Früherer Vize-Chef des serbischen Geheimdienstes festgenommen

4. April 2003, 18:28
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Bracanovic war Ende Jänner wegen Mafia-Kontakten von Djindjic-Regierung des Amtes enthoben worden

Belgrad - Im Rahmen der breit angelegten Polizeiaktion "Säbel" in Serbien ist nun auch der frühere stellvertretende Chef der Sicherheits- und Informationsagentur BIA, Milorad Bracanovic, festgenommen worden. Dies meldete der Belgrader Sender "B-92" am Freitag. Bracanovic war bereits Ende Jänner seines Amtes enthoben worden, nachdem die Regierung des ermordeten Premiers Zoran Djindjic über dessen Kontakte zur Unterwelt erfahren hatte.

"Rote Barette"

Bracanovic war vor seiner Bestellung zum Vize-Chef der BIA bei der Spezialpolizeieinheit "Rote Barette" als Sicherheitschef tätig. Die "Rote Barette" soll für einige politisch motivierte Morde in Serbien verantwortlich sein, u.a.für jenen an Djindjic. Die Serbische Erneuerungsbewegung (SPO) beschuldigte Bracanovic, maßgeblich beim fingierten Verkehrsunfall im Oktober 1999 beteiligt gewesen zu sein, bei dem vier Spitzenfunktionäre der Partei getötet wurden. SPO-Chef Vuk Draskovic war mit leichten Verletzungen davon gekommen.

Der zwielichtige Belgrader Geschäftsmann Ljubisa Buha hatte im Jänner Bracanovic auch der Verwicklung in die Ermordung des früheren serbischem Präsident Ivan Stambolic beschuldigt. Für alle politischen Mordangriffe sei nebst Ex-Präsident Slobodan Milosevic und seinem Chef des Staatssicherheitsdienstes, Rade Markovic, auch Bracanovic gefragt worden, behauptete damals Buha. Gemäß Buha hatte Bracanovic die Mordaufträge an den Ex-Kommandanten der "Roten Barette", Milorad Lukovic "Legija" erteilt.

"Säbel"-Aktion nach Djindjic-Mord gestartet

In Belgrad ist inzwischen auch der Anwalt von Lukovic, Slobodan Milivojevic, festgenommen worden. Die Suche nach "Legija", der der Verwicklung in die Ermordung von Djindjic und von Stambolic beschuldigt wird, läuft hingegen weiter. Die breit angelegten Fahndungs- und Ermittlungsaktion unter dem Codenamen "Sablja" (Säbel) wurde nach der Ermordung von Djindjic gestartet und ist gegen Angehörige der Justiz, Polizei, der Sicherheits- und Informationsagentur BIA sowie des Militärs gerichtet, die Kontakte mit Mafia-Gruppen haben sollen. (APA)

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