Künstlicher Run auf Solarstrom

4. April 2003, 19:56
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Das Ökostromgesetz hat einen Run auf Sonnenenergie ausgelöst - Kritiker: Förderung löst weder Wettbewerb noch Effizienzsteigerungen aus

Wien - Das neue Ökostromgesetz hat einen Run auf Solaranlagen ausgelöst, auch wenn das ökonomisch und ökologisch kaum Sinn macht. Denn der Boom wurde durch eine künstliche Verknappung erzeugt: Laut Gesetz wird der Einspeisetarif von 60 Cent pro Megawattstunde nur bis zu einer österreichweiten Höchstgrenze von 15 Megawatt (MW) an installierter Leistung (alte plus neue Anlagen) gezahlt.

Weil dieses Limit schon im Jänner erreicht worden ist, müssen viele der geplanten Anlagen mit geringerer Vergütung (47 Cent) auskommen. Zusätzlich ist es zu einem solaren Genehmigungswettrennen zwischen den Bundesländern gekommen. Derzeit sind erst maximal fünf MW installiert, für die restlichen zehn Megawatt wurden vor allem in Vorarlberg und Salzburg über 1000 Anträge gestellt.
Der Energieregulator Walter Boltz sieht diesen Run auf die Solarenergie als krasse Fehlentwicklung, weil es bei der Photovoltaik-Förderung keinerlei Wettbewerbselement und auch keine Anreize zur Effizienzsteigerung gebe. Das für den forcierten Ausbau herangezogene Argument der Technologieförderung sei dagegen nicht stichhaltig, schließlich gebe es nur eine Hand voll Hersteller von Solarzellen, von denen aber keiner in Österreich ansässig sei.

Auch für das Erreichen der Klimaschutzziele (Stichwort Kioto) sei die Solarenergie nicht gerade das Gelbe vom Ei. "Mit Photovoltaik kostet die Einsparung einer Tonne Kohlendioxid 600 Euro, mit Wasserkraft sind es dagegen nur rund 20 Euro", sagte Boltz am Donnerstagabend vor Journalisten. Dem stünden Förderaufwendungen für die Sonnenenergie von rund 180 Mio. Euro gegenüber, für den Zeitraum 2003 bis 2015.

Auch bei der Kleinwasserkraft würden vom neuen Förderregime falsche Lenkungseffekte ausgehen. So habe ein Salzburger Kleinwasserkrafterzeuger seine Anlage von zwölf MW auf zehn MW heruntertypisiert, weil die geförderten Tarife nur bis zu dieser Erzeugungsleistung gezahlt werden. "Mit weniger Produktion verdient der Betreiber jetzt mehr Geld, als wenn er die höhere Erzeugung zum viel niedrigeren Marktpreis verkauft hätte. Die in diesem Kleinkraftwerk jetzt nicht mehr produzierte Strommenge entspricht der Gesamterzeugung der Pholtovoltaik im Bundesland Salzburg", erläutert Boltz.


Netztarif nach unten

Zugleich kündigte der Regulator eine kräftige Senkung der Netztarife bei Gas für den Herbst an. Hier gäbe es noch einen Spielraum von 15 bis 20 Prozent. In Niederösterreich steht die Verbilligung der Leitungsmaut vor dem Sommer ins Haus, das Verfahren sei schon angelaufen. (rose, Der Standard, Printausgabe, 05.04.2003)

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    foto: photodisc
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