"Österreich ist beim Wein auf dem besten Weg in die A-Gruppe"

4. April 2003, 19:35
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Der fruchtbetonte Weinstil in Österreich könnte heimischen Winzern in den nächsten Jahren zu großen Exporterfolgen verhelfen

Wien - "Weine ohne Frucht sind weltweit out." Wein-&-Co-Gründer Heinz Kammerer ortet einen starken Trend zu fruchtbetonten Tropfen. Davon könnten heimische Weinbauern künftig auch im Export profitieren. Derzeit verzeichnet man zwar große Mengenzuwächse, der Wert kann damit allerdings nicht mithalten. Voraussetzung für größere Exporterfolge sei allerdings, dass das Marketing professioneller aufgezogen werde. Bei der Qualität sei man bereits jetzt "auf dem besten Weg in die A-Gruppe". Man dürfe die Konsumenten international nicht mit 16 Weinbaugebieten in Österreich überfordern. "Wir müssen froh sein, wenn ein Japaner Österreich und Deutschland auseinander halten kann", sagt Kammerer.

In diesem Zusammenhang seien die Bemühungen um eine Herkunftskennzeichnung unter dem Dach "DAC" (Districtus Austriae Controllatus) positiv zu bewerten. Dieses DAC-Siegel gibt es einstweilen nur im Weinviertel, Kammerer rechnet allerdings damit, dass andere Gebiete folgen werden. "Vor allem der Wachau stünde ein DAC-Wein gut an, weil die Winzer dort die Marke Steinfeder verkommen haben lassen."

Marketingmaßnahmen

Die Marketingmaßnahmen dürften aber nicht bei der Herkunftsbezeichnung aufhören. Dazu gehöre auch eine gewisse Preisdisziplin, die bewusste Auswahl der Betriebskanäle und auch die Aufmachung der Weine. Vor allem im Bereich der Etiketten sei in den vergangenen Jahren viel passiert.

Die Qualitätsentwicklung der Weine habe auch ein neues "Wiedergabegerät" erforderlich gemacht. Daher habe Wein & Co im Glasbereich "unumstößliche Dinge umgestoßen" und mit der vom Architekten Wilhelm Holzbauer entworfenen Serie "Solution" einen Gegenentwurf zum Marktführer Riedel vorgelegt. Diese Serie setzt nicht auf die Rebsorten, sondern auf die Konsistenz des Weins.

Geringe Mengen

Das Problem der im internationalen Vergleich geringen Mengen ist Kammerer bewusst. Es gebe aber auch Projekte, die hier vorbildhaft seien wie etwa der "Arachon", ein Gemeinschaftsprojekt der Horitschoner Weinbauern unter Patronanz der Starwinzer Tement, Szemes und Pichler. Dieses Cuvee wird aus den besten Rieden des burgenländischen Weinortes gekeltert und in 100.000 Flaschen abgefüllt. "Mit dieser Menge kann man auch im Export erfolgreich sein", so Kammerer.

Ein weiteres Erfolgsbeispiel sei das steirische Konzept mit Junker, Klassik- und Lagenweine. Vom Junker, einem jungen Weißwein, werden von Oktober bis Dezember rund eine Million Flaschen verkauft - Tendenz steigend.

Auch die von der Österreichischen Weinmarketing (ÖWM) in Zusammenarbeit mit der "Chaine des Rotisseurs" erstellte "Selektion Spargel & Wein" zielt in Richtung saisonaler Absatzsteigerung. Offenbar mit Erfolg: ÖWM-Chef Michael Thurner rechnet heuer mit 250.000 leer getrunkenen Flaschen Spargelwein, nach 200.000 im Vorjahr. Dass damit das Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist, zeige der Erfolg des Junkers. (Robert Zwickelsdorfer, Der Standard, Printausgabe, 05.04.2003)

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