"Bregenz hat sich ein Zentrum verdient"

Jutta Berger , 15. Jänner 2010 20:07
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    Foto: ap/epa/leanza

    Bregenz (Bild: Kunsthaus) sucht seine Mitte.

Bürgerbeteiligung: Mitsprache bei Innenstadtentwicklung, nicht bei der architektonischen Gestaltung

Bregenz - Tourist: "Wo ist denn hier das Zentrum?" Bregenzerin: "Ähm, Sie sind im Zentrum. Mehr haben wir nicht." Dieser - in der Vorarlberger Landeshauptstadt - oft gehörte Dialog soll bald der Vergangenheit angehören. Denn, so die Worte des Bürgermeisters: "Bregenz hat sich ein Zentrum verdient."

Ihre Mitte finden soll die Stadt rund um den Kornmarktplatz, wo Kunsthaus und Theater stehen und ab 2013 das neue Landesmuseum die Kulturmeile komplettieren wird. "Keine einsame Aktion hinter verschlossenen Rathaustüren" wird die Zentrumsentwicklung, versprach Bürgermeister Markus Linhart (ÖVP) am Freitag und stellte das Projekt "Bürgerbeteiligung am Masterplan" vor. Interessengruppen, Anrainer, interessierte Bürgerinnen und Bürger sollen in moderierten Veranstaltungen ihre Ideen und Wünsche zur Innenstadtgestaltung äußern.

Profis engagiert

Für die Moderation wurden zwei konflikterprobte Beteiligungsprofis engagiert: Architekt Michael Emmenegger aus Zürich und Landschaftsplaner Wolfgang Pfefferkorn aus Wien.

Beim Beteiligungsverfahren gehe es darum, die unterschiedlichen Positionen auszuloten, zu erfahren, welche Funktionen die Bregenzerinnen und Bregenzer dem neuen Zentrum zuschreiben, welche Atmosphäre sie sich wünschen, welche Nutzung sie für wichtig halten, erklärten die Moderatoren. "Das Wie", die Gestaltung, überlasse man dann den Architekten, sagte Emmenegger.

Begleitet wird das Mitwirkungsverfahren vom Architektenteam Hörburger/Kuess/Baumschlager und Eberle. Baumschlager und Eberle, die international renommierten Vorarlberger Architekten, holte man nicht von ungefähr ins Boot. Dietmar Eberle hatte das letzte große öffentliche Bauprojekt, den Umbau des Hafens, scharf kritisiert. Ähnliches will man sich künftig ersparen.

Architektur ist tabu

Verhindert werden soll durch das Mitwirkungsverfahren auch, dass die Umgestaltung des Kornmarktviertels nach zwei gescheiterten Anläufen wiederum einer Bürgerinitiative zum Opfer fällt. Das erste Projekt, eine Lindenallee, hatte den Kritikern zu viele Bäume, das zweite, ein urbaner Steinplatz, zu wenige. Im Hintergrund der Initiativen wirkten Wirtschaftstreibende, die um die Parkplätze am Kornmarktplatz fürchteten. Architekt Gerhard Hörburger: "Wir hoffen, dass sich die Diskussion nicht wieder auf die Verkehrsplanung fokussiert."

Das Beteiligungsverfahren, das im Februar beginnen wird, ist zeitlich und inhaltlich klar begrenzt. Es endet im September. Im Oktober werden die Gremien der Stadt die weitere Planung festlegen. Vize-Bürgermeister Gernot Kiermayr (Grüne), für das Ressort Stadtplanung zuständig: "Das Mitwirkungsverfahren ist definitiv mit der Vorlage des Masterplans im Herbst beendet. Alles weitere entscheiden die städtischen Gremien und die Experten." Die Vorgangsweise reflektiere die Erfahrungen aus vergangenen Projekten, sagt Kiermayr. Wie die Negativerfahrung Hafengebäude: Fehlender Entscheidungswillen der Politik hatte zu einer Volksabstimmung und anschließender Kompromissplanung geführt. (Jutta Berger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.1.2010)

Kommentar posten
23 Postings
gaisbock
18.01.2010 15:51
Man nehme

provinziellen Grössenwahn, eine große Portion Bauwirtschaft, das Kapital unserer Kinder und Enkel, lasse das Ganze von Experten verwirklichen und fertig ist das Zentrum unserer Welt.

Karl-Heinz Kaspar
 
18.01.2010 09:17
Wenn Berlin praktisch ohne Zentrum auskommt, braucht Bregenz

garantiert, absolut und hundertprozentig sicher gar keines.
Weil ein paar Touristen sich nicht auskennen ein Zentrum zu bauen ist die wohl bisher dümmste Propagandaaktion der Baulobby. Hinten und vorn ist kein Geld für soziale Anliegen vorhanden, aber es muß gebaut werden auf Teufel komm rauß. Wann wird der Steuerzahler endlich einen Aufstand wagen und die Politiker, die unser Geld mit beiden Händen zum Fenster hinaus und in ihre eigenen Taschen schmeißen, zum Teufel jagen.

Christoph ************
20.01.2010 00:05

Berlin kommt nicht ohne Zentrum aus, Berlin hat gleich mehrere Zentren. Berlin Mitte ist aber heutzutage schon wieder sehr wohl, DAS Zentrum mit den Bundesgebäuden, Museen etc.

Observer 20
19.01.2010 18:23
kleinkariert

Ihr Posting - Ihre Meinung.

Ben Q
 
18.01.2010 11:15
berlin und bregenz

was fuer ein vergleich! schon mal ueberlegt warum berlin nicht nur KEIN zentrum, sondern derer gleich ein paar sein eigen nennt? wahrscheinlich nicht. hauptsache draufhauen!

Observer 20
19.01.2010 18:28
richtig Ihr Posting,

es gibt ja auch viele kleine Dörfer mit einem Zentrum.
Hat nicht unbedingt mit Bauwut zu tun - auch nicht mit Fragen von Touristen - ein Zentrum kann auch klein und jedenfalls für eine Gemeinde angemessen sein - also ruhig die Diskussion angehen .

Raubmordkopierer
18.01.2010 11:12

Berlin hat nicht nur "ein" Zentrum sondern gleich mehrere.

Kratos
18.01.2010 09:14

Bregenz hätte es sich höchstens verdient, komplett eingestampft und wieder neu aufgebaut zu werden. Diese Stadt ist eine einzige Fehlplanung.

Observer 20
19.01.2010 18:32
in Bregenz ist noch nie was "komplett" beleuchtet

worden. Meistens hat sich das eine oder andere "Häufchen" Interessenten für die eigene Sache durchgesetzt - egal ob das "Gesamte" leidet oder nicht!

David-Lauritz
16.01.2010 10:58
Architekturdiktatur

Bürgerinnen und Bürger werden von der Mitbestimmung ausgeschlossen. In einer Demokratie ist dies untragbar. Seit Jahrzehnten verschandelt die Architektenlobby durch kühle Zweckbauten Österreich. Wen interessiert diese protestantische Bauhaus-Retro Architektur?

Im Architekturstudium werden Studierende einer Bauhaus-Gehirnwäsche unterzogen; nachher können sie auch nichts anderes bauen. In Berlin und Dresden ist man schon weiter und baut die Frauenkirche und das alte Schloss wieder auf.

Kalvarienberg
18.01.2010 12:30
Kayjay _
17.01.2010 17:54

erstens: von welcher Architekturlobby sprechen sie? wenn es eine gäben würde, würden manch mehr sinnvollere Bauten existieren und nicht nur welche die von Finanzverbrecher (Rendite!,das rechnet sich nie!, wer muss schon auf sowas achten,das bezahlt ja keiner!!) geplant bzw. in Auftrag gegeben wurden.
2. die mitteln der demokratie in der architektur wären vorhanden (Architekturwettbewerb!!), nur sie werden immer mehr gekonnt durch machteifernde, geldverschiebende, und an architektur überhaupt nicht interessierende personen verhindert .
3. Das alte Schloss wiederaufzubauen, auf einer nicht vorhandenen Substanz (im gegensatz zur Kirche) IST eine SCHANDE.
um das geld...sie wissen...

Gij bent'm
17.01.2010 09:54
und wir tragen wieder säbel und nehmen die kutsche ins büro

es gibt heute gute architektur und das ist nicht die architektur von gestern. deshalb müssen die richtigen planer her und nicht das volk wegen jeder geschmäcklichkeit befragt werden.

Karl-Heinz Kaspar
 
18.01.2010 09:36
Wo gibt's bitte gute Architektur?

Mit neuen Techniken herumspielen bringt nur Denkmäler für Politiker und Architekten zustande. Grabdenkmäler des menschlichen Maßes, die den Menschen von anonymen Mächten aufgezwungen werden und in 50 Jahren wieder abgerissen werden, weil kein Mensch jemals auf die Idee kommen wird, dass das etwas Erhaltungswürdiges wäre. Big Mac Buden, die nach angemessener Geldscheffelzeit wieder einer neuen Corpüorate Identity Mode - Werbestrategie für Geldscheffeln weichen müssen.

Gij bent'm
18.01.2010 10:23
warum hasskappe ?

ihre "kritik" träfe auf sämtliche gebäude zu, ob antike, nur alte oder ganz neue.

aber bauen muss man früher oder später doch einmal - und das sollte fachleuten aus dem kulturellen bereich (keine baumeister etc) vorbehalten sein und nicht auf tausende einzelmeinungen des volkes.

dass sie keine gute architektur kennen, tut mir leid. diese wissenslücke müssen sie schliessen (lassen). kopf hoch, die welt ist nicht so scheisse.

Dante Alighieri
16.01.2010 14:22

Na Gott sei Dank schließt man die Bürger meist von der Mitbestimmung aus. Sonst gäbs in Österreich kein einziges Hochhaus, kein einziges modernes Haus.

LiTaiPe
16.01.2010 07:04
eine

eine lösung der stadt "zentrum" frage und die örtl. neugestaltung ohne die verkehrsthematik zu berücksichtigen bzw. endlich einmal zu lösen wird ein "pfusch" werden bzw. ist eigentlich unmöglich.

die seit 50 jahren offenen und notwendigen massnahmen d.h. die lösung der altbekannten themen wie: ** untertunnelung des "zentrums" anstatt den gesamten verkehr aus CH / westl. vororte / gemeinden bzw. aus dem oberland /dornbirn auf einer einzigen strasse einspurig richtung lochau durchs "zentrum" rollen zu lassen, ** zentrale tiefgarage kornmarktplatz, ** verlegung der bahn schienen weg vom see, ** alternativmöglichkeit von bregenz nach D zu gelangen, etc. sind überfällig. das ist ein langfristiges projekt, muss aber endlich begonnen werden.

theEdge
 
18.01.2010 09:34
Verkehrsproblematik?

Mit den Auffahrten Dornbirn Süd, Nord, Wolfurt und Bregenz stehen innerhalb von 15 Kilometern 4 Auffahrten fürs Umland zur Verfügung. Das Nadelöhr ist der Pfändertunnel.
Die Verbindung in die Schweiz ist in der Tat ein Problem, aber so lang nicht durch Rheinspitz gefahren werden darf, ergibt sich hier ganz einfach ein Platzproblem: Wohin denn, mit der gewünschten Bregenz-Tangente / Schweiz-DE-Verbindung?
Selbst wenn die kommen würde, stünde Höchst vor einem Kapazitätenproblem.

Was man bräuchte wäre eine Direktverbindung CH-DE unter dem See, dann wären alle Kombinationen (CH-DE, AT-DE, AT-CH) direkt möglich. Aber zahlen tut das ja niemand.

Bei der Parkmöglichkeit im "Zentrum" geb ich Ihnen uneingeschränkt recht. Da fehlt's vorn und hinten.

LiTaiPe
16.01.2010 07:33
p.s.

wenn so schnell und effizient wie in asien gebaut werden würde, ginge sich das sogar innerhalb einer legislaturperiode aus.

leider in ö und europa üblich werden es sonst halt 10 bis 15 jahre, eine zeitspanne vor der sich jeder politiker natürlich scheut und keine verantwortung zu übernehmen traut.

bildungsoffensive
16.01.2010 11:06
das problem in bregenz sind die extrem zerstrittene parteipolitik bzw. das kleinkarierte parteidenken.

das was die anderen fordern, darf niemals umgesetzt werden. das niveau ist im keller und bremst jegliche entwicklung ein. zudem steht bregenz finanziell nicht grad so gut da. mit dem kunsthaus bregenz hat man sich gewaltig übernommen. die untertunnelung à la st. gallen mit diversen stadtausfahrten wäre die beste lösung. die bahn könnte parallel zur autobahn, schließlich komplett im berghang geführt werden, da würde sich doch auch ein neuer bregenzer bahnhof innerhalb anbieten (wär mal was neues), neben einem neuen für wolfurt/lauterach. die verbindung in die schweiz müsste noch irgendwie gelöst werden. sonst eben die bregenzer trasse auch unter die erde. als nebenbahn.

NONE
16.01.2010 10:42

Dann muss Bregenz eben little Hongkong werden.

ken_park
15.01.2010 23:13

kein wunder, die touristen suchen die schöne bregenzer innenstadt die sie im bond-film gesehen haben.. :)

schlau meier
17.01.2010 22:25
dann ist die lösung ja einfach:

nach feldkirch fahren!

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