Schweine als Lawinenopfer

Tirol: Uni-Experiment "definitiv abgebrochen"

15. Jänner 2010, 14:29
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    foto: dpa/hildenbrand

    Schwein gehabt: Das Forschungsprojekt rund um Lawinenopfer, bei dem mit 29 lebenden Schweinen der Tod von Menschen unter den Schneemassen simuliert werden sollte, wurde abgebrochen.

Öffetnliche Sicherheit war gefährdet - Studienleiter: "Großer Verlust für das Projekt"

Innsbruck - "Definitiv abgebrochen" ist das Lawinenexperiment mit Schweinen im Ötztal im Tiroler Bezirk Imst, teilte ein Polizist am Freitag mit. "Die öffentliche Sicherheit war gefährdet und ein Experimentieren in Ruhe nicht mehr gegeben", zitierte er ein Schreiben vonseiten der Wissenschafter von Donnerstag. Tierschutzorganisationen hatten nach Bekanntwerden der Versuche, wonach mit 29 lebenden Schweinen der Tod von Menschen unter den Schneemassen simuliert werde, Proteste angekündigt.

"Die Zelte werden zur Zeit abgebrochen", erklärte der Beamte. Gegen 16.00 Uhr solle von den Experimenten in Vent nichts mehr zu sehen sein. Unterdessen haben in Sölden rund 15 Tierschützer der Organisation "Vier Pfoten" gegen das Forschungsprojekt "sehr friedlich" protestiert. Für morgen, Samstag, waren weitere Aktionen auch von internationalen Tierschutzorganisationen angekündigt worden.

Überlebenschancen erforschen

Ziel des Projektes sei es, in Zukunft die Überlebenschancen von verschütteten Lawinenopfern zu erhöhen und somit eventuell menschliche Leben zu retten, hatte der Leiter des Zentrum für Notfallmedizin Bozen, Hermann Brugger, bereits am Donnerstag erklärt. "20 Prozent der Lawinenopfer haben eine Atemhöhle", teilte er mit. Bei den Versuchen solle erforscht werden, wie sich der Einfluss der Atemhöhle auf Sauerstoffmangel und Kohlendioxidgehalt in der Atemluft für die Überlebenschance von Menschen auswirkt.

Donnerstagnachmittag war das Forschungsprojekt vorerst abgebrochen worden, nachdem die Kritiken von mitunter politischer Seite immer lauter geworden waren. Tierschutzorganisationen kündigten Strafanzeigen an, von "Barbarei" und "makaberen Tierversuchen" war die Rede gewesen. Politiker sahen das Experiment als "moralisch äußerst bedenklich" und nannten es eine "unsinnige Tierquälerei ohne jeden wissenschaftlichen Wert".

Wissenschafter "überrascht, aber nicht geknickt"

Die Wissenschafter haben sich nach Abbruch des Experiments "überrascht, aber nicht geknickt" gezeigt. Als "einen großen Verlust für das Projekt" bezeichnete der Studienleiter Peter Paal von der Medizinischen Universität Innsbruck den Abbruch. Lediglich ein Drittel der Studie habe durchgeführt werden können, sagte er gegenüber "ORF Radio Tirol". Tierethikkommission und Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung hatten das Forschungsprojekt genehmigt. Die Forscher sahen die Tests als unabdingbar an. "Der Rummel ist nachvollziehbar, aber auch naiv und bizarr, weil jeden Tag an vielen Orten Tierversuche stattfinden", erklärte Paal der APA. Der Unterschied bei diesem Projekt sei gewesen, dass man nach außen gegangen war und die Studien nicht im Labor oder Tier-OP-Sälen durchgeführt habe.

Ansonst hätte es mit Sicherheit keine öffentliche Reaktion gegeben. "Wir hätten aber die Aussagekraft der Studie infrage gestellt und wir hätten vor allem mehr Versuchsreihen gebraucht", waren sich Paal von der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin der Medizinischen Universität Innsbruck und Hermann Brugger, Leiter des Zentrum für Notfallmedizin Bozen, einig. Der Ort, Vent bei Sölden, sei so ausgefallen gewesen, dass die Medien darauf aufmerksam wurden. Paal zeigte sich überrascht, dass ein Projekt, das von allen Seiten genehmigt sei, durch "derartige Widrigkeiten in die Knie gezwungen wird".

In Vent sei mit den Schweinen dasselbe passiert, was weltweit in vielen Labors stattfinde. "Oberste, ethische Voraussetzung ist, dass die Tiere schmerzfrei und im Schlaf gehalten werden", schilderte der Studienleiter. Die Schweine seien aus der Lebensmittelindustrie gekommen und hätten bereits vor dem Transport ein Beruhigungsmittel bekommen, was beispielsweise beim Transport in den Schlachthof nicht der Fall sei.

Forschungslinie

Mit diesen Tests hätte man die seit 20 Jahren andauernde Forschungslinie im Bereich der Lawinenmedizin beendet und "extrem spannende und für den Menschen hilfreiche Ergebnisse" erhalten. "Die bisherigen Ergebnisse sind gut und erfolgsversprechend", gab Paal einen ersten Einblick in die Studie, die seit Montag stattfand. Es sei aber leider nicht gelungen, ein aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen, weil man lediglich ein Drittel der Untersuchung durchgeführt habe.

Wo, wie und in welcher Form das Projekt weitergeführt werden soll, konnte der Wissenschafter noch nicht sagen. Allerdings werde man "es nächstes Mal anders machen". (APA)

Nachlese mit Postings:

Uni stoppt Versuche nach Protesten

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josicha
12
17.1.2010, 23:21

Erstens frage ich mich, ob ich das mit den "Schweinen aus der Lebensmittelindustrie" so glauben soll... Denn in dem Tierversuchs-OP, den ich kenne, werden solche Tiere als ungeeignet angesehen, da sie viel zu stressanfällig sind. Dieses Institut verwendet (ich muss es leider so ausdrücken) ausschließlich eigens für diese Versuche gezüchtete, robuste Schweinerassen.

Zweitens halte ich diesen Versuch für außerordentlcih fragwürdig, da es bei Lawinenopfern fast zu 100% um Menschen geht, die sich auf eigene Verantwortung in Gefahr bringen und das meist auch noch fahrlässig. Dafür Tiere verbrauchen???
In Wahrheit geht es den Forschern doch nur um Ihre Publikation.

jumpingjack flash
21
18.1.2010, 11:32

ich finde das menschenverachtend - hilfeleistung und lebensrettung davon abhängig zu machen ob sich betroffene eventuell selbst in gefahr gebracht haben.
ich trau mich das gar nicht weiterzudenken.

um menschen zu helfen ist m.m. nach jeglicher "verbrauch" von tieren gerechtfertigt.

Kritifaxe
00
18.1.2010, 14:02
um menschen zu helfen ist jeglicher "verbrauch" von tieren gerechtfertigt

So einfach geht das nicht

Denkt man schon bzgl. der Kosten (also dem Geld) hinsichtlich Rettungsaktionen im Ausland nach bzw macht "Opfer" haftbar

jumpingjack flash
00
18.1.2010, 15:12

auch im inland - ohne krankenversicherung bekommen sie bei allen medizinischen leistungen grobe probleme.
für freizeit hat man auch entsprechende versicherungen zu zahlen.

Kritifaxe
00
18.1.2010, 17:04

eben, und deshalb "finden sie das menschenverachtend - hilfeleistung und lebensrettung davon abhängig zu machen ob sich betroffene eventuell selbst in .."

jumpingjack flash
00
18.1.2010, 21:16

sie sprechen bei krankenversicherung/kostenübernahme vom zeitraum weit nach der rettung - erste hilfe wird bei uns in österreich (noch) für alle geleistet - und das ist gut so.
zahlen muss irgendwer danach - das ist auch ok.

josicha
03
18.1.2010, 12:52

Ich getraue mich das schon weiter zu denken und finde es auch nicht menschenverachtend.

Auf solche Experimente (um VIELLEICHT die Behandlungsmöglichkeiten zu OPTIMIEREN, nicht Hilfe erst zu ermöglichen!) zu verzichten, bedeutet ja nicht, dass Lawinen-Verunglückten nicht geholfen wird. Geholfen wird ja ohnehin. Und das meistens von Menschen (und Hunden), die ihr eigenes Leben riskieren, um die Verschütteten zu bergen. Und auch von der Medizin.
Ich finde es unverschämt, sich bewusst in Gefahr zu bringen, und dann jegliche erdenkliche Hilfe zu erwarten.

Wie gesagt, es geht ja ohnehin nicht um die Liebe zum Menschen, sondern um die Publikation. Kennen Sie den Wissenschaftsbetrieb ein wenig?

jumpingjack flash
00
18.1.2010, 13:20

jeglicher aufwand zur rettung von menschenleben soll aufgegeben werden weil wer dabei sein könnte der unverschämt war.
wie klären sie das juristisch? einer der beim zigarettenkaufen vom auto überrollt wird hat kein mitleid zu erwarten? ein tierschützer hat so die bombennschläge in spanien gerechtfertigt - sind ja auch freunde des stierkampfes dabeigewesen.
ich kann da nicht mit! weil ich finde das menschenverachtend und gemein.
schon allein weil sicher ist dass auch gänzlich unschuldigen leid widerfahren kann und die dann sinnlos sterben müssen.
stellen sie sich vor ihnen passierte einmal so eine "dummheit" - wollten sie dann allein gelassen werden? da steht einfach erklärt worum es geht:
http://tinyurl.com/yfkf6h4

josicha
01
18.1.2010, 21:57

Unter eine Lawine gerät man nicht einfach aus kleiner "Dummheit" oder mal so zwischendurch beim Zigarettenkaufen. Dieser Gefahr ist man sich schon bewusst. In den allermeisten Fällen, wie ich schrieb. Und so schlecht ist die BEREITS BESTEHENDE Versorgung von Lawinenopfern nun auch wieder nicht.
Was hat die schwachsinnige und wirklich menschenverachtende "Argumentation" von H.F.Kaplan zur "Stierkampfnation" mit diesem Experiment zu tun? Ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen.

Man kann nicht nur "Freude und Lust" am Leben haben wollen, ohne die Konsequenzen des Risikos, das man dabei auch eingeht, selbst mitzutragen. Wie wollen Sie leben? Mir wird schon immer einer mit allen Mitteln aus der Patsche helfen, egal welchen Blödsinn ich auch mache?

jumpingjack flash
00
18.1.2010, 22:09

medizinische massnahmen (einschliesslich forschung und bereitstellung von medizin. erkenntnissen) und erst nachträglich mögliche ursachenforschung: ich schlage vor das gänzlich zu trennen - denn es ist doch klar dass allen geholfen werden soll. und zugute kommt es auch jenen die "unschuldig" verschüttet werden - von jenen die es z.b. auf einer freigegeben piste erwischt, von denen die sich im wald verirren bis zu menschen die dort arbeiten und wohnen wo lawinen abgehen. auch wenn das nur 5% wären - die rettungsmassnahmen sollte man trotzdem verbessern.

josicha
00
19.1.2010, 00:05

Damit haben Sie schon Recht. Ich sehe hauptsächlich ignorante, unvorsichtige Tourengeher vor mir, und glaube auch, dass ein Großteil der Lawinenopfer jenen angehört, die einfach auf die Gefahr sch***, dann aber winseln, wenn was passiert. Und die regen mich einfach maßlos auf!

josicha
00
18.1.2010, 12:51

"um menschen zu helfen ist m.m. nach jeglicher "verbrauch" von tieren gerechtfertigt."

Menschliche Hybris!

jumpingjack flash
00
18.1.2010, 14:30
ab wie vielen schweinen, hunden, ratten, fliegen verzichten sie auf ihr leben ?

nein, nur freude und lust am leben!

ich denk es mir immer bis zu letzten konsequenz, und bis zu mir persönlich durch. und wenn ich ehrlich bin werd ich lieber aus einer lawine gerettet und richtig reanimiert als dass ich mich dafür einsetze dass die versuchsschweine nicht im schnee sondern anderswo sterben.

ab wie vielen schweinen, hunden, ratten, fliegen ....ect. verzichten sie auf ihr leben ?

josicha
01
18.1.2010, 21:45

Die Frage ist in diesem Fall nicht, ab wie vielen ...welchen Opfern auch immer... ich auf mein Leben verzichte, sondern wie gut ich aus eigener Kraft darauf aufzupassen bereit bin. Ich begebe mich, eben weil mir mein Leben lieb ist, nicht leichtsinnig und fahrlässig in die Gefahr einer Lawine. Eigenverantwortung nennt man das.

jumpingjack flash
00
19.1.2010, 02:13

natürlich - da wäre wohl das grösste potential tote zu verhindern - wenn einfach keiner/weniger in lawinengefährdeten gebieten herumfahren.
am bsp. sölden (da gabs empörung über das experiment von den bergbahnen die die menschen anlocken) voriges jahr hat sich eine gruppe tourengeher verfahren leichtsinnig! lawine: 6 tote.
vor 2 jahren verschüttet eine lawine meterhoch die venterstrasse. nix passiert aber dort fährt der schulbus also durchaus potential für unschuldige opfer.
haben sie eine idee wie man die leichtsinnigen aus den lawinenhängen wegbekommen könnte? strafen?

Johann Zöchling
00
17.1.2010, 14:07
jetzt werdet ihr mich gleich zereißen :-)

Ich bin als Jäger gegen Massentierhaltung, Schlachttier- Lebendtransporte UND Tierversuche.

Warum?
Massentierhaltung entspringt der "Geiz ist Geil mentalität und Profitsucht" des Menschen.

Schlachttiertransporte sind widersinnig, weil beim Transport die Qualität des Fleisches sinkt.

Nur weil einige Großerzeuger noch billiger an die Lebensmittelketten liefern wollen, werden Tiere in unzumutbarer Weise gemästet,
damit jeder täglich sein billigfleisch auf den Teller bekommt :-(

Tierversuche- Daten könnten schon längst zentral gespeichert werden und für jeden Pharma-, Kosmetik. und sonstige Hersteller abrufbar sein.

Damit wären viele Widerholungsversuche gleicher Art unnötig und müßten nicht zigfach erneut durchgeführt werden.

Marie Luxemburg
00
18.1.2010, 13:10

was jagen Sie denn so?

Johann Zöchling
00
18.1.2010, 13:19

überwiegend Wildschweine, aber auch Reh- u. Rotwild(Hirsche)
Und da die Wildbretpreise ohnehin im Keller sind, (z.B. krige ich für ein kg Wildschwein nur 83 Cent vom Wildhändler, der Handel verkauft aber kg/ Euro 18,-) jage ich hauptsächlich für den Eigenbedarf und verschenke an Freunde/Bekannte aber auch Familien mit Kindern die finanzell nicht zu den Besserverdiehnern gehören.
Der Wildhandel kriegt von mir für Lau kein Fleisch!

jumpingjack flash
00
18.1.2010, 17:09

warum ist der preis eigentlich so schlecht?

Johann Zöchling
00
19.1.2010, 09:38

Nun, leider gibt es ein Überangebot an Wildfleisch. Vorallem aus Neuseeland, wo Rotwild gemästet und zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkrkt geschmissen wird.
Auch unsere Osteuropäischen Freunde mischen auf dem Wildfleischmarkt mit.

Und nicht zuletzt, kommt heimisches Wild auch dazu.

Also ein großes Angebot welches die Einkaufspreise nach unten drückt.

Marie Luxemburg
00
19.1.2010, 11:55

Sie sind wilderer, stimmt's :-)

Johann Zöchling
00
19.1.2010, 12:25

Frau Luxemburg,
Ich kann ihrer als scherzhaft gekennzeichneten Unterstellung des Wilderns, nicht folgen.

Ich denke schon, dass ich mich meines Tun's nicht zu schämen brauche und dazu stehe ich.

Ich tue nichts anderes als natürliche ressourcen zu nutzen, indem ich berechtigter Weise Wild für meinen Bedarf Jage und Erlege

Marie Luxemburg
00
19.1.2010, 17:11

wer gibt einem eigentlich das recht zu so einem jagen? wer kann einem ueberhaupt das recht dazu geben? wer bekommt das recht nicht?
was für bedarf hat man denn so persönlich an wildtieren?

Johann Zöchling
00
20.1.2010, 10:05

Hallo Frau Luxemburg & @

Dass Jagdrecht ist lt. Verfassung an Grundbesitz gebunden. Jeder Grundbesitzer mit mind. 115 ha zusammenhängenden Grundflächen hat dass "Eigenjagdrecht", sind Flächen kleiner als 115 ha werden mehrere Grundbesitze zu einer Jagdgenossenschaft vereint, Die Jagdgenossen dürfen darauf die Jagd ausüben oder die Ausübung auf andere berechtigte Jäger übertragen.

Die Jagdausübung ist im Bundes-,bzw. Landesjagdgesetz geregelt und setzt sich aus Rechten u. Pflichen zusammen.

hier können sie nachlesen
http://www.weidwerk.at/html/jauwi.htm
Was mich persönlich an die Jagd u. Jagdausübung bindet:
Ich bin mit der Jagd aufgewachsen und wurde als Kind mit dem unheilbaren Bazillus "Jagdpassion" infisziert

Marie Luxemburg
00
20.1.2010, 19:25

aber ist "passion" nicht bedenklich? wenn man überleben will oder halt es in kauf nimmt, lebewesen zu jagen, zu schießen, um sie dann zu essen (wenigstens, denn was anderes ist ja die reine trophäenjagd), gut (das ist nicht schlechter oder anders als tote tiere zu kaufen, klar!, und offensichtlich tief menschlich). aber soll es - darf es - eine passion sein? darf es eine passion sein, wenn man sich beispielsweise (was ich in Ihrem fall nicht weiß) als christ versteht?

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