China verstärkt Zusammenarbeit mit WHO

6. April 2003, 16:11
posten

Behörden entschuldigen sich für ursprünglich zögerliche Haltung

Peking - China hat den Kampf gegen die gefährliche Lungenkrankheit SARS verstärkt und arbeitet enger mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen. Vizeministerpräsidentin Wu Yi hat betont, dass der Eindämmung von SARS höchste Priorität eingeräumt werden müsse.

Die Kooperation sei jetzt viel besser, sagte Chris Powell von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er ist Sprecher des WHO-Teams, das in Südchina den Ursachen für das Schwere Akute Respiratorische Syndrom nachgeht.

Nachdem die WHO in China vor zwei Wochen "vor einem weißen Blatt Papier" gesessen sei, gebe es jetzt eine große Menge qualitativ guter Daten von der chinesischen Seite. Bis Sonntag hatte das Land 1.220 Kranke und 49 Tote eingeräumt. Das sind drei Tote mehr als bisher bekannt.

China beschwichtigt

Chinas Behörden versichern aber, die Ansteckungen seien stetig rückläufig und die Krankheit "unter Kontrolle". Auf der Suche nach den Ursprüngen der rätselhaften Lungenkrankheit hat die WHO "noch einen langen Weg" vor sich, betonte Powell. Die Organisation verzeichnete nach eigenen Angaben bis zum Samstagabend weltweit 2416 SARS-Fälle und 89 Tote.

Die Fortschritte bei der Suche nach dem Ursprung von SARS seien sehr gut, sagte Powell. "Aber ich denke, niemand kann erwarten, dass unser Team den ersten Patienten und die Ursache der Krankheit finden wird." Bis zum Ende der Untersuchung am Dienstag werde aber ein Plan für die weiteren Untersuchungen erstellt, sagte Powell.

Das deutsche Teammitglied, der Frankfurter Virologe Wolfgang Preiser, berichtete, dass sie auch der Frage nachgingen, warum einige Patienten mit SARS hoch ansteckend seien und andere nicht. Preiser hielt es für "gut möglich", dass eine Kombination von Faktoren für Ausbruch und Verlauf der neuartigen Krankheit verantwortlich ist. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf das neue Virus der Familie der Corona-Viren und als weitere Faktoren Chlamydien genannte Mikroorganismen und Paramyxo-Viren.

In den bisherigen Untersuchungen sei nichts gefunden worden, "was gegen die ursächliche Rolle des Corona-Virus spricht", sagte der Virologe. Doch seien die Wissenschaftler "weit von einer Bestätigung entfernt". Anders als die Corona-Viren seien aber Chlamydien und Paramyxo-Viren nicht in jedem der bisher untersuchten Patienten gefunden worden.

Für zögerliche Haltung entschuldigt

Am Samstag hatte sich ein chinesischer Gesundheitsbeamter für die zögernde Haltung Chinas bei Informationen über SARS entschuldigt. "Heute entschuldigen wir uns bei jedem", zitierte die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" den Direktor des Zentrums zur Vorbeugung gegen ansteckende Krankheiten. "Unsere medizinischen Abteilungen und unsere Massenmedien litten unter schlechter Koordination." Nach Auffassungen aus WHO-Kreisen ist der Beamte aber "einfach nicht hoch genug, um für die Regierung zu sprechen". (APA/dpa)

Share if you care.