Streit zwischen US-Außenministerium und Pentagon um Irak

5. April 2003, 15:08
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Regierungsbeamte sprechen von "bitter umkämpfter" Angelegenheit

Washington - Die traditionelle Rivalität zwischen amerikanischem Außen- und Verteidigungsministerium hat sich offenbar an einem Streit über die irakische Nachkriegsordnung neu entzündet. Es gebe seit mehreren Tagen heftige Auseinandersetzungen zwischen beiden Ministerien über die Zusammensetzung einer irakischen Übergangsverwaltung und die Rolle der Vereinten Nationen nach dem Krieg, sagten Beamte des Weißen Hauses am Freitag in Washington. Der Streit habe sich zu einer "riesig komplizierten" und "bitter umkämpften" Angelegenheit entwickelt.

Zwischen den Häusern von Außenminister Colin Powell und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gebe es derzeit "ganz schön viel Unglückseligkeit, keine Frage", betonte ein Beamter, der anonym bleiben wollte. Zwar sei die Sache "kein Privatkrieg" zwischen State Department und Pentagon, sagte ein weiterer Beamter. "Aber es ist inzwischen eher eine Schlacht als ein Schlagabtausch geworden."

Den Angaben zufolge besteht Rumsfeld darauf, zumindest im Süden des Irak umgehend eine Übergangsverwaltung einzurichten, die hauptsächlich aus bisherigen Exil-Irakern bestehen soll. Powell und weite Teile der US-Geheimdienstkreise befürchten demnach, dass durch diesen Schritt die einheimische Bevölkerung entfremdet und der Neuaufbau der Beziehungen zu Europa und der arabischen Welt erschwert wird.

Rumsfeld habe seinen Plan dem Weißen Haus vorgelegt, als Powell sich in der vergangenen Woche gerade in Europa aufgehalten habe, hieß es weiter. Powell habe davon auf dem Rückflug nach Washington erfahren und sei "ziemlich sauer" gewesen. Mithilfe des Nationalen Sicherheitsrats der USA wolle er seine Position durchsetzen. Neokonservative US-Regierungskreise halten dem Außenministerium seit langem vor, es sei in seiner Nahostpolitik gegenüber den arabischen Staaten positiv voreingenommen. (APA)

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