Es gilt die Schuldvermutung

14. Jänner 2010, 17:54

Seit Jahrzehnten verhindern Parteien Aufklärung über ihre Geldflüsse

Schuldbewusst zeigte sich der nunmehrige FPK-Chef Uwe Scheuch kein bisschen, als er in der ZiB 2 mit Tonbandaufnahmen konfrontiert wurde, die den Verdacht der Korruption nahelegen. Wie zu hören war, forderte der Kärntner Politiker als Gegenleistung für Hilfestellungen zur Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft von einem russischen Investor ungeniert Spenden für seine Partei. Mit den Aussagen konfrontiert, die News zugespielt worden waren, stellte Scheuch die Rechtmäßigkeit der Aufnahme infrage, nicht aber sein Verhalten.

Dieser Vorgang ist bezeichnend für den Umgang mit Parteispenden in Österreich. Dubiose Geldflüsse zwischen diskreten Spendern und Partei sorgen immer wieder für Schlagzeilen: Die bekanntesten Fälle sind Bela Rabelbauer, der als "Mann mit dem Koffer" bekannt wurde, nachdem er dem damaligen VP-Klubchef Alois Mock eine Spende übergeben hatte. Auch der jetzige Rechnungshofpräsident Josef Moser kam als damaliger FP-Klubdirektor ins Gerede, als er Parteispenden im Kuvert transportiert haben soll. Nie aufgeklärt wurde, ob es tatsächlich Geldflüsse von der Bawag zu SPÖ und ÖGB gegeben hat, wie die damalige Richterin und nunmehrige Justizministerin Claudia Bandion-Ortner behauptete.

Auch in Zusammenhang mit der Hypo Alpe Adria steht der Verdacht der Parteienfinanzierung im Raum. So sollen an das BZÖ 27 und an die ÖVP 13 Millionen Euro geflossen sein. Zwar haben alle Parteien Aufklärung versprochen - passiert ist bisher nichts. Einig sind sich die Parteien darin, dass sie gegen eine Offenlegung ihrer Finanzen und gegen schärfere Sanktionen sind.

Solange sich die Parteien so verhalten, stehen sie unter Generalverdacht, es gilt die Schuldvermutung. In Österreich müssen nur Bundesparteien, nicht aber Landesorganisationen oder Parteivorfeldorganisationen wie die Bünde Großspenden offenlegen. Zuwendungen von Interessenvertretungen sind von der Meldepflicht ganz ausgenommen. Außerdem bleibt die Identität der Spender geheim. Nur ein Teil der Spenden muss dem Rechnungshof-Präsidenten gemeldet werden, der im Moment Josef Moser heißt - eben jener Ex-FP-Klubdirektor.

In Deutschland untersuchen derzeit vier verschiedene Stellen die Geschäfte der Bayerischen Landesbank in Zusammenhang mit der Hypo. Neben einem Untersuchungsausschuss ist noch die Kontrollkommission der Landesbank und eine Rechtsanwaltskanzlei aktiv: Während in Bayern bereits sieben Staatsanwälte ermitteln, wartet der Kärntner Kollege noch immer auf zusätzliches Personal.

In Kärnten tagt nun ein Untersuchungsausschuss, der im Wesentlichen aus jenen Politikern besteht, die schon einmal nichts herausgefunden haben - oder dies nicht wollten. Für den Vorsitz wurde erneut der VP-Politiker Stephan Tauschitz bestellt. Wie jetzt bekannt wurde, soll auch Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser unter jenen Investoren sein, die beim umstrittenen Hypo-Deal mitgemischt haben. Das passt ins Sittenbild.

Die Bayern, die die Ermittlungen überhaupt erst ins Rollen gebracht haben, scheinen es ernster zu meinen mit der Aufklärung. Dadurch könnte zumindest in der Causa Hypo in Bayern mehr ans Licht kommen, als den Politikern in Österreich lieb ist. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 99
1 2 3
In dubio pro reo
00
10.2.2010, 07:48
Interessant wäre die Meinung

von Asylanten zu diesem Vorschlag, lieber Standard

also dann ...
00
17.1.2010, 20:16
naja ... nichts als ödes geschwätz ! dass die IV usw... die ö v p

"finanziert"...
ist ja nicht erst seit khg`s homepage bekannt,
genausowie
die bawag + der ögb die spö...unter die arme griff !!!
und das rechts(braun-)lastige i n d u s t r i e l l e
(zumeist die sog. ösi - s t i f t e r n...)
haider + dem braun/blaue - lager mit viel symplathie
gegenüberstanden - ist allseits bekannt.

allein die g r ü n e n...
könnten eine volksabstimmung mit ein paar vernünftigen alt_polit_hasen ... erzwingen.
aber die sind seit monaten... auf medien - urlaub ???

God_of_the_Wind
00
15.1.2010, 19:17

alle österr. parteien mit dem mafia paragraphen zerschlagen und das geld für spitäler/ausbildungsprojekte verwenden

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
00
15.1.2010, 17:59
Das undifferenzierte "Raunzen"

mit, oder ohne "Schuldvermutung" über "die Politiker" führt zu nichts, stabilisiert nur - und ist auch falsch.
So haben sich etwa die "Grünen" für eine Offenlegung aller(!) Finanzierungen ausgesprochen. Warum sagen sie das nicht, Frau F-Sch?
(Ach ja, solange man schwammig allgemein bleibt, ist die Gefahr gering, irgend jemandem auf die Zehen zu treten.)

lessismore
02
15.1.2010, 17:36

Es ist die ÖVP, die die Offenlegung der Parteienfinanzierung blockiert, nicht "die Parteien".

CEKA
00
15.1.2010, 20:46
nur ÖVP blockiert?

interessant dass hier eine einzige Partei seit jahren blockieren kann, wo doch alle anderen das verändern wollen - hat denn diese eine Partei immer die Absolute???

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
00
15.1.2010, 18:45
ÖVP blockiert

Richtig. Aber es ist halt konfliktfreier, ganz allgemein von "den Politikern" zu reden.
Zum "Sittenbild" gehören eben auch unsere sog. Qualitätsmedien.

Hansi Huber
00
15.1.2010, 16:37
Integrationspiolitik

Marke FPÖ/BZÖ.

Bello Ragazzo
00
15.1.2010, 16:25
Was

habt ihr Einfaltspinsel denn geglaubt worum es in der Politik geht?

Geh!danke
013
15.1.2010, 14:45
Sehr erfolgreiches Volksbegehren der "Unabhängigen Zeitungen" Ös in Sachen ORF, warum nicht auch zur Parteienfinanzierung?

Bekannt ist, dass Ö. die höchste Parteienförderung Europas hat, sogar in absoluten Zahlen höher als in Deutschland (in wesentlichen Kategorien)!
Obwohl unsere Parteien also im internat. Vergleich in Geld schwimmen, braucht es dennoch schmutzige Wege, um noch mehr zu lukrieren.
Deshalb: LÜCKENLOSE TRANSPARENZ DER PARTEIENFINANZEN als Hauptforderung eines Volksbegehrens!
Bitte um Unterstützung!

CEKA
00
15.1.2010, 17:37
Richtig - aber

vollkommen richtiger Vorschlag, der voll zu unterstützen wäre - allerdings was passiert mit so einem höchstwahrscheinlich erfolgreichem Volksbegehren? - ab ins parlament und die lieben "Volksvertreter" dürfen dann über die Beibehaltung Ihres Unrechts befinden - zum schreien!!

hismaster
05
15.1.2010, 14:19
Österreich ist kein Rechtsstaat

sondern ein Monarchkapitalismus, wo die, die wenig haben brav an die zahlen die viel haben, mit der Begründung, dass es immer schon so war.

Flann O'Brien
00
15.1.2010, 17:16

Österreich ist eine real existierende Kleptokratie, in der das Unrecht von der ÖVP ausgeht.

Magic Wand
 
00
15.1.2010, 17:56
die ÖVP hat halt das Glück,


das finanzkräftigste Clientel zu besitzen.

Politiker, die nicht korrumpierbar sind, werden Sie ab der Hierarchiestufe "Bezirksparteisekretär" bei allen Parteien nur sporadisch finden ...

2ndopinion
05
15.1.2010, 14:04
Aufklärung über dubiose Parteispenden und eine entsprechende Offenlegungspflicht wird es nur dann geben,

wenn der öffentliche Druck groß genug wird, dass die Politik das Fürchten lernt. Dabei kommt kritischen, unabhängigen Medien und Aufdeckungsjournalismus eine wichtige Rolle zu. Solange aber viele Journalisten und Medien sich als willige Hofberichterstatter missbrauchen lassen, wird sich am Status quo nicht viel ändern.

So hört man z.B. nicht mehr viel in Sachen Flughafen Wien-Affäre. Schon seltsam: gestern gab es in Schwechat einen rauschenden Neujahrsempfang mit über 1000 Vertretern aus Politik und Wirtschaft und zahlreichen Medienvertretern....Honi soit qui mal y pense...

donquichotesenior
07
15.1.2010, 12:56
Die unfähige "unabhängige" Justizministerin

hat ihr Amt von der ÖVP auf Grund des harten ELSNER Urteils bekommen. Bei einer intensiven Verfolgung des HYPO Megaskandales könnte sie es wieder verlieren. Daher besteht beim kranken ELSNER noch immer Fluchtgefahr, während die quietschfidelen HYPO Skandalverursacher und Profiteure nicht besonders intensiv verfolgt werden.
Mein "besonderer Dank" dazu gilt der SPÖ, die der ÖVP das Innen- und Justizressort, in gewohnter einfältiger Art und Weise, überlassen hat.

Hansi Huber
01
15.1.2010, 16:40

Bitte das Konsum Urteil - auch äußerst ÖVP freundlich - nicht vergessen.

Geh!danke
00
15.1.2010, 14:33
Bitte um Aufklärung, warum Frau Bandion-Ortner unfähig ist!

böser wolf1
02
15.1.2010, 17:09
Bandion Ortner - Möchtegern-Politikerin

weil sie eine "unerträgliche" Möchtegern-Politikerin ist - so sieht es Frau Rohrer in der Presse.

http://diepresse.com/home/mein... 8/index.do

Spätestens seit ihren Äußerungen zum Thema Untersuchungsauschuss teile ich diese Meinung.

http://diepresse.com/home/5308... 4/index.do

Hansi Huber
00
15.1.2010, 16:39
Ist sie nicht

Sie macht konsequent schwarze Politik. Unabhängigkeit ist das keine.
Damit ist sie nicht unfähig sondern noch viel gefährlicher: auf einem Auge blind

wimmerl
00
22.1.2010, 00:38

Wenn es gefährlich wird, kann sie sich nicht erinnern ;Welche StA "rein zufällig" natürlich bei dem gespräch mit dem Anwalt Grassers im Kaffeehaus mit dabei waren. Solche partiellen Amnesien werden aber bei gericht nicht als Entschuldigungsgrund gewürdigt, ausgenommen in Fällen von Politikern und EX-Politikern.

donquichotesenior
02
15.1.2010, 15:07
Weil sie als weisungsberechtigte Justizministerin

u.a. die Erhebungen bei der StA Klagenfurt beläßt
und angeblich nur ein Staatsanwalt mit der Causa befaßt ist (in Bayern 7). Es ist daher zu befürchten, daß der HYPO Sumpf nicht trockengelegt wird und das Vertrauen in die Justiz noch weiter absinkt.

1 Wolfgang 1
00
15.1.2010, 16:17

dass es jetzt Geld zu zusätzliche Staatsanwälte gibt und die Zahl der Staatsanwälte für die Hypo-Causa aufgestockt wird, haben Sie offenbar versäumt.

mikromalist
 
02
15.1.2010, 14:51
Sie verteidigt die Justiz,

und mache ihrer einzelnen Entscheidungen, mit Argumenten die OFFENLEGEN, dass die Justiz die Grenze Ihrer eigenen Inkompetenz überschritten hat.

"Herr Dörfler UND die Staatsanwaltschaft Klagenfurt, konnten das Gesetz nicht vollständig verstehen, deshalb ist das Urteil: Unverständnis - deshalb keine böse Absicht, RECHTENS"

3ch0
02
15.1.2010, 14:51

weil "rosa-rote" (also schwarze) Brille auf Nasenspitz.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 99
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.