Widerstand gegen Anti-Terror-Gesetz

16. Jänner 2010 15:18

Justizministerium weist Kritik als "überschießend" zurück - NGOs befürchten, dass künftig ziviler Ungehorsam als Terrorismus eingestuft werden könnte

Wien - Mit einem "Terrorismuspräventionsgesetz" will Justizministerin Claudia Bandion-Ortner die Ausbildung in "Terrorcamps" unter Strafe stellen. Amnesty International, Tierschützer und Journalisten geht der Entwurf zu weit. Sie befürchten Repressalien, dass normaler ziviler Ungehorsam (wie etwa die Besetzung der Hainburger Au oder des Audimax) von den Behörden künftig als "Terrorismus" eingestuft und kriminalisiert werden könnte - ähnlich wie Polizei und Staatsanwaltschaft kürzlich Tierschützer unter Mafia-Verdacht gestellt und vor Gericht gebracht haben.

Die "Ausbildung für terroristische Zwecke" soll künftig mit Strafen zwischen einem und zehn Jahren Haft geahndet werden, die "Anleitung zur Begehung einer terroristischen Straftat" via Medien mit bis zu zwei Jahren und die "Aufforderung zu terroristischen Straftaten" bzw. deren öffentliche "Gutheißung" ebenfalls mit bis zu zwei Jahren. Die Begutachtungsfrist für den Entwurf ist am Freitag abgelaufen.

Justizministeirum weist Kritik zurück

Das Justizministerium weist die Kritik am Entwurf für das "Terrorismuspräventionsgesetz" als "überschießend" zurück. Größere Änderungen an dem Entwurf soll es laut einem Sprecher von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner aber nicht mehr geben: "Wer die Audimax-Besetzung oder die Besetzung der Hainburger Au mit diesem Gesetz in Verbindung bringt, hat entweder das Gesetz nicht gelesen oder er übertreibt bewusst", sagt die von der ÖVP ins Amt berufene, parteifreie Justizministerin.

Außerdem verweist das Justizministerium darauf, dass mit dem Gesetz ein EU-Rahmenbeschluss zur Terrorismusbekämpfung umgesetzt werden soll. Ziel des Gesetzes sei es, eine Handhabe gegen die Teilnahme an einem "Terrorcamp" im In- oder Ausland zu schaffen. "Sicherheitsbehörden haben zuletzt beobachtet, dass sich immer mehr junge österreichische Muslime in Terror-Camps in Afghanistan oder Pakistan instruieren lassen und dann nach Österreich zurückkehren", hieß es in einer Aussendung des Ministeriums am Samstag.

Kritiker: Entwurf geht zu weit

Amnesty International sowie der Tierschutzorganisation "Verein gegen Tierfabriken" und dem "Österreichischen Journalistenclub" geht der Entwurf des Justizministeriums zu weit. Amnesty warnte in seiner Stellungnahme, dass der aktuelle Wortlaut des Entwurfes "überschießend" und "unbestimmt" formuliert sei. "Kommt die Novelle mit den jetzigen Bestimmungen, dann kann damit bei einseitiger Auslegung jegliche zivilgesellschaftliche Bewegung, die vom Staat unerwünscht ist, unterdrückt und verfolgt werden", sagt Generalsekretär Heinz Patzelt.

Insbesondere kritisiert Amnesty, dass künftig bereits die "Aufforderung zu mit Strafe bedrohten Handlungen" und deren "Gutheißung" (laut Par. 282 Strafgesetzbuch) als "terroristische Straftat" gewertet werden soll. Patzelt warnt, dass nach den Definitionen dieses Gesetzes auch die Besetzung der Hainburger Au in den 1980er Jahren als Terrorismus gewertet werden könnte: "Nötigung" und "gefährliche Drohung" habe es damals ebenso gegeben wie eine "Störung des öffentlichen Lebens" - immerhin wurde die Regierung zur Unterlassung des Baus eines Kraftwerks in der Hainburger Au genötigt. Nach dem selben Muster hätte man auch die Audimax-Besetzung als "Terrorismus" definieren können - ebenso jeden Aufruf zur Teilnahme auf Facebook, warnt Amnesty.

Einschränkung der Medienfreiheit?

Ähnliche Bedenken hegt auch der Verein gegen Tierfabriken (VGT): In seiner Stellungnahme verweist Obmann Martin Balluch darauf, dass wegen des ähnlich unscharf formulierten "Mafia-Paragrafen" (278a StGB) derzeit Verfahren gegen 16 Tierschutzorganisationen laufen.

Vor einer Einschränkung der Medienfreiheit warnt der Österreichische Journalisten Club (ÖJC). Grund: Das Terrorismuspräventionsgesetz stellt auch die mediale "Anleitung zur Begehung einer terroristischen Straftat" unter Strafe. Das könnte, so warnt der ÖJC, aber dazu führen, dass etwa auch die Aufdeckung schlampiger Sicherheitsmaßnahmen auf Flughäfen kriminalisiert werden könnte. Der ÖJC fordert daher die ersatzlose Streichung des geplanten Par. 278 StGB. (APA)

Kommentar posten
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wider Indifferenz
29.01.2010 10:55
lobby-denuntiantentum

der oft erwähnte "goodwill" oder "badwill" des staates ist nicht dafür verantwortlich, dass 16 tierschutzorganistionen zur zeit nach dem mafiaparagraph verfolgt werden. diese verfahren werden von anwaltsarmeen eben nicht tierliebender konzerne, wie zb die bekleidungsbranche, nach eben diesem mafiaparagraph angestrengt. der staat kann sich nach erlass des gesetzes gar nicht mehr aussuchen wer wen nach diesem gesetz dann verklagt. in der zukunft würden halt vl ein paar banken anwälte beauftragen die dann die gesamte SJÖ, ÖH, oder wer auch immer eine eventuell nicht genehmigte demo abhält (=srafbare handlung), als terrorgruppe in U-haft nehmen lassen. da brauchen wir gar nicht erst auf die faschistenregierung der zukunft zu warten!!

contains sugar
23.04.2010 13:15
richtig!

fingerabdrücke von jedem nehmen, die freie meinungsäußerung und das demonstrationsrecht einschränken - diese ideen stammen alle aus einer zeit vor 70 jahren.

wer jetzt noch nicht kapiert hat, dass der neue faschismus nicht von rechts kommen wird, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

Inglib summoned
31.07.2011 13:22
auch vor 60 jahren

Auch vor ungefähr 60 Jahren wurde die Meinungsfreiheit im jungen österreich und deutschland eingeschränkt, auch wenn dies allgemein als eine gute sache angesehen wird und ich selbst diese Meinung nicht vertrete, sehe ich es als falsch die Meinungsfreiheit überhaupt irgendwie einzuschänken.

a b1
27.01.2010 14:04
Dann müssen wir den Widerstand halt noch aufbauen

bevor er verboten wird!

Gegenstimme1
27.01.2010 12:49
Davon ist die Rede Abs 2!!

§ 283. 1)Wer öffentl zu Gewalt o. Hass o. auf eine Weise, d geeignet ist, d öffentl
Ordnung zu gefährden, zu einer sonst feindseligen Handlung gegen eine nach den Kriterien der Rasse, der
Hautfarbe, der Sprache, der Religion o. der Weltanschauung, der Staatsangehörigkeit, der Abstammung o.
nation o. ethni Herkunft, d Geschlechts, einer Behinderung, d Alters o. d sexuellen
Ausrichtung definierte Gruppe v Personen o. gegen ein Mitglied einer solchen Gruppe wegen dessen
Zugehörigkeit zu dser Gruppe auffordert o. aufreizt, ist m Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren zu bestrafen.
2)Ebenso ist zu bestrafen, wer öffentl eine d in Abs. 1 bezeichneten Gruppen in einer d
Menschenwürde verletzenden Weise beschimpft o. verächtlich zu machen sucht.

NO : ID
 
21.01.2010 15:38
woher weht eigentlich der wind?

http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXI... 177827.pdf

dreigroschenroman!

system1
21.01.2010 14:14
da haben unsere beamte aber wieder einmal ein 1a gesetz erfunden.

frage: wer schützt uns steuerzahler vor solchen unsinnigkeiten wie sie oben beschrieben als gesetz gelten sollen???? so ein nonsens, möchte wissen wer schuld an diesem blödsinn ist.

contains sugar
23.04.2010 13:13

sollte hier nicht der bundespräsident seinen mund aufmachen, wenn die grundrechte der bürger in gefahr sind????

Iluminator
20.01.2010 10:10
Grokonelle - die Macht für die Machtausübung!

Selbstzweck und zur Beuteteilung gemacht!

iohui
18.01.2010 03:15
der einzige ernstzunehmende terror in österreich

kommt vom justiz- und vom innenministerium.

diese herrschaften geben sich ernsthaft mühe, unser vertrauen zu verlieren.
ich frage mich ob sie wissen oder ob sie wirklich nicht wissen, wie gefährlich das für einen staat ist.

ich frage mich warum sie das tun, denn sie werden selbst darunter zu leiden haben, weil sie nicht bis zu ihrem tod durch ihre funktion geschützt sind. sie und ihre familien, ihre kinder, werden so wie wir alle in einem staat leben, wo man den behörden nicht trauen kann.
warum macht jemand sowas verantwortungsloses und dummes???
was bekommen die dafür, dass sie sowas verantwortungsloses und dummes machen???

und die frage aller fragen:
für wen tun die das?

hlg
18.01.2010 22:01
für die erhaltung...

der macht...

wider Indifferenz
29.01.2010 08:52
Nein, dafür sicher nicht..

keine unserer beiden grossparteien ist in irgendeiner weise in ihrem machterhalt gefährdet, ausser durch die bunte konkurrenz vielleicht, und die zu verbieten wäre schon recht auffällig.. dieses gesetz dient nur dazu der rechten bevölkerungshälfte vorzugaukeln es würde jetzt der böse hassprediger eingesperrt weden können. (an sich schon dämlich, eine solide demokratie verträgt sogar solche meinungen, und die aufferderung zu einer straftat ist jetzt schon strafbar). hatte denn östereich schon ein eiziges opfer von terrorismus? diese gesetz dient nur dazu die gräben zu erweitern und durch verstärkte repression "terroristische" straftaten in der linken szene zu provozieren, um erst dann so richtig die propaganda maschine in gang zu bringen!

hlg
03.02.2010 06:22
das trifft es genau:

"verstärkte repression"

zb indem man jedem zweiten arbeitslosen ein kontrollorkapperl aufsetzt und eine bunte uniform verpaßt...

iohui
19.01.2010 20:55

ja aber wessen macht? deren eigene ja ganz offensichtlich nicht. dazu sind sie zu austauschbar.

hlg
20.01.2010 19:49
die ihrer nachkommen und...

verwandten.

siehe politikerkinder in allen parteien...

mittlerweile in spitzenpositionen.

Walter Bimini
17.01.2010 17:12
kaum hat sie den bawag prozeß zur zufriedenheit von spö und övp über die bühne gebracht,

gibt es einen ministerposten, aber leider keine befahrbare buspur. anscheinend spitzt sie jetzt auf den posten der homeland security.

spoiled ballot
17.01.2010 11:26
punkt 1 hat sich ja prompt erfüllt

http://derstandard.at/plink/126... id15335727

Lünz
17.01.2010 12:50
Militante Tierschützer sitzen zu recht in Haft!

Außer Sachbeschädigung, gefährliche Drohung,
Stalking, usw sind nicht mehr strafbar.

Das hat mit ÖVP-Kritik nichts zu tun

Alkolix
17.01.2010 15:26
aber

was haben militante tierschützer mit der mafia zu tun?

Lünz
17.01.2010 16:12
Mit der Mafia habens nix zu tun,

was nichts an der Tatsache ändert, daß die
"Protestmethoden" unrechtmäßig, unverhältnismäßig
und STRAFBAR sind, also Haft mehr als gerechtfertigt
ist.

Alkolix
17.01.2010 17:13
wie kommt es dann,

dass diese militanten tierschützer wegen einem anti mafia gesetz ohne prozess zu beträchlichen untersuchungshaftzeiten kommen

Recht ist Auslegungssache
17.01.2010 11:21
Weit sind wir schon...

Im "Ministerium für Liebe" sitzen lauter fähige Personen, die um unser tägliches Wohl besorgt sind und sich aufopfernd für uns einsetzen. Wir sind ein glückliches Volk. Eine Insel der Seligen. Die, die Kritik äussern, verschwinden kurz darauf? Bald? Und das völlig zu Recht. Weg mit den subversiven Elementen! Ein "Hurra" für unsere weisen Führer und Spitzenkräfte.

/Sarkasmus off...

Wenn DAS subversiv war, komme ich wohl ins Gefängnis, oh mann...

jowmosc
 
17.01.2010 00:19
fortsetzung von:ein Ende der "diplomatie"

..gebäude und erweiterte einrichtungen von"nur" der"diplomatie"mehr finden könnten,zudem eine einfachere einsicht in die finanziellen mittel im zeitrahmen des aufenthaltes,der schutz österreichs vor etlichen präsidial reichen personen und gruppen,die hier eine eigene schicht bilden unabhängig der staatszugehörigkeit,diplomatische immunität als familie,bund und auch verschwörung geniessen und statt zu "beobachten",sich nicht scheuen in jeglicher weise in das zivilleben von österreichern einzugreifen,und es wäre wohl nur das mindeste,einfach nur mit reichtum bishin zu macht mittels schutz und"vorkehrung"anzugeben.die eigentlichen terrorist.fähigkeiten,sind realmilitärisch und auch gegen zivilvolk etabliert-ohne zugriffsrecht des bundesheeres.

Lazy Jones
16.01.2010 20:38
Rücktritt, jetzt!

Walter Bimini
17.01.2010 17:01
morgen wäre auch noch in ordnung.

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