US-Truppen kreisen Bagdad vollständig ein

7. April 2003, 06:36
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US-Kampfjet bombardiert eigene Truppen - Schwere Kämpfe im Süden der irakischen Hauptstadt - US-Militär spricht von 2.000 bis 3.000 Todesopfern auf irakischer Seite - Krankenhäuser vollkommen ausgelastet - mit Infografik

Bagdad/Moskau/Washington - Die amerikanischen Truppen haben am Sonntag nach US-Angaben die irakische Hauptstadt Bagdad eingekreist. Im Norden des Landes bombardierte ein US-Kampfflugzeug irrtümlich einen Konvoi mit kurdischen Kämpfern und eigenen Soldaten, wie der britische Fernsehsender BBC meldete. Von kurdischer Seite hieß es, es seien mindestens 18 Menschen getötet und 45 verletzt worden.

Die US-Streitkräfte verstärkten am Sonntag ihren Druck in und um Bagdad. Marine-Infanteristen versuchten, eine strategisch wichtige Brücke einzunehmen, die über einen Kanal in die Stadt führt. Ein anderes Bataillon eroberte das Hauptquartier des 2. Korps der Republikanischen Garde und besetzte einen Präsidentenpalast. Bereits am Samstag hatten US-Truppen nach eigenen Angaben das Hauptquartier der Medina-Division der Republikanischen Garde eingenommen. In beiden Fällen seien die Stellungen verlassen gewesen. Möglicherweise seien die Soldaten nach Bagdad geflohen, sagte Oberst Steve Hummer.

Heftige Gegenwehr

Weiter heftigen Widerstand leisteten die Saddam Hussein ergebenen Milizen und tausende Freiwillige aus anderen arabischen Ländern. US-Soldaten berichteten, sie hätten es südlich von Bagdad nicht mit regulären Armee-Einheiten, sondern mit Kämpfern aus Jordanien, Ägypten, dem Sudan und anderen Ländern zu tun. Das irakische Militär hat am Sonntag nach eigenen Angaben die auf Bagdad vorrückenden Streitkräfte mit fünf Raketen beschossen.

Bei einem überraschenden Panzervorstoß in die irakische Hauptstadt wurden am Samstag nach US-Angaben 2.000 bis 3.000 Iraker getötet. Es habe sich dabei nicht um den Versuch gehandelt, die Stadt einzunehmen, sagte US-Generalmajor Gene Renuart in Katar. Vielmehr habe man der irakischen Führung zeigen wollen, dass sie keine Kontrolle mehr über die Stadt habe.

IKRK berichtet von hoher Opferzahl

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teilte am Sonntag in Genf mit, die Zahl der Kriegsopfer sei so hoch, dass es die Krankenhäuser in Bagdad mittlerweile aufgegeben hätten, die Verletzten zu zählen. Das medizinische Personal arbeite ununterbrochen unter hohem Druck und habe für Statistiken keine Zeit. Nach Angaben des IKRK fehlt es in Bagdads Krankenhäusern vor allem an Frischwasser.

Ein BBC-Korrespondent, der den im Nordirak beschossenen Konvoi begleitete, berichtete, eine Bombe sei wenige Meter neben den Fahrzeugen eingeschlagen. Er habe mindestens zehn Leichen gezählt, sagte John Simpson, der nach eigenen Angaben am Bein verletzt wurde. Sein Dolmetscher wurde getötet. Die BBC meldete, der Vorfall habe sich in einem von Kurden kontrollierten Gebiet zugetragen. Laut Simpson bestand der Konvoi aus acht bis zehn Fahrzeugen, zwei von ihnen transportierten Soldaten einer US-Spezialeinheit. Unter den Verletzten ist auch Waji Barzani, der Bruder des Chefs der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK), Massud Barzani. (APA/AP/dpa/Reuters)

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    Bagdad: Die Menschen flüchten zu Fuß vor der drohenden Schlacht um die Hauptstadt

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    Grafik: Vorstoß nach Bagdad
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    Mörsergranaten schlagen in Bagdad ein - US-Militärs sagten Sonntagnachmittag, Bagdad sei im Westen bereits vollständig umstellt

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