Mayers Europablog

Schulnote 2 bis 3 für Hahn

Thomas Mayer, DER STANDARD, 14. Jänner 2010, 22:09
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    foto: apa/epa/hoslet

Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat bei seiner Anhörung bei den EU-Abgeordneten alles in allem einen guten Eindruck hinterlassen. Er wird kein Problem haben, als künftiger EU-Kommissar für Regionalpolitik bestätigt zu werden.

Dafür spricht der Applaus des Ausschusses am Ende, der stärker war als bei vielen  anderen von 20 Kandidaten bisher. Dafür sprechen einige Reaktionen aus den Fraktionen. Auch der SPÖ-Abgeordnete Hannes Swoboda - er ist als Geschäftsführer der SPE-Fraktion ein Schlüsselmann im Geschehen im Parlament - sagt über den Konservativen, dass er "ein guter Kommissar werden kann".

Man könnte einwenden, dass die Abgeordneten Hahn auch nicht besonders mit kritischen Fragen gezwickt haben. Die Befragung verlief ohne große Höhepukte, weitgehend ohne direkte Widersprüche und Emotionen. Und dass der Kandidat eher mit allgemeinen Visionen zur Bedeutung von Innovation und Ökologie in einer integrierten Wirtschaft auffiel als mit konkreten Plänen auf dem steinigen Feld der Strukturförderung.

Mit Spannung wurde auch erwartet, ob Hahn - ähnlich wie die Bulgarin Rumiana Jeleva - ins Schwitzen kommt, wenn er zu den vom Grünen Peter Pilz in Österreich kolportierten Vorwürfen zu angeblichen Steuermalversationen, Schwarzgeld bei Grundstücksverkäufen, der Firma Novomatic - seinem früheren Arbeitgeber - befragt wird (die Firma bestreitet das übrigens vehement und hat Klage angekündigt). Davon blieb wenig bis nichts übrig, die Vorwürfe verpufften, so wie auch ein versuchter Nachzieher des FPÖ-Abgeordneten Franz Obermayr dazu. Hahn bedankte sich sogar für die Anfrage, um vor dem Ausschuss festhalten zu können, dass absolut nichts gegen ihn vorliege. Die Abgeordneten hatten nichts um nachzusetzen.

Der Kandidat kann also zufrieden sein. Am Ende zählt bei Anhörungen das Ergebnis, der Gesamteindruck: Hahn erarbeitete sich meiner Einschätzung nach die Note Zwei bis Drei. Er wird damit im neuen Team von Präsident José Manuel Barroso beim Start zum besten Drittel zählen.

Ob dessen Wahl planmäßig am 26. Jänner stattfindet, ist aber derzeit noch unsicher. Die SP-Fraktion will Jeleva keinesfalls (mit)wählen, die Grünen sowieso gegen die gesamte Barroso-Kommisison stimmen, wie auch die Linke und aus Prinzip wohl die meisten EU-Gegner und Rechtsextremen. Und auch bei den Liberalen gibt es Vorbehalte gegen die Bulgarin wegen deren unklarer Besitzverhältnisse bzw. finanzieller Interessen in Zusammenhang mit einer den EU-Institutionen nicht deklarierten Firma.

Da das Plenum des Parlaments laut EU-Vertrag nur die gesamte EU-Kommission bestätigen kann, nicht aber einzelne Kommissarskandidaten per Votum abwählen kann, ist eine für Barroso ungemütliche Lage entstanden. Damit der geplante Termin am 26. Jänner hält, müsste umgehend ein Ersatzkandidat aus Bulgarien gefunden werden - die Rede ist von Verteidigungsminister Nikolaj Mladenow, einem früheren langjährigen EU-Abgeordneten. Oder Barroso müsste für Jeleva eine Ehrenerklärung abgeben, für sie seine Hand ins Feuer legen, um SPE und Liberale umzustimmen - mit dem Risiko, dass an ihm später etwas hängenbleibt, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Die Entscheidung soll demnächst fallen. Möglich, dass Jeleva zuvor ein zweites Mal zur Anhörung vor den Ausschuss treten muss.

Zurück zu Hahn. Er hat seine Anhörung nach anfänglicher Nervosität, die daran zu erkennen war, dass er ungewöhnlich laut redete wie auf einem Parteitag, geschickt angelegt. Seine Berater sagten vorher, er habe sich ganz auf Englisch auf die Materie vorbereitet, weil man annahm, dass das möglicherweise gewünscht werde. Zuletzt hat er sich dann doch dafür entschieden, den so heiklen Termin in seiner Muttersprache zu absolvieren.

Aus langjähriger Beobachtung kann man sagen: Das ist im Zweifel gescheit, weil manche unter Druck in einer Sprache, die sie nicht perfekt beherrschen, ziemlich viel Unsinn reden. Hahn absolvierte im Anschluss an die Anhörung ein kurzes Pressegespräch auf Englisch. Er spricht ganz gut, aber über volle drei Stunden im Ausschuss wäre er wohl nicht so gut rübergekommen.

Das Zweite, was Hahn offenbar gut vorbereitet hat, war, sich darauf zu konzentrieren, keine Fehler zu machen. Das ist bei Hearings wichtiger als alles andere. Fünf gute Statements fallen weniger ins Gewicht als ein Ausrutscher.

Anhörungen haben die Eigenart, dass man wirklich brillant sein muss, um einen rundum ausgezeichneten Eindruck zu hinterlassen - so wie Binnenmarktkommissar Michel Barnier gestern. Das sind die seltenen Stars.

Nicht so brillante bzw. auf dem komplexen EU-Gebiete nicht 100prozentig firme Kandidaten können sehr rasch "alt aussehen", wenn sie sich einen Fehler leisten. Hahn hat das vermieden, indem er sich auf gewisse Details der EU-Abgeordneten (die auf ihrem Detailgebiet naturgemäß ausgewiesene Experten sind) gar nicht erst einließ, zuweilen sogar offen einräumte, dass er noch nicht die Zeit gehabt habe, sich das alles zu erarbeiten - und um Nachsicht bat. Das kommt bei den Abgeordneten ganz gut an. Jeder von ihnen hat die nicht ganz unkomplizierte Lehrzeit auf EU-Ebene hinter sich und weiß, wie komplex die Dinge in Europa oft sind. Hier zählt nicht das Großmaul, sondern Wissen und Erfahrung mehr.

Das dritte, was Hahn ganz gut rüberbrachte (meinem Eindruck nach übrigens viel stärker als je in seiner Rolle als Wissenschaftsminister in Österreich): Er präsentierte sich als eloquenter Politiker, der versucht, Zusammenhänge zwischen mehreren Fachbereichen herzustellen, der die große Linie nicht aus den Augen zu verliert. So traut man ihm zu, dass er mehr sein wird als nur ein auf sein Ressort beschränkter Geldverteiler.

Man hatte streckenweise den Eindruck, dass Hahn sich jedenfalls auf dem Feld der Europäischen Politik, bei der Sachpolitik wohler zu fühlen scheint als auf dem von polemischen Streitigkeiten geprägten Boden der österreichischen Innenpolitik.

Aber die letzten 30 Minuten der Befragung zeigten auch, wie sehr ihn das alles geschlaucht hat. Drei Stunden voll konzentriert zu sein ist für die Kandidaten nicht einfach, wie manche auch zugeben. Einmal stockte Hahn, sagte, dass ihm jetzt das deutsche Wort für "housing sector" nicht einfiele, bat um Hilfe. Da merkte man, wie der Schädel schon brummt. Mehrfach musste er darum bitten, dass ein Fragesteller seine Frage wiederholt, weil er "den Faden verloren habe". Die Vorsitzende Hübner sah ihm das generös nach.

Eine interessante Frage ist auch, ob der Wiener Hahn auf Dauer mit der eher trockenen spröden Materie seiner Arbeit auf Dauer glücklich sein wird. Ein paar Mal hat er bei der Anhörung Wiener Schmäh aufblitzen lassen - aber das kam bei den Abgeordneten aus ganz Europa spürbar nicht an.

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Posting 1 bis 25 von 30
1 2
Schneeglöckchen
 
00
18.1.2010, 10:38
"Alle Väter lieben ihre Kinder und wollen nur das Beste für sie" Johannes Hahn

In Deutschland, wo Zahlen vorliegen, sprach Van der Leyen 2007 davon, daß 10-15% aller Kinder hardcore-Eltern ausgesetzt sind.
Hardcore bedeutet idR soviel Gewalt, daß die Kinder gerade noch überleben.

Es ist daher eine Verhöhnung der kindlichen Opfer, Eltern einen Persilschein auszustellen.
Erschreckend auch die Reaktion des an sich so kritischen Auditoriums, welches anstatt empört über soviel Ignoranz mit Wohlwollen reagierte.

vergib ihnen, denn...
01
15.1.2010, 13:14
jetzt hamma alle an neichen Papa!! Juchuuu! Irgendein Label muss jeder platzieren.

wirds inhaltlich haarig, dann geh einfach auf eine andere ebene; bis die anderen den schwenk nachgezogen haben, hast schon durchgeatmet und wieder was posten können. Also: sag einfach: ich will Euer Papa sein, das irritiert, lenkt ab, (wer hat schon keinen Papa oder ist nicht Papa) und wie es der österreicher so gern hat, lenkt auf die beziehungsebene, also so kann man einen sachlichen Zugang mal sekundenlang lahmlegen. Na, wenigstens hat er net Vati gsagt!!!!

Quante N. Sprung
00
15.1.2010, 11:58

"Man hatte streckenweise den Eindruck, dass Hahn sich jedenfalls auf dem Feld der Europäischen Politik, bei der Sachpolitik wohler zu fühlen scheint als auf dem von polemischen Streitigkeiten geprägten Boden der österreichischen Innenpolitik"...

Das ist genau der Grund, warum die EU (auch wenn's viele nicht wahrhaben wollen) ein Erfolg ist: Keiner der Entscheidungstraeger muss Zeit und Energie vergeuden mit billgem Anbiedern beim Waehler. Das so oft bejammerte Demokratiedefizit ist in Wirklichkeit die Staerke der EU.

KTHXBYE
00
15.1.2010, 11:36

Wenigstens ist damit wieder einmal eindrucksvoll nachgewiesen, daß für Brüssel die größten Pfosten rekrutiert werden. Die anderen werden um nichts besser sein.

Stoppan
02
15.1.2010, 10:55
Bravo!

Endlich wieder einmal etwas Positives von einem österreichischen Politiker. Viel Erfolg Herr Hahn!

MBR
00
21.4.2010, 16:29
welcher hahn?

der e-wahlen hahn?
der granderwasser hahn?

Alastair McKenzie
 
02
15.1.2010, 10:38
Novomatic

Es ist kaum verwunderlich, dass kaum einer der Abgeordneten bzgl. Novomatic nachgefragt hat. Solche Geschichten gehören bei denen zum Alltag. Darüber regt sich in der EU keiner auf.

Kurt Falk
00
15.1.2010, 17:34
was gehört zum alltag?

die bulgarin wird ausgetauscht. ist dir fad oder willst du was mitteilen?

noracismonearth
40
15.1.2010, 09:56
also ist der hahn ein zweit bis drittklassiger

da sieht man wie wichtig die eu der österreichsichen regierung ist...

Kurt Falk
00
15.1.2010, 17:36
du bist ein letztklassiger

wenn selbst der standard objektiv berichtet bbc und alle deutsche zeitungen positiv berichten ist das für dich zweitklassig? Der neid ist ein hund - !

Alastair McKenzie
 
00
15.1.2010, 10:34
Damit ...

... reiht sich Österreich aber in die Riege der meisten EU-Staaten ein. EU-Kommissare werden traditionell Politiker, für die man zu Hause keine Verwendung mehr hat.

Kurt Falk
00
15.1.2010, 17:37
redst du nur

oder liest du schon?

luchmhor
10
15.1.2010, 10:28

Artikel gelesen?

noracismonearth
20
15.1.2010, 11:47
ja hab ich

er konnte dann doch nicht in englischer sprache dem gremium gegenüber treten und das ist für mich beweis genug für die zweit- bis drittklassigkeit!

luchmhor
11
15.1.2010, 14:37

Schliesse mich Alastair an.
90% der Politiker Österreichs können gerade mal ein paar englische Sätze sprechen, geschweige denn eine andere Sprache. Nur Ausnahmen wie die Ferrero kann wirklich fliessen viele Sprachen.
Und sein Englisch dürfte im Vergleich mit Gorbach & Co sogar sehr gut sein.
Aber es ist sowieso egal. Hahn wird hier im Forum geschasst, und wenn er z.b. bei einem Interview nur sagt: "Ich bin Johannes Hahn" würde er 100 negative Bewertungen bekommen.

Kurt Falk
00
15.1.2010, 17:42
genau er braucht gar nichts sagen

vielleicht erscheint jetzt sein festhalten an stuidiengebühren unter einem anderen licht. selbst broukal hat mir persönlich unter 4 augen gestanden dass diese debatte sinnlos war, die falschen effekte auslöst und er das nicht noch einmal machen würde. Bin Native Speaker und muss sagen, dass Hahns Englisch mehr ein sehr gutes ist.

ja ja der neid ist ein hund

Alastair McKenzie
 
01
15.1.2010, 12:00
Das ist kein Kriterium!

In der Vergangenheit gab es wirklich große Politiker, die keine Fremdsprachentalente waren, und damals gab es die modernen Übersetzungstechniken noch nicht. Ich möchte Hahn keineswegs lobhudeln, aber an der Tatsache, dass er nicht in englisch geantwortet hat, möchte ich seine Klasse nicht messen. Solange Übersetzer en masse vorhanden sind, finde ich es bei den meisten Menschen besser, wenn sie in der Muttersprache zu antworten, weil sie sich da einfach besser ausdrücken können.

dermartino
23
15.1.2010, 09:34

Das freut mich sehr zu lesen, dass Hahn sich gut geschlagen hat.

3 Stunden volle Konzentration in einer völlig neuen Situation mit neuen Themen, das ist wirklich ein hartes Stück Arbeit.

bananaexpress
13
15.1.2010, 09:16

bin froh, dass sich der öserr. beitrag zum weltgeschehen nicht blamiert hat. persönlich finde ich, dass jemand in dieser position sehr wohl drei stunden konzentrationsfähig sein sollte und zumindest die wichtigeste lingua franca exzellent beherrschen sollte. bedauerlich, dass das offenbar im wichtigsten eu gremium nicht selbstverständlich ist.

luchmhor
00
15.1.2010, 10:27

Wenn du Mayers Kommentar gelesen hast, kann Hahn sehr gut Englisch, aber dem ganzen EU-Parlament 3 Stunden lang Rede und Antwort zu stehen ist sicherlich einfacher in der Muttersprache. Und wofür sind sonst die Übersetzer da?

Silvio Lackner
153
15.1.2010, 00:02
Wider die Englisch - Diktatur.

Wenn es Deutsch nicht werden darf, dann wär mir Französisch als Europasprache noch lieber. Sonst gibts von Nordamerika, Europa, Australien und weiten Teilen Asiens bald eine Englisch - Monokultur.

Michael Jack Dundee
 
00
15.1.2010, 11:45

Da (fast) jedes Land ihr eigenes Englisch hat kann ich getrost bekannt geben, daß das mit Englisch und Monotomsprache nicht wird.

Alastair McKenzie
 
11
15.1.2010, 11:34
Französisch ...

... wäre völlig ungerechtfertigt. In der EU sind Französischsprachige erstens keineswegs die größte Sprachgruppe, zweitens müsste dann Französisch wohl als erste Fremdsprache in den Schulen eingeführt werden - was völlig absurd ist, weil man die Sprache dann außerhalb der EU nurmehr in einigen afrikanischen Ländern und ein paar Inseln verwenden könnte und man zudem Touristen oder Geschäftspartnern von außerhalb der EU große Verständigungsprobleme hätte. Da hätte Spanisch vergleichsweise schon wesentlich mehr Berechtigung.

Englisch als "Weltsprache" und in der Folge als EU-Sprache ist schon in Ordnung. Es ist relativ leicht zu lernen und bereits in vielen Gebieten der Welt Standard.

Lazarsfeld
00
15.1.2010, 11:05

Auf der Internetseite der EU Kommission sind nur die CV von Barnier (FR) und Oettinger (D) in deren Muttersprache, alle anderen sind in Englisch. Hahn war gut beraten, die Aussprache mit den MEPs in seiner Muttersprache zu führen. Das kommt in der Regel besser an, als das als Zweitsprache meist oberflächliche und substanzverdeckende Englisch. Ist gibt keine internationale Organisation, in der die vom Sprecher gewählte Sprache so bdeutsam ist wie in der EU. Hahn hat sich richtig verhalten, auch wenn er den Hintergrund vielleicht noch nicht verstanden hat.

Nedobrovolny Slovak
22
15.1.2010, 10:27

warum dann nicht gleich Esperanto oder Latein? Deutsch wird es nicht mehr werden, der Versuch der dt. Monokultur wurde am 8.5.1945 eingestellt.

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