"Daum ist unumstritten"

6. April 2003, 14:13
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Stronach vertraut seinem Trainer auch weiterhin und kündigt Verstärkungen an - Daum verwundert: "In welchem Film bin ich?"

Wien - Die blamable Darbietung von Spitzenreiters Austria am Samstag gegen Schlusslicht Admira Mödling löste im Horr-Stadion schon lange vor Spielende heftige Unmutskundgebungen der Fans aus. Nach dem Schlusspfiff, als das sensationelle 2:0 der Gäste feststand, führten die violetten Ultras auf der Westribüne wahre Freudentänze auf und jubelten den Südstädtern, in deren Reihen viele ehemalige Austrainer stehen, stürmisch zu. Austria-Gönner Frank Stronach ließ sich durch die Reaktionen nicht aus der Fassung bringen und sagte auf APA-Anfrage trocken: "Christoph Daum ist unumstritten."

Vorerst keine personellen Konsequenzen

Nach ähnlichen Niederlagen - es war nach dem 0:1 gegen SV Pasching bereits die zweite zu Hause in Folge - hatte es im violetten Lager bereits mehrmals Konsequenzen gegeben, hatten die Trainer ihren Hut nehmen müssen. Doch diesmal war alles ganz anders, es wird sogar Ruhe demonstriert. Das Resultat sage alles über das Spiel aus, die Mannschaft habe sehr schwach gespielt. Doch so rolle eben der Ball, das gehöre zum Fußball, resümierte der braun gebrannte Austria-Finanzier. "Wir sind noch immer Erster und wenn wir nicht großes Pech haben, dann werden wir auch Meister."

"Schwachstellen bis Sommer beheben"

Freilich blieben dem Austro-Kanadier die Defizite der Daum-Truppe nicht verborgen. "Wir werden die Schwachstellen bis Sommer beheben. Die schwachen Spieler gehören ausgetauscht, wir brauchen neue und haben schon einige im Auge", sagte Stronach. Er wird seinen Worten auch Taten folgen lassen und abermals als "big spender" auftreten. Denn von seinem Ziel rückt er keinen Millimeter ab. "Wir wollen dorthin kommen, dass wir in Europa mitspielen können", unterstrich er seine Intentionen.

Gespräche angekündigt

Auch Peter Svetits versuchte die Gemüter zu beruhigen. Mit dem Spiel und dem Resultat könne niemand im Austria-Lager zufrieden sein, doch es habe vor dem wichtigen Cup-Viertelfinalspiel gegen Sturm Graz am Dienstag keinen Sinn, jetzt groß Radau zu schlagen, meinte der Sportdirektor. "Aber so wie sich einige gegen Admira präsentiert haben, geht es sicher nicht. Einige leisten zu wenig, da müssen wir Gespräche führen." Im Gegensatz zu Stronach mahnt Svetits im Titelkampf zum Aufpassen. Man dürfe nicht leichtsinnig werden, da mit der Drei-Punkte-Regel der Vorsprung schnell verspielt sein könne.

Daum nicht ratlos aber maßlos enttäuscht

Daum fragte sich nach der neuerlichen Heimpleite, in welchem Film er sich befinde. "Mir ist es völlig unverständlich, wie man sich so kampflos aufgeben kann. Von der Leistung und vom Auftreten war es für einige ein Offenbarungseid. Es ist an der Zeit, dass der eine oder andere wieder kämpft. Nun sind wir im Cup gefordert", sagte er und gratulierte dem Gegner zum verdienten Erfolg. Daum ist nicht ratlos, sondern maßlos enttäuscht ob der "halbherzigen" Vorstellung. "Ich habe schon gegen Pasching harte Worte gefunden, doch in dieser Situation ist es wichtig, dass die Kritik nicht zu tief geht", so der Deutsche.

Spieler in der Kritik

Der Austria-Trainer hat schon viele Gespräche mit seinen Schützlingen geführt und dabei festgestellt, "dass es einen riesigen Widerspruch zwischen dem, was Spieler sagen und dem, was sie auf dem Rasen zeigen, gibt." Einige seien zu selbstsicher, obwohl die Mannschaft individuell gar nicht eine so gute Qualität besitze, wie ihr es immer unterstellt werde. "So wie wir heute unter Wert geschlagen worden sind, so schlecht sind wir aber nicht", meint Daum, der nun auf eine Reaktion der Seinen im Cup hofft. (APA)

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    Christoph Daum: "Mir ist es völlig unverständlich, wie man sich so kampflos aufgeben kann."

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