Deutsche Telekom treibt angeblich Verkauf ihrer Funkstandorte voran

4. April 2003, 19:32
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Zur Schuldentilgung - Funkturm-Palette umfasst Mobilfunkantennen und Fernsehtürme

Die Deutsche Telekom treibt Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen zufolge den Verkauf ihrer rund 18.000 Funkstandorte in Deutschland voran und hat an mögliche Interessenten einen Prospekt mit Details der Liegenschaften verschickt. Aus den Kreisen verlautete am Freitag, "die Prospekte sind großflächig verteilt worden". Adressaten seien mehrere prominente Kapitalanlage- und Immobiliengesellschaften.

Mobilfunkantennen und Fernsehtürme

Der Verkauf der Funkturm-Palette, die sowohl einzelne Mobilfunkantennen auf Hausdächern als auch mehrere 100 Meter hohe Fernsehtürme umfasst, "ist jedoch komplex", hieß es in den Kreisen. Langfristig sei eine Konsolidierung der Funkstandorte mit den Liegenschaften anderer Mobilfunknetzbetreiber oder Funkturm-Eigentümer sinnvoll. Die Telekom wollte sich nicht zu den Angaben äußern. Ein Sprecher sagte, zu Marktgerüchten nehme man keine Stellung. Die Investmentbank Morgan Stanley berät die Telekom bei dem Geschäft und organisiert den Verkauf der in der Deutschen Funkturm GmbH zusammengefassten Funkstandorte.

Zwei Milliarden Euro

Mit dem Verkauf könnte die Telekom Branchenangaben zufolge bis zu zwei Mrd. Euro erlösen, die der hochverschuldete Konzern zum Abbau seiner Verbindlichkeiten von zuletzt 61,1 Mrd. Euro nutzen könnte. Branchenkreisen zufolge hat die Kapitalanlagegesellschaft Permira, die zuletzt den Bezahl-TV-Sender Premiere übernommen hat, Interesse an der Deutschen Funkturm GmbH bekundet.

Die Telekom erwägt bereits seit über einem Jahr, sich möglicherweise sogar von der Mehrheit an der Deutschen Funkturm GmbH zu trennen. Bereits bei der Gründung der 100-prozentigen Funkturm-Tochter zum Jahresanfang 2002 hatte die Telekom signalisiert, dass sie das Funkturm-Geschäft für die Kunden innerhalb und außerhalb des Konzerns gemeinsam mit einem Partner betreiben könne.

Sale-and-Lease-Back-Transaktion

Nach einem Verkauf würde die Telekom einen Teil der Funkstandorte zur weiteren Nutzung zurückmieten (Sale-and-Lease-Back-Transaktion). In der Funkturm GmbH sind vor allem die 18.000 deutschen Mobilfunk-Standorte der Konzernschwester T-Mobile gebündelt. Zudem gehören zum Portfolio der Firma noch zahlreiche andere Funktürme, die zur Übertragung von Radio-, Fernseh- oder Richtfunk-Signalen genutzt werden. Dazu zählt etwa der Frankfurter Fernsehturm, für den sich im Volksmund der Titel "Ginnheimer Spargel" durchgesetzt hat.

Zur Tilgung milliardenschwerer Verbindlichkeiten hat sich bereits France Telecom von der Mehrheit an seiner Funkturm-Tochter Telediffusion de France (TDF) für 1,6 Mrd. Euro getrennt. Als Käufer waren die Kapitalanlage-Gesellschaft Charterhouse und die staatliche französische Bank CDC aufgetreten.(APA/Reuters)

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