Südirak: Skelettreste von hunderten Toten gefunden

5. April 2003, 15:35
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Opfer vermutlich schon vor Jahren getötet

London - Die im Südirak gefundenen Leichen könnten aus der Zeit vor dem Krieg stammen. Ein britischer Offizier sagte laut dem Bericht der britische Nachrichtenagentur Press Association (PA) vom Samstag, die Toten stammten nicht aus dem derzeitigen Krieg. Die Menschen seien vermutlich bereits vor Jahren getötet worden.

Britische Soldaten hatten dem Bericht zufolge hunderte Leichen auf einem verlassenen irakischen Militärstützpunkt im Süden des Landes entdeckt. In der notdürftig errichteten Leichenhalle in der Ortschaft El Subair seien teilweise nur noch Knochenbündel und Uniformfetzen zu sehen gewesen.

Der britische Fernsehsender Sky News zeigte Bilder von aufgereihten Pappsärgen, in denen weiße Leichentücher zu liegen schienen. In einem Nachbargebäude seien Fotografien der Toten gefunden worden, berichtete eine Reporterin, die als Journalistin das Logistik-Korps der britischen Armee begleitet. "Die meisten von ihnen starben durch Kopfschüsse", sagte sie. Auf anderen Bildern seien die Menschen "bis zur Unkenntlichkeit entstellt", ihre Gesichter "verbrannt und geschwollen".

Auf dem Hof gebe es zudem eine Art Schießstand, berichtete die Reporterin: Hinter einem gefliesten Sockel seien ein Graben und eine von Schüssen zersiebte Mauer zu sehen. In einem der Särge sei ein Ausweis in arabischer Schrift gefunden worden; aus anderen schauten menschliche Schädel heraus, "mit abgebrochenen oder fehlenden Zähnen".

Beschriftungen aus dem Jahr 1985

Die Schädel und Gebeine stammen nach Aussagen von Oberst Jack Kemp höchstwahrscheinlich aus dem Golfkrieg von 1991. Die Opfer seien vermutlich hingerichtet worden, sagte Kemp, der als erster auf das Lager gestoßen war. "Man kann die Spuren von Kopfschüssen erkennen", sagte Kemp nach dem Bericht der britischen "Press Association".

Die in 200 Holzsärgen und weiteren 200 Plastiksäcken aufbewahrten Überreste seien eindeutig alt. Sie waren zum Teil in Uniformreste eingewickelt. "Ich will nicht spekulieren, aber die Knochen sind ganz offensichtlich Jahre alt." Die Särge seien in fünf Reihen hintereinander aufgestapelt gewesen. Sie waren ebenso wie die Plastiksäcke mit arabischen Bezeichnungen markiert. Einige der Beschriftungen deuteten auf das Jahr 1985 hin.

Der ehemalige irakische Militärstützpunkt sei in eine Leichenhalle "umfunktioniert" worden, sagte Kemp. Das Gebäude wurde versiegelt. Die Schädel und Knochenbündel sollen nun von medizinischen Experten untersucht werden. Daraus könnten sich Beweise für mögliche "Gräueltaten" des irakischen Regimes ergeben, hieß es. (APA)

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