Hilfe, meine Mama ist auf Facebook!

15. Jänner 2010, 11:13
  • Artikelbild

Gruppe der Frauen über 55 wächst im größten sozialen Netzwerk Facebook am schnellsten

 "Als ich mich eines Tages bei Facebook einloggte, sah ich sofort, dass einer meiner mehr als 90 Freunde seinen Beziehungsstatus von 'Single' auf 'in einer Beziehung' geändert hatte. Bei genauerem Hinsehen dann der Schock: Es war meine 62 Jahre alte Mutter." Was die britische Publizistin Alison Tyler erlebt hat, ist kein Einzelfall. Denn immer mehr Menschen älteren Semesters entdecken soziale Netzwerke wie MeinVZ, Wer-kennt-wen oder eben Facebook für sich. Immer öfter heißt es: Hilfe, meine Mutter gruschelt mich!

Kunstwort

Für Nichteingeweihte: "Gruscheln" ist ein Kunstwort und meint eine per Knopfdruck zugeschickte Benachrichtigung, dass jemand im Netzwerk einen irgendetwas zwischen "kuscheln" und "grüßen" möchte.

Die Gruppe der Frauen über 55 wächst im größten sozialen Netzwerk Facebook am schnellsten. Zwar sind die 13- bis 25-Jährigen dort noch am besten vertreten, aber das könnte sich bald ändern. Die Plattform wirbt gezielt um ältere Menschen, haben die Macher des Blogs "facebookmarketing" beobachtet. Sie mache ihnen schmackhaft, im Netz mit ihren Kindern, die oft weit weg von zu Hause leben, in Kontakt zu bleiben oder zu treten.

"Best- und Golden-Ager sind unter den Mitgliedern zunehmend stärker vertreten"

Auch die Betreiber der VZ-Netzwerke - der größten deutschen Netzwerke - beobachten einen Anstieg bei älteren Nutzern. "Best- und Golden-Ager sind unter den Mitgliedern zunehmend stärker vertreten", sagt ein Unternehmenssprecher. Immer mehr Netzwerker stehen also vor der Frage: Was tun, wenn Mama mein Facebook-Freund sein will oder bei Studi- oder MeinVZ in die Freundesliste drängt?

Will ich wirklich, dass meine Mutter meine Partyfotos mit Sätzen wie "Du hast doch gesagt, Du musst lernen!" kommentiert? Will ich vorwurfsvoll gefragt werden, warum auf meiner Farm beim Facebook-Spiel "Farmville" das Unkraut sprießt? Will ich Fragen hören wie: "Wer ist denn der junge Mann, der Dir da geschrieben hat?"

Das sollte man sich gut überlegen, bevor man bei der Freundschaftsanfrage seiner Mutter oder auch der Tante oder der Oma auf "hinzufügen" klickt, sagt der Kommunikations- und Medien-Wissenschafter Wolfgang Reißmann von der Universität Erfurt. "Man sollte vorher darüber nachdenken, was man seinen Eltern von sich zeigen möchte und was nicht. Es geht um individuelle Grenzziehungen", sagt der Experte für soziale Netzwerke.

"Wichtig" oder "sehr wichtig"

Nach einer Studie der Universität Leipzig nutzt ein Großteil von Jugendlichen und jungen Erwachsenen soziale Netzwerke vor allem, um mit Freunden zu kommunizieren. Die Wissenschafter der Professur für Medienpädagogik befragten 6.588 Nutzer der Internet-Plattform SchülerVZ im Alter zwischen zwölf und 19 Jahren. 95 Prozent gaben an, die Kommunikation mit Freunden sei "wichtig" oder "sehr wichtig".

"Als soziale Netzwerke wie MySpace oder Facebook entstanden, haben Teenager sie als Räume angenommen, um die eigene Identität darzustellen und Kontakt zu Gleichaltrigen aufzunehmen", schreibt die Wissenschafterin Danah Michele Boyd von der renommierten Berkeley-Universität in Kalifornien. "Teenager tratschen, flirten, machen Witze, tauschen Informationen aus oder verbringen einfach Zeit zusammen."

Nach Ansicht Reißmanns sollten Eltern auf jeden Fall mit ihren Kindern reden, bevor sie ihnen eine virtuelle Freundschaftseinladung schicken. "Eltern-Kind-Beziehungen sind heute in der Regel symmetrischer und einige Jugendliche haben vielleicht nichts dagegen, dass ihre Eltern die Partyfotos ansehen können", sagt Reißmann. "Andere wollen das wiederum nicht - die Entscheidung muss bei den Jugendlichen liegen." Sie hätten ein Recht darauf, alleingelassen zu werden, sagt er. "Es ist wie im richtigen Leben - wir gehen ja auch nicht ungefragt mit ihnen in die Diskothek."

Nutzer können ihre virtuellen Freunde in Kategorien einteilen

Damit es nicht dazu kommt, dass alle Nutzer, die ihre Eltern oder Großeltern zu ihren virtuellen Freunden zählen (müssen), verschämt schweigen und sich niemand mehr traut, peinliche Fotos hochzuladen, haben die Facebook-Verantwortlichen sich etwas einfallen lassen: Nutzer können ihre virtuellen Freunde in Kategorien einteilen. So können sie entscheiden, wer welche Fotos zu Gesicht bekommt und wer die Klage über den schlimmsten Kater des Lebens lesen darf.

Außerdem tauschen sich betroffene Facebook-Nutzer mit online-aktiver Mutter auch in Foren und Gruppen aus. "Mum, get off Facebook" (Mama, raus aus Facebook) heißt eine Gruppe. In einer anderen Gruppe versammeln sich "Those who believe their Mum should get off Facebook and into the kitchen", deutsch: "Diejenigen, die glauben, ihre Mama sollte raus aus Facebook und ab in die Küche." (APA/dpa)

 

druckenweitersagen:
posten
»Posting 1 bis 25 von 96
1 2 3
A Voice 
20.01.2010 09:28
Meine Güte

man kann die Leute ja auch wieder kappen.

cannery row 
16.01.2010 22:23
das sind ja wirklich..

ganz arge probleme.

ich meiner
16.01.2010 17:25
kategorien unzureichend

es können immer mal fehler passieren und dann sind auf einmal z.B. alle "peinlichen" fotos für alle zugänglich.

Es tobt der Hamster vor meinem Fenster
17.01.2010 11:51

das sind nicht mal fehler.

wenn ein freund von mir ein foto eines mir fremden users kommentiert, kann ich foto und kommentar sehen.

ich hab auf diesem weg mal das foto einer hochschwangeren in unterwäsche gesehen, das war schon ein bissi monströs.

Ringweltler
26.01.2010 13:13

monströs? :-)

dein nick-name ist ja genial *ggggggg*

hellfast 
16.01.2010 19:45

und warum sind die "peinlichen" fotos überhaupt auf facebook?

ich meiner
17.01.2010 10:21
weil das facebook markting

propagiert, dass privatsphäre heutzutage nicht mehr so wichtig ist.
ja, für einen selbst sollte sie nicht wichtig sein = preisgeben; damit sie für andere wichtig wird = auf facebook nach anderen leuten suchen und "stalken"

Ringweltler
26.01.2010 13:15

ja das macht meine freundin auch immer gerne ... und dann berichtet sie mir, was wer wo wie getan hat ... sogesehen ist dies weit interessanter also so eine society-show - weil man die menschen wirklich kennt, wo man da so "stalkt"

californian fall
16.01.2010 16:26

facebook am arsch.

Weckerkind 
16.01.2010 14:51

Tja FB. Immer gut wenn die Omi Bilder vom letzten Exzess sieht weil irgendwer glaubt dass er Partybilder veröffentlichen muss!

Martin Schatz
16.01.2010 14:26
FabulousX
16.01.2010 13:33
gruscheln?

StudiVZ ist längst vergessen

Kristof Grabmayer
16.01.2010 10:19

wer wird in facebook von deinem vater geblockt?

deine mudddaaaa...
deine muddaaaa

http://www.youtube.com/watch?v=I92c8tJpMvg

Beißer
16.01.2010 09:28
Chatten und Facebook?

Wieso?

Ringweltler
26.01.2010 13:17

Chatten über zB MSN ist ganz cool - da redet man privat quasi zwischen 4 augen mit einem freund und innen. wenn man sich nicht oft sehen kann, ist dies wirklich optimal.

ja und facebook kann ich nicht erklären - keine ahnung wieso man das braucht.

Erich Strophl
16.01.2010 07:37
und Väter

Wieso steht hier nichts von Vätern? Ich bin Vater und mein bald 15 jähriger Sohn ist natürlich mein Freund auf FB.

Wohne im Ausland, kann daher nicht immer bei ihm sein und so habe ich ein nettes Tool um mit ihm in Kontakt zu bleiben. Kurz einmal ein cooler Link geposted, ein wenig chatten, eine Nachricht...

Ich mags!

Stephen Ferrando
28.01.2010 21:49

was für ein verantwortungsloser schlechter vater sie sind. halten sie sich von fb fern, sie sind ein schlechtes vorbild für junge menschen

oiso
16.01.2010 11:02

und sinds jetzt stolz auf sich, dass sie im ausland leben und zu ihrem pubertierenden sohn ach so toll kontakt über fb halten?!

so stellen sich manche die beziehung zu ihren kindern vor.. ein link, ein wenig chatten, eine nachricht...

wie sich manche väter abseilen ist zum .....

Towanda
18.01.2010 11:07

Da war aber von Frauen die Rede, also Mütter ...

ErikDerWikinger 
18.01.2010 10:15

"Nur die Liebe zählt". Ein TV-Tipp um zu erkennen, dass es bei einigen keine böse Absicht ist.

veni vidi posti mülli
18.01.2010 09:35
bei allem respekt zur meinungsfreiheit,...

aber so ein geistiger dünnsch*ss sollte verboten werden

hellfast 
18.01.2010 09:18

geistig abgeseilt?

Jan Itór
17.01.2010 10:54

Kann es sein, daß Sie hier ein wenig vorschnell urteilen?

Dagmar Rehak  | 
17.01.2010 06:15

Ich sehe meine Auswärtigen wahrschinlich genauso oft wie der, auf den du hier so böse antwortest.
Und deshalb würde ich gerne von dir ein Patentrezept haben, wie man mit jungen Erwachsenen aus den eigenen Lenden so optimal umgehen soll/darf/muss.

Stenmurks
16.01.2010 23:11

selten hat ein unnötig so gepasst wie bei deinem sinnlos kommentar.

posten
»Posting 1 bis 25 von 96
1 2 3

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.