Lust auf günstigen Urlaub noch größer als Kriegsangst

4. April 2003, 20:03
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Familien warten vor Storno die weitere Entwicklung ab

Ruhig geht es an diesem Vormittag in der Restplatzbörse in der Wiener Mariahilfer Straße zu. Kein kurzentschlossener Urlaubswilliger ist in Sicht, was aber den Geschäftsverlauf nicht widerspiegelt, wie die Filialleiterin Barbara Kahofer versichert. "Wir hatten zwar einige Umbuchungen und drei Stornos für die Türkei, Ägypten und Tunesien, andererseits aber auch Neubuchungen für diese Gebiete", berichtet sie. "Einige Kunden erkundigen sich zwar, ob man für denselben Preis auch woanders Sonne und Meer bekommt, was aber kaum möglich ist. Dann fliegen die Menschen trotzdem", meint Kahofer.

Ein Stück weiter stadteinwärts liegt die Zentrale von ITS-Billa-Reisen. "Es ist eine Tatsache, dass die Dynamik der Neubuchungen nachgelassen hat", erklärt Verkaufsleiter Martin Fast. Umbuchungen gebe es dagegen kaum, Stornos gar keine. Sein Unternehmen ist in erster Linie auf Familienreisen spezialisiert, "diese Kunden sind gewohnt, relativ früh, im Dezember oder Jänner, den Sommerurlaub zu buchen." Die meisten würden daher jetzt abwarten, wie sich die Situation im Nahen Osten entwickelt.

Hektik wie nach den Terroranschlägen vom 11. September registriert Fast nicht. "Im Grunde genommen ist es so, dass ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten ist", gibt er sich überzeugt. Was ihn optimistisch stimmt: In den Supermärkten wurden mehr Kataloge mitgenommen als im Vorjahr. (moe, Der Standard, Printausgabe, 05.04.2003)

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