Überwachung

Vorratsdatenspeicherung: Kein grünes Licht von Datenschutzrat

15. Jänner 2010 13:12

Gesetzesvorhaben noch mangelhaft - Weiter Grundrechts-Bedenken gegen EU-Richtlinie

 Weiterhin kein grünes Licht für die Vorratsdatenspeicherung gibt es vom beim Bundeskanzleramt angesiedelten Datenschutzrat. Der Gesetzesentwurf des Infrastrukturministeriums, dessen Begutachtungsfrist am Freitag zu Ende ging, sei mangelhaft, es fehle ein mit anderen Ministerien abgestimmtes Gesamtpaket, sagte der Vorsitzende des Datenschutzrates, Johann Maier, am Freitag in einer Pressekonferenz. Grundsätzlich sei die EU-Richtlinie nicht mit den europäischen Grundrechten vereinbar.

Unter dem Eindruck der Terroranschläge in New York und Spanien

Infrastrukturministerin Doris Bures hatte die Novelle, mit dem das Telekommunikationsgesetz (TKG) überarbeitet werden soll, von einer Expertengruppe unter Federführung des Boltzmann-Instituts für Menschenrechte (BIM) ausarbeiten lassen. Der Vorschlag beinhaltet eine Mindestumsetzung der Richtlinie, also eine maximal sechsmonatige Speicherdauer der Daten, Verwendung nur für die Aufklärung von schweren Straftaten und nur mit gerichtlicher Anordnung. Die Richtlinie für die Vorratsdatenspeicherung ("data retention"), die unter dem Eindruck der Terroranschläge in New York und Spanien beschlossen wurde, sieht die Speicherung von Verbindungsdaten vor, im Wesentlichen wer, mit wem, wann, wie lange, von wo aus und über welchen Dienst (E-Mail, SMS, Mobil- und Festnetztelefonie, Internettelefonie, Internet) kommuniziert hat, nicht aber die Inhalte.

"Wir halten die Richtlinie nicht vereinbar mit den europäischen Grundrechten", stellte Maier gleich zu Beginn klar. Sie verstoße gegen geltende Datenschutzbestimmungen, das Telekommunikationsgeheimnis und bedeute eine Verletzung der Privatsphäre. Ein definitives Ja oder Nein vom Datenschutzrat zur Gesetzesvorlage gibt es dennoch nicht. Viele Fragen, die etwa das Justiz- und Innenministerium betreffen würden, seien ungeklärt: "Der Datenschutzrat bedauert, dass es keinen abgestimmten Begutachtungsentwurf zwischen den mit diesen Fragen befassten Bundesministerien gibt", heißt es in der Stellungnahme.

Schwere Taten

Das Justizministerium dränge etwa darauf, dass auch bei Urheberrechtsverletzungen auf die gespeicherten Daten zugegriffen werden kann, so Maier. Das Innenministerium hingegen wolle einen Zugriff auch bei weniger "schweren Straftaten", weswegen der Datenschutzrat eine restriktive Definition verlangt. Auch sei vom Innenressort der Wunsch nach einer Speicherung für ein ganzes Jahr anstelle von sechs Monaten gekommen. Aus diesem Grund fordert Maier auch ein legistisches Gesamtpaket, um ein vollständiges Gutachten durchführen zu können. Trotzdem gibt es Lob für die Infrastrukturministerin. Der Weg, den Bures mit der Mindestumsetzung gegangen ist, sei "grundsätzlich richtig".

Der Datenschutzrat rät nun auch, die Entwicklung der Vorratsdatenspeicherung auf europäischer Ebene abzuwarten. Gegen 19 Staaten - darunter Österreich - würde derzeit ein Vertragsverletzungsverfahren wegen Nichtumsetzung laufen. Eben erst hatten die rumänischen Verfassungsrichter die Vorratsdatenspeicherung in ihrem Land aufgehoben. Mit Spannung wartet man nun auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, die auch die deutsche Umsetzung kippen könnte. Nicht zuletzt verwies Maier auf den Vertrag von Lissabon, der die Grundrechte stärke. Ein hofft auf ein Umdenken auf europäischer Ebene. (APA)

 

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Posting 1 bis 25 von 65
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2ndopinion
17.01.2010 13:49
Rückkehr zum Metternich'schen Polizei- und Spitzelstaat

Auszug aus einem Presse-Artikel:

"Anstatt zur Terrorabwehr wollen die österreichischen Behörden diese Daten nun auch zur Ermittlung von Internetschwindlern, Raubkopierern und Kleinstkriminellen einsetzen. Die Ministeriumsbeamten sollen in der Sitzung sogar den Wunsch geäußert haben, die Daten zur Ausforschung von Personen einzusetzen, die Dritte über Internetforenbeiträge beleidigt haben."

http://diepresse.com/home/tech... ern.portal

wir sind heiser
16.01.2010 23:31
kommt als nächstes die mauer !!!

IOVIS
17.01.2010 03:22
Nein, die gibt's schon!

In Ceuta und Menilla (spanische Exklaven in Nordafrika), steht Europas erster Sicherheitszaun!!

Aber was für einer!

U.a. mit automatischer Gummiknüppel-Wurfanlage, die den Menschen die Beine brechen können.

Hat man's erstmal geschafft nach Europa zu kommen, stünde den Menschen nämlich die selben Rechte zu wie einem Europäer.

Obwohl... diente die Mauer in Deutschland nicht auch als "antifaschistischer" Schutzwall?

itzibitzistriezi
16.01.2010 20:30

das kostet die provider ein schweine geld ..wer zahlt das ? der kunde ? lool ich zahle meine eigene sicherheit die ich nicht brauche ??? IRGENDWAS

Ostbahnhof
16.01.2010 23:06
Monatliche "Sicherheitsabgabe" = 2 Euro/Monat

Das wird dem Kunden vom einem Provider monatlich in Rechnung gestellt. So ist das in einem EU Land mit umgesetzter Vorratsdatenspeicherung. Wer soll denn sonst für den extra IT Aufwand aufkommen? Natürlich zahlt der Kunde für seine eigene Überwachung.

Das Internet
16.01.2010 13:32

Ich befinde mich gerade in einem Land in dem man dauernd den Pass zeigen muss. Ca. alle 50km ist ein Checkpoint, wenn man ein Bus, Zug oder Bootticket kauft muss man den Pass zeigen.

Manchmal werde ich auch von der Polizei beschattet. Das passiert natürlich alles nur zu meinem Schutz.

Was aber am meisten nervt, dass man nie weiss ob man gerade beschattet wird und was mit den Daten passiert.

Plötzlich wird man verhört, dann gibt es auch Bewegungseinschränkung oder Fotographierverbot.
Aus einem Hotel wurde ich rausgeschmissen.

99% der Touristen hier bekommen von der ganzen überwachung nichts mit. Ich verhalte mich ein bisschen anders und bin dauernd im Visir.


Brauchen wird das wirklich auch in Österreich?

Wer ist dieser Hugo? Und warum ist alles für ihn?
16.01.2010 14:40

Darf man auch den Namen des Landes erfahren? Klingt ja nach Ozeanien!

Des is so - und nicht anders..
 
16.01.2010 12:26
"..wenn so viele Schwachsinnige das Sagen haben und so wenige dagegen was dagegen haben - kanns nur ein extrem böses Ende nehmen"...

bitte mein Posting ins Staatsarchiv aufnehmen ... ich will später mal beweisen können: "Ich habs ja immer schon gesagt..."

0Stoney0
16.01.2010 12:23
Nur eine Frage

Sofern die zentrale Datenbank über Hacker in der Öffentlichkeit landen - wer bezahlt für den Schaden?

Wird die EU gerade im Fall einer zivilrechtliche Klage von millionen Bürgern gerade stehen?

Bsp. Email Hotmail, div. Hacker aus China, usw.

Herzerzog Johann
17.01.2010 00:06
Es gibt keine zentrale Datenbank

Die Provider müssen das selber speichern. Tun sie jetzt ohnehin schon, aber dann müssen sie. Wenn von dort Daten entfleuchen ist natürlich der jeweilige Provider haftbar zu machen.

Paracoccidioidomicosisproctitissarcomucosis
16.01.2010 12:18
wo kann man dieses t-shirt bestellen?

noch ein paar keywords für den anti-terror-filter: osama bin ladan, 9/11, afghanistan, bomb, anschlag, barack obama

LM AA
16.01.2010 10:40
Mikrozensus

Was die wenigsten von uns wissen ist, dass in allen EU Ländern die Mikrozensus-Studie durchgeführt wird. In Ö werden zB. pro Quartal 22500 Menschen über 5 Quartale hinweg über sämtliche Ausgaben / Einnahmen / persönliche Daten abgefragt, die Interviewer kommen in die Wohnung, man wird per Telefon ad hoc befragt, etc. Man hat AUSKUNFTSPFLICHT (ob man will oder nicht), will man nicht, werden Strafen bis 5000 € verhängt, wer dann noch nicht redet, muss mit Haft rechnen. Stasi / Orwell grüß Gott sag ich nur!!! Den Anfang der Befragung macht sowas: www.mikrozensus.com. Die Fragen werden aber immer detailierter und auch immer persönlicher! Frechheit, dass man dazu verpflichtet wird!!

01010101
17.01.2010 06:37
Mikrozensus: zur Auskunftspflicht

... haben Widerspruch und Anfechtungsklage gegen die Aufforderung zur Auskunftserteilung keine aufschiebende Wirkung.
http://www.mikrozensus.com./gross1/YO... %A717-.jpg

Bertel Mann
 
16.01.2010 09:31
Eigentlich sollte man ja auch die Post und private Zusteller verpflichten, nur noch Briefe und Pakete mit Absender zu befördern

Und die Daten von Absender und Adressaten 6 Monate lang zu speichern. So ist der ganze Entwürf schon sehr inkonsequent.

ranchorelaxo
16.01.2010 11:03

dann bitte noch den zustellern der feibra und co den z-schlüssel abnehmen und den schlüssel aus dem handel nehmen...
;)

Gegen Geistlose Eigentümlichkeiten
16.01.2010 09:29
Was ich nicht verstehe

Einerseits scheinen die Journalisten endlich bemerkt zu haben, was die VDS für ihre Zunft bedeutet. Spät zwar - aber immerhin.

Auf der anderen Seite werden solche Artikel aber nach wie vor in der Freak-Abteilung veröffentlicht.

Wenn wegen der VDS nur halb so ein Tamtam gemacht worden wäre wie bei den Nacktscanner, würde wohl ein ganz anderer Druck auf den verantwortlichen Politikern lasten.

esgehtauchanders
16.01.2010 15:10
Ganz Ihrer Meinung !! Über INDECT liest man auch nichts, warum wohl?

Taran Seven
16.01.2010 02:59
Eigendlich wollen sie ja eine Analysesoftware der USA drüberlaufen lassen, die dann Netzwerke von Menschen identifiziert und aufgrund bestimmter Schemas kriminelle oder Systemfeindliche Aktivitäten erkennen soll...

Jeden den die Software (so fehlerhaft sie auch sein mag) einmal erfasst wird auf ewig in einer "verdächtigendatei" landen... und wer weis später auch womöglich im KZ... da fragt dann niemand mehr ob der Eintrag noch in der Testphase entstanden ist oder er sich nur "verwählt" hat... Geschichte Wiederholt sich... immer wieder, weil die Leute nix dazulernen...
Mit totalem Kontrollwahn hat es damals auch angefangen...

Gegen Geistlose Eigentümlichkeiten
16.01.2010 10:02

Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah: http://www.taz.de/1/politik... echerjagd/

Taran Seven
22.01.2010 10:10
Da hast Du recht, ich weiss das so ein System in Bochum und Ruhrgebiet im Einsatz ist...

Jede verdächtige Handlung wird erkannt und dann wird die Person wochenlang ehal auf welchen Kameras sie wiedererkannt wird verfolgt und der Weg protokolliert. Leider werden dabei auch Leute die zufällig neben diesen Stehen in die Überwachung aufgenommen, wenn die Software denkt, das die beiden kommuniziert haben... Jemand von den Bahnen sagte mir, das er sich nie mehr länger als wenige Sekunden in der nähe anderer Personen aufhält, damit er nicht versehentlich in der Datenbank landet...
Was dann zu einem "unerklärlichen" Einreiseverbot in die USA führen kann.

Brücke
16.01.2010 00:45

" Unter dem Eindruck der Terroranschläge in New York "

Brauchen wir einen freien und investigativen Journalismus
eine transparente Politik
eine gerechte Politik
und politisch aktive Bürger

wir sind heiser
16.01.2010 23:29
aber vor allem

zeitungen, medien, journalisten die sich trauen fehler aufzuzeigen ähnlich falter!!!
nicht nur abschreiben von der APA (die sowieso in der hand von ÖVP ist und von der gesteuert wird.)

thafritz
16.01.2010 00:18

Justizministerium, Innenministerium wieso so anonym, wir wissen doch genau wer hier wieder druck macht

bin froh und auch erstaunt, dass das in die kompetenz der infrastrukturministerin fällt

Bernd Senf for Wirtschaftsminister
15.01.2010 21:58

Und wieder einmal eines der mMn wichtigsten Themen unserer Zeit im Bereich "Web" versteckt. Bravo Standard, der Artikel über Steve Wozniaks Befindlichkeit zum Google Phone ist ja im Vergleich dazu auch ungemein weltbewegend und sollte von niemandem übersehen werden.

wir sind heiser
16.01.2010 23:30
der standard kann ja nicht anders

als handlanger der ÖVP und als ÖVP pareizeitung.

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