Moslems protestieren bei Freitagsgebeten gegen Irak-Krieg

4. April 2003, 17:41
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Palästinenser demonstrieren für Saddam Hussein - Iranischer Ex-Präsident warnt vor Zerstörung von Moscheen in Irak

Kalkutta/Teheran - Tausende Moslems in aller Welt haben bei ihren Freitagsgebeten abermals vehement gegen den Golfkrieg protestiert. In Kalkutta versammelten sich fast 20.000 Menschen im Bereich der Tipu-Sultan-Moschee, im indonesischen Solo demonstrierten rund 10.000 Kriegsgegner, im Gazastreifen etwa 5.000. Der frühere iranische Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsandjani sagte, dass eine Beschädigung der heiligen Stätten Iraks einen Gegenangriff auf das Weiße Haus in Washington provozieren könnte.

Modell der Freiheitsstatue verbrannt

In Kalkutta rief der islamische Geistliche Noorur Rehman Barkati zu einem Boykott amerikanischer und britischer Firmen auf. Er geißelte "die kriminelle Aggression zweier imperialistischer Mächte gegen Irak" und rief zum Gebet für die Seelen der getöteten Iraker auf. In Solo auf der Insel Java verbrannten muslimische Demonstranten ein Modell der New Yorker Freiheitsstatue und bezeichneten US-Präsident George W. Bush in Sprechchören als Terroristen.

Wieder brennende britische und amerikanische Flaggen

In Gaza organisierte die radikalislamische Hamas eine Demonstration von der wichtigsten Moschee in die Innenstadt. Der geistliche Hamas-Führer, Scheich Ahmed Jassin, äußerte vor 2.000 Teilnehmern die Hoffnung, dass Bagdad zum Grab für die Invasoren werden möge. Im nahe gelegenen Flüchtlingslager Khan Yunis sowie in Nusseirat bekundeten insgesamt 3.000 Palästinenser ihre Solidarität mit Irak. In Nablus im Westjordanland verbrannten etwa 1.500 Menschen israelische, amerikanische und britische Flaggen sowie Bilder der Spitzenpolitiker dieser drei Länder.

Iranischer Expräsident bezeichnet USA als Bedrohung

Der iranische Expräsident Ali Akbar Hashemi Rafsandjani verwies bei den Freitagsgebeten in Teheran auf die Bedeutung der irakischen Heiligtümer in Najaf und Kerbela für die Schiiten. Sollten diese Stätten, wenn auch vielleicht nur versehentlich, von US-Truppen beschädigt werden, sagte er katastrophale Konsequenzen voraus.

Die USA bezeichnete er als noch größere Bedrohung für die Welt als den irakischen Präsidenten Saddam Hussein, der in den 80-er Jahren Krieg gegen Iran führte. Gleichzeitig deutete Rafsandjani aber auch die Möglichkeit einer Wiederannäherung Teherans an Washington an.(APA/AP)

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