WHO: Gefahr durch SARS nicht überschätzen

5. April 2003, 22:32
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Drei neue Todesfälle in Hongkong - USA verordnen bei Verdacht Zwangsquarantäne

Guangzhou/Hongkong - Ein Experte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Gefahr durch die atypische Lungenkrankheit SARS am Samstag relativiert. Der Erreger könne sich zwar theoretisch schnell ausbreiten und sei deshalb "ein gewisses Risiko", sagte der WHO-Beauftragte für meldepflichtige Krankheiten in China, Alan Schnur, vor Journalisten im südchinesischen Guangzhou. Andererseits fielen täglich viel mehr Kinder etwa den Masern zum Opfer als dieser neuen Krankheit. Gemessen an der hohen Bevölkerungszahl in Hongkong und der südchinesischen Provinz Guangdong gebe es dort nur eine relativ kleine Zahl von SARS-Fällen.

In Hongkong starben unterdessen drei weitere Menschen an dem Schweren Akuten Respiratorischen Syndrom (SARS), womit sich dort die Zahl der Todesopfer auf 20 erhöhte. Weltweit sind laut WHO etwa 2.600 Menschen in rund 30 Ländern mit dem SARS-Virus infiziert, mindestens 86 Menschen starben. Für eine sichere Einschätzung der Lage sei es derzeit "etwas zu früh", sagte WHO-Mitarbeiter Robert Breimann, der eine Expertengruppe leitet, die seit Donnerstag in Guangdong nach dem Ursprung der Lungenkrankheit forscht. Die Tatsache, dass die SARS-Fälle in Guangdong bereits zurückgingen, mache jedoch "Hoffnung".

Neue Erkrankungen

In Hongkong wurden weitere 39 Menschen mit Verdacht auf die Lungenkrankheit ins Krankenhaus gebracht, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. Unter ihnen seien zehn Mitarbeiter im Gesundheitswesen sowie sieben Bewohner eines Wohnkomplexes, der vergangene Woche wegen mehrerer Krankheitsfälle komplett unter Quarantäne gestellt worden war.

Einen ersten SARS-Todesfall meldeten auch die Behörden in Malaysia. Ein 64-jähriger Mann sei vergangenen Sonntag nach einer China-Reise vermutlich an der Krankheit verstorben, teilte das dortige Gesundheitsministerium mit. Seine Familie sei unter Quarantäne gestellt worden. Insgesamt liegen in Malaysia 14 Menschen mit SARS-Verdacht im Krankenhaus. In Sri Lanka wurde eine Philippinin mit Symptomen der Krankheit in eine Klinik gebracht; der Verdacht auf einen ersten SARS-Fall in Russland bestätigte sich zunächst nicht.

In den USA können die Gesundheitsbehörden beim Verdacht auf SARS künftig eine Zwangsquarantäne verordnen. Eine entsprechende Regierungsanordnung habe US-Präsident George W. Bush unterzeichnet, teilte dass Weiße Haus am Freitag mit. Die Gesundheitsbehörden können demnach nun eigenständig entscheiden, wann sie eine zwangsweise Isolierung von möglichen Angesteckten für notwendig halten. Mit der Anordnung wurde SARS in eine Liste von Krankheiten wie Pest, Cholera, Pocken, Gelbfieber und Ebola aufgenommen. In den USA gibt es derzeit 115 SARS-Verdachtsfälle. (APA)

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