Gespräch mit Auslandskorrespondenten in Berlin vor dem Eingreifen von Elitegruppen zur Befreiung von Touristen in der Sahara - darunter acht Salzburger und 15 Deutsche - gewarnt.

Deutschland hat zwei GSG-Beamte, Österreich zwei Cobra-Spezialisten entsandt. "Ich kenne auch die Cobra. Aber man muss sich die Frage stellen, ob der Einsatz im Ausland einer solchen Einheit Erfolg versprechend ist. Unsere Leute sind dort, um ihren Rat zu geben." Schily ist gerade von einer Algerienreise zurückgekehrt, wo er sich vor Ort informiert hat. Das Gebiet, in dem die Touristen vermisst werden, ist etwa so groß wie Frankreich.

Ausreise im bewafneten Konvoi

Jene Europäer, die sich derzeit noch in den gefährdeten Gebieten Algeriens aufhalten und nicht verschwunden sind, werden mit einem bewaffneten Sonderkonvoi in Sicherheit gebracht. Das berichtete der Leiter der Sondermission des österreichischen Außenministeriums, Thomas Buchsbaum. Bei der Suche nach den 29 vermissten Europäern gibt es unterdessen noch keine Hinweise.

Salzburger, Deutsche,Schweizer, Niederländer und Schwede noch vermisst

Bei den vermissten Touristen handelt es sich um acht Salzburger, 15 Deutsche, vier Schweizer, einen Niederländer und einen Schweden. Sie waren in verschiedenen Reisegruppen mit Geländewagen oder Motorrädern in der Sahara unterwegs. Von einigen gibt es seit dem 21. Februar kein Lebenszeichen. Von den Salzburgern fehlt seit ihrer Einreise von Tunesien nach Algerien am 17. März jede Spur.

Seit Dienstag, wird in einem sehr begrenzten Gebiet eine intensive Detailsuche durchgeführt. "Man will damit die Frage lösen, wie das möglich ist, dass es von den Menschen und den Fahrzeugen keinerlei Spuren gibt."

Sollte es sich tatsächlich um eine Entführung handeln, sei es für ihn jedenfalls merkwürdig, dass es so lange nach dem Verschwinden immer noch keine Forderung der Entführer "und im schlimmsten Fall kein Brüsten mit den Ermordeten" gebe. Das erhöhe die Chance, dass die Vermissten noch am Leben seien. (APA,afs, DER STANDARD Printausgabe 10.4.2003)

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    Die vermissten Salzburger: Das Ehepaar Annemarie und Johann Kienberger, Harald Galler, Reiseführer Gerhard Wintersteller (neben Auto) und Tochter Sabine, Johann Ruppnig, Andreas Bleckmann und sein Vater Ingo Bleckmann (im Uhrzeigersinn von links unten).

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    Der Reisefuehrer der Truppe vermisster Österreicher, Gerhard Wintersteller, bei einer früheren Tour in der Wüste Algeriens.

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