Briten stoßen ins Zentrum von Basra vor

6. April 2003, 23:10
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BBC: 400 irakische Milizionäre getötet - Großbritannien warnt vor zu großem Optimismus - "Chemie Ali" vermutlich getötet

London - Nach zwei Wochen des Abwartens vor den Toren von Basra ist das britische Militär am Sonntag überraschend in das Zentrum der zweitgrößten irakischen Stadt vorgedrungen. Die Soldaten wurden dort nach Berichten von Augenzeugen von der Bevölkerung überwiegend freundlich empfangen. "Wir haben an die Tore von Basra geklopft und sie haben sich geöffnet", sagte ein britischer Militärsprecher am Sonntag. Die Strategie des "langsamen und sanften" Vorgehens habe sich bewährt.

BBC: 400 irakische Milizionäre getötet

Beim Vorstoß sind nach Angaben des britischen Senders BBC mehrere hundert irakische Milizionäre getötet worden. Eine BBC-Korrespondentin in Basra gab die Zahl der Opfer am Sonntag mit zwischen 300 und 400 an. Der Widerstand sei zum Teil "heftig" gewesen.

Der Plan sei, die "Stadt zu halten und einzunehmen", bestätigte ein weiterer BBC-Korrespondent beim US-Zentralkommando in Doha. Das werde nach seiner Einschätzung aber "noch einige Tage" dauern.

Hoon will Truppen rasch abziehen

Großbritannien will seine Soldaten nach dem Ende des Golfkrieges so schnell wie möglich aus dem Irak abziehen. "Es ist wichtig, dass britische Truppen, Koalitionstruppen, nicht länger im Irak bleiben als notwendig," sagte der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon am Sonntag im Rundfunksender BBC. Seine Regierung wolle die Soldaten "so schnell wie möglich" wieder zu Hause sehen. Nach dem Sturz von Saddam Hussein müssten die Truppen noch einige Zeit im Irak bleiben, um für Sicherheit zu sorgen und humanitäre Hilfe zu leisten, sagte Hoon.

Im Morgengrauen waren die "Desert Rats" (Wüstenratten) mit Hunderten von Panzern des Typs "Challenger 2" und bis zu 8000 Soldaten aus drei verschiedenen Richtungen vom Stadtrand aus vorgestoßen. Dabei trafen sie nach Angaben des britischen Militärsprechers Al Lockwood nur auf "vereinzelten Widerstand". Auch Kriegsreporter kommentierten, das "geduldige Abwarten" der Briten habe sich nach den ersten Eindrücken bewährt. "Es scheint, als ob Basra fällt, und bis jetzt hat es noch nicht einen einzigen toten Soldaten gegeben", sagte ein BBC-Reporter.

"Chemie Ali" vermutlich getötet

Nach Angaben Lockwoods ist die Führung der regierenden Baath- Partei in Basra entweder "ausgerottet" worden oder geflohen. Laut Lockwood gehen die britischen Militärs davon aus, dass der als "Chemie-Ali" bezeichnete Cousin von Präsident Saddam Hussein, Hassan Ali Mashid, nicht mehr lebt. Das Haus von Mashid in der Nähe von Basra war am Samstag bombardiert worden. Dort wurde am Sonntag die Leiche des Leibwächters von Mashid gefunden. Die Suche nach Mashid, der wegen seiner angeblichen Führungsrolle bei den Giftgasattacken gegen die Kurden vor 15 Jahren den Beinamen "Chemie-Ali" trägt, gehe weiter.

Am Nachmittag stießen Kommandoeinheiten der Elitetruppen der Royal Marines (Marineinfanteristen) mit einer zweiten Offensive am Stadtrand nach. Der Bevölkerung wurden Flugblätter ausgehändigt, auf denen Premierminister Tony Blair den Bürgern einen "friedlichen, wohlhabenden Irak" verspricht. "Alles was wir jetzt brauchen ist Wasser und Essen", sagt ein in Lumpen gehüllter alter Mann im BBC- Fernsehen.

Nachhaltiger Erfolg fragwürdig

Ob der Erfolg der Offensive in der Millionenstadt dauerhaft ist, war am Sonntag noch nicht abzusehen. "Es ist noch viel zu früh um zu wissen, wie viele Kämpfer sich unter die Zivilbevölkerung gemischt haben", berichtete eine ITV-Korrespondentin.

Nach Auskunft des britischen Oberkommandierenden Brian Burridge war die Wartezeit nötig, um "günstige Bedingungen" zu schaffen. Oberstes Ziel dabei sei gewesen, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden und die Milizen und irregulären Kämpfer "so präzise wie möglich" auszuschalten.

Großbritannien warnt vor zu großem Optimismus

Trotz der Vorstöße der alliierten Truppen im Irak hat der britische Premierminister Tony Blair vor voreiligem Optimismus gewarnt. Es seien voraussichtlich "noch viele Schwierigkeiten zu überwinden", sagte ein Sprecher des Premiers am Sonntag in London. Zwar gehe der Vorstoß im Irak stetig voran und gewinne an Tempo. Dennoch sei "noch viel zu tun". Drei britische Soldaten in Basra getötet London/Kuwait/APA/AFP

Drei britische Soldaten wurden unterdessen in Basra getötet. Alle drei seien im Kampf gefallen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Zuvor hatte eine Militärsprecherin in Kuwait-Stadt den Tod eines britischen Soldaten bekannt gegeben. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Einige Einwohner von Basra heißen die britischen Royal Marines willkommen

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