Kompetente Volkswirtin für Frankfurt

6. April 2003, 19:22
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Verzögerungen für OeNB-Vizegouverneurin Getrude Tumpel-Gugerell behindern die Machtstrategen in Brüssel und Wien

Athen/Wien - Zumindest zwei Zeitpläne sind in Gefahr: Die Verzögerungen bei der Bestellung von OeNB-Vizegouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell ins sechsköpfige Direktorium der Europäischen Zentralbank erschweren Machtstrategen in Brüssel und in Wien das Geschäft.

Auch wenn der Erfolg der als sehr kompetent, aber etwas zurückhaltend geltenden 51-jährigen Expertin für Finanzmarktfragen und Bankenaufsicht kaum noch in Zweifel steht, drängen Terminsorgen. Zum einen wird für die EU-Gremien zwischen dem belgischen Wahltag am 18. Mai - nach dem mit dem Rückzug des Gegenkandidaten Tumpel-Gugerells gerechnet wird - und dem ersten EZB-Diensttag 1. Juni die Zeit für das Bestellungsverfahren knapp: Das frei werdende Frankfurter Direktorenamt könnte für einige Wochen vakant bleiben.

Zum anderen gibt es auch in Wien Probleme: Tumpel-Gugerells Amtszeit in der OeNB endet nach fünf Jahren Dienst am 31. August. Doch bereits am 18. April läuft die Bewerbungsfrist für die nächste Periode im OeNB-Vizegouverneursamt ab. Da sie bis dahin aber wahrscheinlich noch keine Sicherheit in der EZB-Frage hat, wird sich die Niederösterreicherin aus Killing wohl wieder für ihre OeNB-Ressorts Volkswirtschaft und Finanzmärkte bewerben.

Für die schwarz-blaue Bundesregierung hat das den Nachteil, dass sie noch nicht gleich frei über den Posten der Volkswirtin, die der roten Reichshälfte zugerechnet wird, verfügen kann. Trösten mag da nur, dass kurz vor dem Posten der Gattin von Arbeiterkammerchef Herbert Tumpel auch der ihres Direktoriumskollegen Peter Zöllner frei wird. Er wird im gleichen Teil der politischen Farbskala wie sie eingeordnet. (jwo/DER STANDARD Print-Ausgabe, 7.4.2003)

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    Gertrude Tumpel-Gugerell, Kandidatin aus der roten Reichshälfte.

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