Google vs. Zensur in China: Ein "Marketing-Gag"?

14. Jänner 2010, 14:53
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Heftig Diskussionen im Netz - Kritiker wollen Google seinen "Widerstand" nicht abkaufen

Im Internet wird heftig über die Ankündigung des Onlinekonzerns Google und dessen Umgang mit Zensur und dem chinesischen Markt diskutiert. Während die eine Seite darin "einen großen Schritt in Richtung Menschenrechte" und von einer richtungsweisenden Entscheidung spricht, orten KritikerInnen darin nur einen Marketing-Gag und wollen Google seinen "Widerstand" nicht abkaufen.

Zensur und Kritik

Google hat - so wie viele andere ausländische Unternehmen in China ebenfalls - lange die Vorgaben der Behörden erfüllt und sich kooperativ gezeigt. Vor allem im Vorfeld der Olympischen Spiele in Bejing wurden die kritischen Stimmen lauter. Interessant ist, dass es danach nur mehr wenige Aufschreie über die Zensur in China und dem Umgang der ausländischen Internetkonzerne mit den rechtlichen Rahmenbedingungen gab. 

Googles Image

Die Financial Times Deutschland spricht in einem aktuellen Artikel über die Gemeinsamkeiten von Google und Chinas Behörden - was den Hunger nach Daten und die Auswertung selbiger betrifft. Im Artikel heißt es weiter: "Der Internetkonzern wird sich aus einem Markt wie China weder freiwillig noch aus ethischen Gründen verabschiedet haben. Doch dass Google aus dem vermeintlichen Rausschmiss einen Werbegag machen will, könnte nach hinten los gehen."

Die wahren Hintergründe

Handelt es sich bei Googles Entscheidung nun um einen großen Schritt in Richtung mehr Freiheit im Netz und mehr Menschenrechte in China, oder ist der Onlinekonzern - dessen Marktstellung in China wesentlich schlechter ist, als in den USA und Europa, einfach "rausgeworfen" worden? Die wahren Hintergründe werden vermutlich nie zufriedenstellend zu klären sein. In der aktuellen Ausgabe des Kurier steht dazu: "Der Meinungsumschwung könnte eine Marketing-Aktion sein, um zu untermauern, dass man "ein Guter" sei und dem Firmenmotto "Tu nichts Böses" treu geblieben ist. Doch nach wie vor kooperiert der Google-Konzern mit Regierungen und sogar totalitären Regimen auf der ganzen Welt."

Kann Google nichts Gutes tun?

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Google eigentlich gar nichts "Gutes" mehr tun kann? Daten werden gesammelt, die AnwenderInnen-Daten ausgewertet und gezielt Werbung verkauft. Aber tun das nicht alle Online-Dienste, die kostenlose Angebote anbieten? Was hat "die Web-Welt" von Google bekommen? - Gmail, Google Earth, Google Maps und Google Docs sind hier nur einige Beispiele. Verwenden muss die Dienste niemand, wer sie nutzt muss sich der Datenauswertung bewusst sein.

China verlässt man nich freiwillig

Die Financial Times Deutschland schreibt: "Dieses Land verlässt man nicht freiwillig. Aus dem Rückzug allerdings so einen Werbegag zu machen könnte für Google jedoch gefährlich werden. Es könnten zu viele für die Firma nachteilige Diskussionen losgetreten werden. In Europa gilt die Firma ja bereits vielerorts als neues Microsoft."(red)

Kommentar posten
18 Postings
Finis Feinstes
22
14.1.2010, 15:02
verdammte suderei die ganze zeit

denen die jetzt die klappe am weitesten aufreißen sollte man google mal einen tag wegnehmen, nur so zum spaß

österreich bleibt ein land von suderern, neidhammeln und besserwissern

Heimwerkerkönig
 
00
14.1.2010, 12:51
Ich glaubs auch erst...

..... wenn ich tatsächlich sehe, dass sich Google aus China vertschüsst hat.

Im Übrigen: Wäre Moral in der Geschäftswelt einen nennenswerte Größe, dann dürfte eigentlich kein einziges westliches Unternehmen, in dieser abartigen Diktatur tätig sein.

derunbestechliche
10
14.1.2010, 13:07
Wäre Moral in der Geschäftswelt einen nennenswerte Größe, dann dürfte eigentlich...

Eindeutiges und lautes JA. Deswegen wäre (Konjunktiv) dieser Schritt, sollte er denn stattfinden, von Google umso bemerkenswerter.

Jo Boe
10
14.1.2010, 12:47
IT und die Logik

Don't be evil bedeutet keineswegs be good! Das sollte auch in die Gefilde des Journalismus vorgedrungen sein, dass es die sogenannte Aussagenlogik gibt.
Google ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie ein Unternehmen das seiner Zeit voraus ist bald an Grenzen stößt. Siehe das Buch Scan Projekt. Die vollständige Digitalisierung der Biblioteca Humana ist nicht nur wünschenswert sondern geradezu notwendig. Sie scheitert aber daran, dass nachdem Google seine Pläne angefangen hat zu verfolgen, alle ein Stück vom Kuchen wollen, nicht wegen irgendwelcher Bedenken bez. Copyright oder Ähnlichem.

t-bonesteak
01
14.1.2010, 14:05
die interessante logik der internet-fans

wenn sich einer in einen cia-computersystem hackt ist er ein held. wer illegal musik aus dem netz saugt ist ein kämpfer für die informationsfreiheit. wenn ms der quellcode geklaut wird ist das super (und fordern ja viele: open-source!).

wenn google so etwas passiert, dann ist es ein verbrechen. wenn google seinerseits bücher digitalisiert, ohne die urheber und verwertungsrechteinhaber zu fragen (illegal!), dann ist das ein meilenstein in der menschheitgeschichte.

Vorratsdatenspeicherung = Verfassungswidrig!
00
14.1.2010, 18:47
google verfolgt dabei rein wirtschaftliche zwecke.

im gegensatz zu den kiddies, die einfach nur mal was saugen wollen, um zu zeigen, dass sies können.

ziehmlicher unterscheid im warum, oder?

imho sollten leute, die was aus dem inet saugen, es massenhaft brennen und weiterverkaufen gerne dafür zahlen.

aber wenn sich jemand einen film saugt und ihn mit freunden anschaut sollte das ignoriert werden!

beowulf2
 
00
14.1.2010, 12:46

Google zensiert in China! Anscheinend auch Google kritische Artikel:

"Google, the search-engine giant, is in the spotlight again after blocking the book channel of the People's Daily website, allegedly for having carried stories about Google's recent copyright conflict with Chinese writers."

http://business.globaltimes.cn/world/200... 828_2.html

Peter Falber
01
14.1.2010, 12:31
"aber machen das nicht alle?"

ja, es machen alle, und deshalb sind auch alle "boese".

google ist halt die groesste dieser ekelbuden.

Brandy Ortner
00
14.1.2010, 12:28
Heute China und morgen die ganze Welt

Der neue Welttyrann richtet die globale Ordnung nach den innenpolitischen Prinzipien aus. Wozu Demokratie, Bürgerrechte, Menschenwürde oder sich an internationale Vereinbarungen und Gesetzte halten wenn man der Stärkere ist ? Die westlichen Demokratien wirken mit ihrer Ordnung plötzlich alt und überkommen. Ist das die neue Weltordnung ? Da muss kein Panzer rollen, keine Regierung gestürzt werden, keine Infrastruktur zerstört werden - es wird einfach alles gekauft und dies macht China zynischer weise überwiegend mit Waren bei denen Patentrechte verletzt, regionale Produktrichtlinien verletzt werden und die in der Herstellung jedes Menschenrecht missachten.

Ben Vassy
54
14.1.2010, 12:27
"Verwenden muss die Dienste niemand" - stimmt nicht ganz

"Verwenden muss die Dienste niemand, wer sie nutzt muss sich der Datenauswertung bewusst sein."

Wenns so einfach wäre. Was immer wieder vergessen wird: Google stellt Tools für Content-Anbieter bereit (Analyse, Werbung,...), die für den Endanwender entweder komplett unsichtbar sind (Analytics) oder erst bei genauem Hinsehen als Google-Tool erkennbar sind (Werbung). In beiden Fällen ist es zu spät, wenn man erst mal auf einer so "vergoogelten" Seite ist. Und in beiden Fällen nutzt Google die Daten, um Bewegungsprofile der Nutzer im Internet zu erstellen. (Der war zuerst auf futurezone.orf.at, liest jetzt auf derstandard.at, schreibt dort einen Kommentar,....)

Viel Spaß allen, die einen Google Account mit Echtnamen angelegt haben.

Bumbu
 
00
15.1.2010, 10:31
Google stellt Tools für Content-Anbieter bereit (Analyse, Werbung,...), die für den Endanwender entweder komplett unsichtbar sind (Analytics)

Unsichtbar? Quatsch, das steht alles im HTML/JavaScript-Source und läßt sich ziemlich trivial blocken. Die meisten machen es entweder auf Browser-Ebene oder (wenn etwas mehr Paranoia) auf DNS-Ebene.

Wenn Ihnen Ihre Privatsphäre zwar ein geiferndes Posting aber keine simple Rekonfiguration des Browser oder Eintrag im hosts.txt wert ist, dann haben Sie eine komische Form von non-constructive privacy paranoia.

Anders sieht es zugegebenermaßen mit gmail aus. Das muß man benutzen, wenn man eine bestimmte Person erreichen will, und weiß das im Fall von Weiterleitungen nicht einmal. Ist aber letztlich nicht anders als bei jedem anderen Email-Provider — der kann nämlich grundsätzlich jede nicht verschlüsselte Email mitlesen oder manipulieren.

Ben Vassy
00
15.1.2010, 18:22
"Unsichtbar"

Schön, daß Sie hier ein Forum gefunden haben, in dem Sie der Welt mitteilen können: "Ich kann HTML! Ich kann Javascript!" Schön, aber völlig irrelevant für die Diskussion.

99,9% der Menschen, die im Web surfen, haben keine Ahnung davon und wissen nicht einmal, daß man sich den Quelltext einer Seite ("Hä? Wos is des?") anzeigen lassen kann. Daß die dann auch von /etc/hosts (ha!) keine Ahnung haben, ist klar.

Trotzdem haben auch diese Menschen ein Recht auf Schutz ihrer Privatsphäre, auch wenn *Sie* es Ihnen in Ihrer Überheblichkeit absprechen nach dem Motto: "Wer z'blöd is, dem ghörts eh."
Und damit sind wir wieder am Anfang: Das perfide an Google ist, daß es Daten dort sammelt, wo der 08/15-User seine Privatsphäre gar nicht bedroht sieht.

Bumbu
 
00
16.1.2010, 10:05
Das perfide an Google ist, daß es Daten dort sammelt, wo der 08/15-User seine Privatsphäre gar nicht bedroht sieht.

Das Dumme am 08/15-User ist, daß er nicht merkt, wo Google (und andere noch viel mehr) seine Privatsphäre bedrohen, und daß er sich deshalb nicht wehrt (was er tun sollte, in seinem Interesse und im Interesse aller).

Dagegen helfen allerdings Erziehung, Aufklärung und Wissensvermittlung.

Bumbu
 
00
16.1.2010, 10:02
Schön, aber völlig irrelevant für die Diskussion.

Sie können nicht erwarten, daß etwas (von nichttrivialer Komplexität) in Ihrem Sinn funktioniert, wenn Sie nicht wissen, wie man es bedient. Jeder scheint es normal zu finden, wenn er die Bedienungsanleitung für seine Waschmaschine lesen oder vor der ersten Ausfahrt einen Führerschein machen muß, nur die Software soll selbsterklärend sein?

Die gute Nachricht ist, daß alles gut dokumentiert ist und daß die Dokumentation auch gratis verfügbar sind (ganz anders als bei vielen ISO- oder DIN-Normen, an die man sich halten muß, obwohl sie nur für Geld einsehbar sind). Die schlechte Nachricht ist, daß man die Dokumentation eben auch lesen sollte, oder sich andernfalls hinterher nicht laut beklagen kann.

greenberetta
10
14.1.2010, 21:37

Und was ist dann? Lande ich dann auf der schwarzen Liste?

Heavyweather
30
14.1.2010, 13:01

So viel Paranoia kann unmöglich von einer Person alleine verzapft werden!

und ewig hirschet dem troll
07
14.1.2010, 12:19
danke für

die links zu google.com und .at
endlich konnte auch ich diese sagenumwobene seite einmal finden.

Bumbu
 
00
15.1.2010, 10:31
endlich konnte auch ich diese sagenumwobene seite einmal finden.

Hätten Sie halt danach googeln sollen.

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