Unternehmensanleihen weiter im Aufwind

4. April 2003, 16:30
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Fondsexperten: Attraktivere Renditen als bei Staatsanleihen - Kursanstiege mit Wirtschaftserholung erwartet

Wien - Einen günstigen Einstiegszeitpunkt sehen Fondsexperten derzeit für Unternehmensanleihen der Euro-Zone. Unternehmensanleihen bieten höhere Renditen als Staatsanleihen, angesichts der erwarteten Konjunkturerholung und dem besseren Ausblick für Unternehmen sei zudem mit Kurssteigerungen zu rechnen. "Der Markt ist aus Timing-Aspekten jetzt interessant", erklärte der Capital Invest-Anleihenfondsmanager Andreas Schuster bei einem Pressegespräch.

Wie bereits zu Zeiten der US-Rezession 1990/91 sei auch in den letzten Jahren angesichts der weltweiten Konjunkturschwäche der Renditespread von Unternehmensanleihen zu Staatsanleihen stark gestiegen. Die Bewertungsdifferenz zu sicheren Staatspapieren hat sich wegen des höheren Risikos vergrößert. Unternehmensanleihen sind mit diesem Anstieg der Risikoprämie im Vergleich zu Staatsanleihen entsprechend günstiger geworden.

Deutlicher Rückgang der Spreads

Angesichts der erwarteten Konjunkturerholung sei jetzt mit einem deutlichen Rückgang der Spreads zu rechnen. "Der Höhepunkt ist bereits überschritten die Spreads sind aber immer noch in Regionen, die untypisch für eine einsetzende Erholung sind", ortet Schuster Potenzial für weitere Kursgewinne bei Unternehmensanleihen. Zudem können sich Anleger mit einem Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt das aktuell hohe Renditeniveau von Staatsanleihen einkaufen.

Der Unternehmensanleihenfonds der Capital Invest "Euro Corporate Bond" veranlagt ausschließlich in Papiere mit "Investment Grade", das heißt einem Bonitätsrating von "AAA" bis "BBB". Der höher rentierende "High Yield"-Bereich von Emittenten mit einer Bonität von "BB" abwärts wird ausgeklammert. "High Yield heißt auch high risk", warnt Schuster.

"Böse Überraschungen vermeiden"

Innerhalb der Bandbreite der Investment Grade-Papiere konzentriert sich der Fonds derzeit vor allem auf das untere Ende des Bonitätsspektrums. Der Markt für "AAA"- und "AA" sei schon stark geschrumpft und nicht mehr interessant, bei "A" und "BBB"-Papieren gebe es hingegen noch eine gute Auswahl an Emittenten und attraktive Renditen. Mit einem Fondsanteil von 58 Prozent entfällt mehr als die Hälfte des Fonds auf "BBB"-Schuldner, 35 Prozent machen "A"- und sieben Prozent "AA"-Titel aus.

Bei der Einzeltitelauswahl setzt Schuster vor allem auf "ziemlich langweilige Unternehmen" um "böse Überraschungen zu vermeiden". Unter den größten Einzelpositionen finden sich derzeit entsprechend Anleihen von defensiven Konsumwerten wie Swedish Match oder Fosters Brewing. "Es ist wichtiger schlechte Unternehmensanleihen zu vermeiden, als gute zu erwischen", begründet Schuster die Selektion. Denn wenn die Bonität eines Emittenten in den High Yield-Bereich zurück gestuft wird, kommt es zu starken Kurseinbrüchen seiner Anleihen.

Unternehmensanleihen der Euro-Zone

Auch die anderen großen heimischen Fondsgesellschaften haben auf Unternehmensanleihen der Euro-Zone fokussierte Fonds in ihrer Produktpalette. Die Raiffeisen-Fondstochter Raiffeisen Capital Management bietet mit dem "Raiffeisen-Euro-Corporates" ebenfalls ein ausschließlich in Unternehmensanleihen mit Investment Grade veranlagtes Produkt an.

Auch hier favorisieren die Fondsstrategen angesichts der anhaltenden Unsicherheiten defensive Sektoren. Rund 40 Prozent des Fonds waren per Ende Februar in "BBB"-Papiere veranlagt, mit 35 Prozent Fondsanteil machen Anleihen mit einem "A"-Rating die zweitgrößte Position aus.

Der "ESPA Bond Euro-Corporate" der Erste Bank-Fondstochter Sparinvest veranlagt ebenfalls schwerpunktmäßig in Investment Grade-Anleihen der Euro-Zone. Beigemischte Fremdwährungsanleihen werden gegenüber dem Euro abgesichert. Die am stärksten gewichtete Bonitätsklasse sind auch hier mit einem Anteil von knapp 45 Prozent per Ende Februar Unternehmensanleihen der Ratingklasse "BBB".(APA)

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