Wiener Impfskandal: Schock blieb vorerst aus

4. April 2003, 19:12
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Amtsärztin angezeigt und suspendiert - Prüfnummern von noch nicht abgelaufenen Präparaten in Impfpässen eingetragen

Wien - Entgegen aller Annahmen ist bisher keine Unruhe unter jenen Patienten ausgebrochen, die in Wien-Döbling vermutlich mit abgelaufenem Impfstoff behandelt wurden.

Bei der eigens am Donnerstag vom Wiener Gesundheitsamt eingerichteten Hotline seien bisher nur vereinzelt Anfragen gestellt worden, berichtet eine Sprecherin. Man sei auf einen Ansturm vorbereitet gewesen, mit einem ganzen Expertenteam im Hintergrund. Dennoch ist noch nicht alles vorbei. Denn nach dem Wochenende werden rund 2000 Personen, die zwischen 2001 und 2003 mit dem abgelaufenen Impfstoff behandelt worden sein könnten, einen Brief des Gesundheitsamts mit der Bitte um Rücksprache erhalten. Anfang nächster Woche würden sich noch Besorgte melden, erwartet man.

Aufgedeckt

DER STANDARD berichtete über jene Amtsärztin, die im Verdacht steht, bei Zecken-, Tetanus- und Polioimpfungen unvorschriftsmäßig gehandelt zu haben. Sie soll alten Impfstoff gespritzt haben, dafür aber in den Impfpässen händisch die Prüfnummern von noch nicht abgelaufenen Impfpackungen eingetragen haben. Die Ärztin, die vom Dienst suspendiert und gegen die Anzeige erstattet wurde, steht auch im Verdacht, die neuen Impfstoffe auf eigene Rechnung verkauft zu haben. Entdeckt wurde die Manipulation bei der Kontrolle von Abrechnungen. Zudem wurden im Abfallbehälter für Spritzen verdächtige Verpackungen gefunden.

Ungefährlich

Experten erklären, dass abgelaufener Impfstoff nicht gesundheitsgefährdend sei. Man geht davon aus, dass das Impfpräparat auch über das abgelaufene Haltbarkeitsdatum hinaus noch eine Zeit wirksam bleibt. Um zu prüfen, ob noch ausreichend Schutz vorhanden ist, wird der so genannte Titertest angewendet. Dabei wird Betroffenen Blut abgenommen und dieses auf Antikörper untersucht. Sind genügend vorhanden, ist auch der Impfschutz gegeben. Ergebnisse gibt es meist binnen einer Woche. Jene Patienten, die nun nachgeimpft werden müssen, bekämen dies kostenlos, heißt es. (aw, DER STANDARD Printausgabe 5/6.4.2003)

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