Das kann doch nicht so schwer sein!

13. April 2003, 19:00
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Ist es aber: Frauen machen in der Medizin selten Karriere - Daran soll sich etwas ändern

Für Frauen in naturwissenschaftlichen Berufe sehen die Karrierechancen nach wie vor triste aus. Für Dr. Gabriele Fischer und Dr. Karin Gutierrez-Lobos aber kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Im Gegenteil: Seit Jahren schärfen sie das Problembewusstsein für dieses Thema in der Öffentlichkeit und fordern ein umfassendes Mentorinnen-Netzwerk für Medizinerinnen in Österreich. Der den Frauenkarrieren im Weg stehende "kristalline Block" (Andrea Barta, Preisträgerin des L’Oreal und UNESCO Frauenförderungspreises 2002) könnte auf diese Weise abgeschmolzen werden.

IST-Situation von Frauen

Das Fehlen von Frauen in medizinischen Spitzenpositionen ist in Österreich besonders drastisch, aber nicht in allen Fachgebieten gleich ausgeprägt. Der Ärztinnenanteil in eher rehabilitativ und psychosozialtherapeutisch orientierten "armen Fächern" mit niedrigem Prestige ist vergleichsweise hoch, Männer dominieren in operativen und eher technikorientierten Fächern, die großes Ansehen genießen und über hohe Mittel verfügen. So liegt der Anteil von Oberärztinnen in Wiener Gemeindespitälern in der Unfallchirurgie beispielsweise bei null Prozent und in der allgemeinen Chirurgie bei 5, während in Fachgebieten wie der Kinderheilkunde, der Psychiatrie und der Anästhesie immerhin 40-60 Prozent der OberärztInnen Frauen sind. In Pflegeheimen liegt der Anteil sogar bei 54 Prozent.

Noch eindeutiger ist die Geschlechtsverteilung in Wiener Spitälern im Bereich des Pflegepersonals: 93 Prozent davon sind Frauen, in den medizinisch-technischen Berufen liegt der Frauenanteil bei 83 Prozent.

Österreichweit beträgt der Anteil an Medizinstudentinnen mehr als 60 Prozent, bei den FachärztInnen sinkt dieser Anteil auf ca. 1/3 ab. Unter den ProfessorInnen und PrimarärztInnen gibt es nur mehr etwa 9 Prozent Frauen.

Verlorenes Kapital

Aus Untersuchungen geht hervor, dass es sehr wohl geschlechtsspezifische Unterschiede in der ärztlichen Arbeit gibt: Ärztinnen hören ihren PatientInnen aufmerksamer zu, sie verschreiben weniger Medikamente und vereinbaren mehr Kontrolltermine. Sie gehen mehr auf psychosoziale Zusammenhänge ein und geben PatientInnen öfter positives Feedback.

Für die Karriere sind solche Fähigkeiten freilich nicht genug: Hier zählt das Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten, die Teilnahme an Kongressen, Networking und berufspolitisches Engagement.

Frauen bleibt für diese "Karriere-Goodies" aufgrund der aufwendigen Routinetätigkeit und der familiären Doppelbelastung oft zu wenig Zeit. Hinzukommen kommt die schwierige Arbeitssituation: Lange und starre Arbeitszeiten, Konflikte mit der Genderrolle, Erfahrungen mit Mobbing und sexueller Belästigung, mangelnde Unterstützung der Vorgesetzten.

Spezielle Frauenförderung

Mit Preisen wie zum Beispiel dem "L’Oreal und UNESCO Frauenförderungspreis" werden inzwischen wissenschaftliche Leistungen von Frauen hervorgehoben. Das Bundesgleichbehandlungsgesetz, das seit 1993 in Kraft ist, hat allerdings für die Preisträgerin Dr. Andrea Barta versagt: "Die Regelung hat dazu geführt, dass der Frauenanteil bei weniger wichtigen Positionen gestiegen ist, in höheren Führungspositionen kam es aber zu keiner Erhöhung des Frauenanteils".

Der Widerstand unter den Verwaltern des großen Kuchen wächst natürlich auch. Killerphrasen wie "Quotenfrau" sollen qualifizierte Frauen in ihre Schranken weisen, oder "mann" räumt die Existinz von Diskriminierung ein, nur um sie dann im eigenen Umfeld gänzlich auszuschließen.

Nicht nur deshalb wird der Ruf nach einer Frauenförderungskampagne immer lauter. Sabine Strasser und Eva Schliesselberger fordern in ihrem Buch "In den Fußstapfen der Pallas Athene?" ein umfassendes Maßnahmenpaket, das neben zielgerichteten Lehr- und Weiterbildungs- angeboten für StudentInnen und Lehrende ein österreichweites Mentoring-Programm inkludiert. Mit Mentorinnen an ihrer Seite sollen junge Ärztinnen beruflich schneller Fuß fassen und dabei vom Wissen der Altvorderen profitieren. Ein System, das auch den Mentorinnen etwas bringt: Einen Austausch mit Kolleginnen, Input für die eigene Arbeit und die Grundfeste eines tragfähigen, frauenbestimmten Netzwerkes. (freu)

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