Steirer basteln an eigener "ÖIAG"

4. April 2003, 19:36
posten

VP-Landesrat Paierl: "Hand voll private Investoren" für ÖIAG-Firmen

Graz - Nicht nur das Voest-und VA-Tech-Heimatland Oberösterreich ist wegen des neuen Privatisierungsauftrags für die ÖIAG alarmiert, sondern auch die Steiermark. Was die Landespolitiker beider Länder eint, ist die vorgesehene Totalprivatisierung von Voestalpine, VA Tech, Böhler-Uddeholm und Bergbauholding, beziehungsweise die Sorge um deren Firmenzentralen in Österreich, betrifft der Verkauf von Staatsanteilen an diesen Unternehmen doch wirtschaftliche Kerngebiete der stahlverarbeitenden Industrie beider Bundesländer. Nun geht die Angst vor einem "Ausverkauf ans Ausland" um. Während Oberösterreichs SPÖ-Landeschef Erich Haider im Lichte des Wahlkampfes forderte, das Land möge sich statt an der ÖIAG an der Voest beteiligen, spricht sich der steirische Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl strikt gegen eine "Re-Verstaatlichung" aus: "Es darf kein Cent an öffentlichen Geldern in künftige Investments fließen."

Der ÖVP-Landesrat will nur private Kapitalgeber zum Zug kommen lassen, die bei einem internationalen Anbieterverfahren mitbieten und in der Folge die freiwerdenden ÖIAG-Anteile übernehmen sollen. Entsprechende Vorgespräche mit potenziellen heimischen Investoren aus dem Banken-, Versicherungs- und Fondssektor seien im Laufen, er habe auch bereits "eine Hand voll privater Interessanten" an der Hand, die sich in den für die Steiermark relevanten Voestalpine- und Böhler-Uddeholm-Bereichen engagieren wollen.

Es seien Unternehmen, denen bewusst sei, dass sie einen langen Atem benötigen und mit ihren Engagements kein schnelles Geld machen werden. Konkreter wollte Paierl "zum jetzigen Zeitpunkt" noch nicht werden. Zumal seine Position auch nur jene des Moderators sei. "Uns geht es darum, dass wir sicherstellen, dass die Headquarters in Österreich bleiben. Es geht auch darum, feindliche Übernahmen zu verhindern", sagte Paierl im STANDARD-Gespräch.

Trotz der standortpolitischen Interessen dürften natürlich die globalen Dimensionen nicht aus den Augen verloren werden. "Kirchturmpolitik wird nicht stattfinden. Wir sind vorbereitet und können, wenn es brennt, schon morgen unser Modell präzisieren." Mit der neuen steirischen Fluglinie "Styrian Spirit" sei es bereits modellhaft gelungen, private Investoren an einen Tisch zu bekommen. (Walter Müller, Der Standard, Printausgabe, 05.04.2003)

Share if you care.