"Es gibt keine Regenreifen mehr"

5. April 2003, 13:08
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Beinahe Boykott des Brasilien-Trainings auf Grund des starken Regens und der nicht vorhandenen Bereifung

Sao Paulo - Kurz vor einem Boykott stand die Vorqualifikation zum Formel-1-Grand-Prix von Brasilien in Sao Paulo. Wegen des zeitweise extrem heftigen Regens am Vormittag hatten sich die meisten Piloten aus Sicherheitsgründen bei einer Unterschriftenaktion dafür ausgesprochen, bei vergleichbaren Bedingungen am Nachmittag nicht anzutreten. "Viele waren sich einig, dass es sehr gefährlich war und wir nicht auf die Strecke wollten", erklärte McLaren-Mercedes-Pilot David Coulthard, einer der Sprecher der Fahrervereinigung GPDA, bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Rückkehr zum alten Regelment gefordert

Die Fahrer fordern eine Rückkehr zum alten Reglement, nach dem zwei verschiedene Regenreifentypen erlaubt waren. Der fünffache Formel-1-Weltmeister und Ferrari-Superstar Michael Schumacher meinte: "So ein Problem kann man mit einem zweiten Regenreifen lösen." Er hoffe, die Teamchefs sähen das genau so. In der kommenden Woche diskutieren Techniker und Teamchefs bei mehreren Treffen mit Max Mosley, dem Präsidenten des Internationalen Automobilverbandes (FIA), und Renndirektor Charlie Whiting unter anderem auch darüber.

Nicht für starken Regen geeignet

Nach dem neuen Reglement ist nur noch ein Regenreifentyp erlaubt. Dieser ist nach Erkenntnis der Piloten für extrem starken Regen nicht geeignet. Vor dieser Saison konnten die Teams zwischen zwei Modellen wählen: den so genannten Intermediates für leichten Regen und abtrocknende Piste sowie den klassischen Regenreifen mit einem wesentlich tieferen Profil als jetzt.

"Es gibt keine richtigen Regenreifen mehr", klagte Sauber-Pilot Nick Heidfeld. "Die jetzigen sind eher Intermediates, da sie geschwindigkeitsmäßig direkt anknüpfen müssen, wenn es mit dem Trockenreifen nicht mehr geht." Der Deutsche sagte, er könne sich unter Wetterbedingungen wie am Vormittag kein Rennen vorstellen. Er habe aber nicht unterschrieben, weil er nicht wolle, dass den Piloten der "Schwarze Peter" zugeschoben werde. "Es soll nicht heißen, die Fahrer hätten die Show gestohlen." Die Zuschauer sollten selbst sehen, dass das Training ein Witz sei.

Frentzen hat keine Angst

Sein Teamkollege Heinz-Harald Frentzen, der unterschrieben hat, unterstützte diesen Standpunkt. "Unter den Bedingungen am Vormittag war es riskant", betonte der 35-jährige Deutsche. "Wenn es am Sonntag so stark regnet, müssen wir sehen, ob überhaupt jemand die Zielflagge sieht. Oder wir müssen dann extrem langsam fahren. Das Rennen würde bei so einem starken Regen auf jeden Fall schwierig, obwohl ich keine Angst davor habe."

Auch in Zukunft Sichtweise darlegen

Coulthard wollte nicht mitteilen, wie viele Fahrer die Erklärung unterstützt haben. Die GPDA-Vertreter hatten die Unterschriftenliste Whiting vorgelegt. "Aber er ging nicht darauf ein. Damit war der Fall erledigt", sagte der schottische Sieger des Australien-GP. "Zudem war es während des Qualifyings besser und sicher. Wir werden aber auch in Zukunft Hinweise auf Basis unserer Erfahrungen geben", stellte Coulthard klar. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Intermediates von Bridgestone

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