Die Gedanken sind frei

6. April 2003, 19:15
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5./6.4.2003 - Ich schäme mich, Gedanken zu haben, die Vera Russwurm in ihrer Würde verletzen könnten. Es geht aber leider nicht anders.

Ich schäme mich, Gedanken zu haben, die Vera Russwurm in ihrer Würde verletzen könnten. Es geht aber leider nicht anders.

Bei der letzten Ausgabe von "Vera" am Donnerstag kam noch erschwerend hinzu, dass ORF-Koch Alois Mattersberger, der auch nicht gerade eine Kammer in meinem Herzen bewohnt, nicht umhin kam, der Frau mit der Quote im stechenden Blick zu verraten, wie seine Traumfrau beschaffen sei. Gnade!

Da will man immer lieb und nett und verständnisvoll und buddhistisch sein, weil so eine gemütliche fernöstliche Dickheit mit der Betonung auf Phlegma gerade auch vor dem Fernsehapparat mehr als angebracht wäre, weil das Schlimmste des Tages am Abend hoffentlich längst gegessen ist - und dann: Geht nicht! Innere Unruhe! Russwurm, Mattersberger, verkrampfter Geltungstrieb, unverdauter Quargel: Der eine kocht, die andere schreit burschikos-eitel Mattersbergers Einbratrezept in die guten Stuben der Nation. Ich will, ich will, ich will! Beiden unentfernbar ins Gesicht gemeißelt.

Schon geht dem Buddha daheim das Geimpfte auf. Verletzende Gedanken ziehen wie ein schweres Wetter übers Gemüt. Klagenhagel auf die Mega-Pearls! Mattersberger soll seine Fritteuse heiraten. Ob wir es selber sind, die sich dazu den Salat einbrocken?

1653 schrieb der spanische Jesuit Baltasar Gracián in "Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit": "Alles hat heutzutage seinen Gipfel erreicht, aber die Kunst, sich geltend zu machen, den höchsten." Möglicherweise war der gute Mann seiner Zeit voraus. (schach/DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.4.2003)

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    foto: orf
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