Burgenlands Volkgruppen wollen Ganztagsradio

4. April 2003, 15:37
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Hoffnung auf Kooperation mit ORF und Sicherstellung der Finanzierung durch die Bundesregierung

Volksgruppen-Radio ist nicht nur in Kärnten ein Diskussionsthema, sondern auch im Burgenland. Die im Verein "Mehrsprachiges Offenes Radio" (MORA) vertretenen burgenländischen Volksgruppen verlangten am Freitag in Eisenstadt ein Ganztagsradio. Sie streben eine Kooperation mit dem ORF an und hoffen auf eine Sicherstellung der Finanzierung durch die Bundesregierung.

Das mehrsprachige burgenländische Privatradio Antenne 4 "gibt es nicht mehr", wie MORA-Vorstandsmitglied Daniel Stern berichtete. "Auf der Frequenz sendet Hitradio FM, das einer deutschen Gesellschaft gehört." Es würden hauptsächlich Hits gespielt, die manchmal in Ungarisch oder Kroatisch angekündigt werden, die Volksgruppensprache Roman komme aber gar nicht vor.

Berufungsverfahren läuft noch

Nachdem der Verein MORA rund ein Drittel an der Lizenzgesellschaft hält, die ihrerseits Hit FM beauftragt hat, strengte er bei der KommAustria ein Lizenzentzugsverfahren an. Die Behörde erließ einen Bescheid, wonach die Volksgruppen angemessen - mit mindestens acht Stunden pro Tag - zu berücksichtigen sind. Das Berufungsverfahren gegen diesen Bescheid läuft noch.

Über das Ziel, sich als Drittel-Eigentümer diese acht Stunden Volksgruppen-Radio pro Tag zu sichern, peilt der Verein MORA als nächstes ein Ganztages-Radio für die vier Volksgruppen des Landes (Deutsche, Kroaten, Ungarn, Roma) an. MORA schlage dem ORF eine Kooperation zwecks 24-Stunden-Versorgung der Volksgruppen mit mehrsprachigem Programm vor, erläuterte Vorstandsmitglied Stefan Pauer. Außerdem unterstütze man dem ORF in seinem Bemühen, mehr Mittel aus dem Budget für die Gestaltung der Volksgruppenradios zu bekommen.

"Mit allem Nachdruck"

Die Bundesregierung wird "mit allem Nachdruck" - so Pauer - aufgefordert, alle Vorkehrungen, vor allem auch finanzielle, zu treffen, damit die Forderung nach einem Ganztagsradio endlich erfüllt werden kann. Die Ratifizierung der Charta für Regional- und Minderheitensprachen durch die Regierung verlange eine Neuorientierung bei der Versorgung der Volksgruppen mit Rundfunkprogrammen. Gefordert wird auch, die den Volksgruppen vorenthaltenen Frequenzen 105,5 und 106,3 - mit der auch die in Wien lebenden Volksgruppenangehörigen teilweise erreicht werden können - wieder zur Verfügung zu stellen.

Vor genau vier Jahren, am 4. April 1999, hat das mehrsprachige Lokalradio Antenne 4 seinen Betrieb aufgenommen. Mit dem Ende der Bundesförderung durch Schwarz-Blau im Jahr 2000 begannen die Probleme für das Volksgruppenradio, die sich mit dem Verkauf der Lizenz-Mehrheitseigentümerin "Lokalradio Burgenland" an die deutsche Gesellschaft MORA noch verschärften. (APA)

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