Erdbeben in Haiti

Größter Hilfseinsatz seit dem Tsunami

15. Jänner 2010 06:19
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Mehr als 100 Mio. Finanzhilfe - Drei Millionen Betroffene - Beisetzung der Erdbebenopfer in Massengräbern

Port-au-Prince/Wien - Nach dem schweren Erdbeben läuft die internationale Hilfe für Haiti nur schleppend an. Während in der verwüsteten Hauptstadt Port-au-Prince tausende verletzte Menschen ums Überleben kämpfen, kommen die ersten Rettungsteams meist nur auf Umwegen ans Ziel - und finden unfassbares Leid und Elend vor. Tausende Menschen werden noch unter den Trümmern vermutet, Haitis Regierung spricht von bis zu 100.000 Toten. Im zerstörten Gebiet kommt es bereits zu Plünderungen.

Die Beisetzung von Erdbebenopfern in Massengräbern wird vorbereitet. Vor der Leichenhalle des Zentralkrankenhauses von Port-au-Prince trugen Soldaten der UNO-Friedenstruppe mehrere hundert Tote zusammen.

US-Außenministerin Hillary Clinton verglich die Katastrophe mit dem Tsunami, der Weihnachten 2004 Asien heimgesucht hatte. Bei der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" rechnet man bereits mit dem größten internationalen Hilfseinsatz nach einer Naturkatastrophe seit dem verheerenden Seebeben mit rund 230.000 Todesopfern.  Die US-Regierung gibt, wie auch die Weltbank, 100 Millionen Dollar Finanzhilfen frei. Knapp 6000 Soldaten und mehrere Schiffe sind Richtung Port-au-Prince unterwegs. US-Präsident Barack Obama hat seine Vorgänger Bill Clinton und George W. Bush gebeten, die Hilfe zu organisieren.

EU-Ratsvorsitzender José Luis Rodríguez Zapatero forderte die EU-Staaten bei seinem Wienbesuch zu rascher Hilfe auf. EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte am Donnerstag vor der Presse in Brüssel, es gebe "zahlreiche EU-Bürger, die vermisst werden" . Eine genaue Zahl könne sie nicht nennen. Österreich stellt Soforthilfe und Material im Wert von 700.000 Euro zur Verfügung. Am Donnerstag startete der ORF die Aktion "Nachbar in Not - Erdbeben Haiti" .

Drei Millionen Menschen betroffen

Etwa drei Millionen der neun Millionen Einwohner Haitis sollen in Not sein. Zwei Millionen Kinder sollen einer akuten Gefahr durch körperliche Verletzungen, der Trennung von den Familien und psychischen Traumatisierungen ausgesetzt sein.

In der Stadt herrschen chaotische Zustände. Überlebende versuchten weiter mit bloßen Händen, Verschüttete aus den Trümmern zu retten. Auf den Straßen lagen Tote. Unter den Toten ist auch eine 61-jährige gebürtige Österreicherin, die seit vielen Jahren auf der Insel lebte und mit einem Haitianer verheiratet war.

Hilfsorganisationen schockiert

Die Hilfsorganisationen zeigen sich angesichts des Ausmaßes des Desasters schockiert. Das haitianische Rote Kreuz erklärte, seine Organisation sei zwar gewohnt, mit Katastrophen in derart verarmten Ländern umzugehen. Das Desaster in Haiti habe die Organisation jedoch überwältigt. Von den neun Millionen Einwohnern Haitis sind drei Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen, wird geschätzt. "Es gibt einfach zu viele Menschen, die Hilfe benötigen", so ein Sprecher. Außerdem gebe es keine Medizin mehr. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärte, ihre drei Krankenhäuser auf Haiti seien durch das Beben sehr stark beschädigt worden. Daher müssten die Verletzten jetzt in Notunterkünften behandelt werden.

UNICEF warnt vor Epidemien

Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF betonte, vor allem die Kinder vor Ort müssen so rasch wie möglich vor Hunger und Krankheiten geschützt werden. UNICEF warnt vor dem Ausbruch von Epidemien. Viele Kinder sind verzweifelt und stehen unter Schock. Bereits vor der Naturkatastrophe waren rund ein Viertel der Kinder unterernährt und sind jetzt besonders gefährdet. Etwa die Hälfte der betroffenen Bevölkerung ist unter 18 Jahren; die meisten leben in extremer Armut.

Überlebender aus Trümmern von UN-Gebäude geborgen

Aus den Trümmern der erdbebenzerstörten UNO-Gebäudes in Haiti ist am Donnerstag ein erster Überlebender geborgen worden. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte die Rettung des Sicherheitsbeamten "ein kleines Wunder". Insgesamt 22 UNO-Mitarbeiter seien tot aufgefunden worden, rund 100 würden noch unter den Trümmern vermutet. Weitere 50 hätten sich zum Zeitpunkt des Erdbebens nicht in dem Hauptquartier der UNO-Mission in der Hauptstadt Port-au-Prince aufgehalten, würden aber ebenfalls vermisst.

Unter den Todesopfern ist auch der 63-jährige Erzbischof Joseph Serge Miot. Senatspräsident Kelly Bastien wurde im Parlamentsgebäude verschüttet, konnte aber gerettet werden und wurde in ein Krankenhaus der benachbarten Dominikanischen Republik gebracht. Auch das Hauptgefängnis von Port-au-Prince stürzte ein. Mehrere Gefangene sollen geflohen sein.

USA erwägen Nutzung von Guantanamo

Die USA werden möglicherweise ihren umstrittenen Militärstützpunkt Guantanamo für die Haiti-Hilfe zur Verfügung stellen. Der auf der Nachbarinsel Kuba gelegene Stützpunkt sei eine "Ressource, die wir bei Bedarf einsetzen können", sagte der Chef des US-Südkommandos, Douglas Fraser, am Mittwoch (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz in Washington.

Nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ist ein Drittel der neun Millionen Einwohner dringend auf Hilfe angewiesen. Die US-Regierung sagte dem Land massive Unterstützung zu. Gouverneur Arnold Schwarzenegger teilte am Mittwoch mit, dass eine für Katastrophenfälle ausgebildete 70-köpfige Spezialeinheit für den Einsatz bereitsteht.

Auch die EU stellte Soforthilfen in Höhe von mehreren Millionen Euro zur Verfügung. Die Weltbank kündigte an, mit zusätzlichen 100 Millionen Dollar (68,7 Mio. Euro) zu helfen. Zudem werde die Einrichtung eines speziellen Wiederaufbau-Fonds in Erwägung gezogen, der dabei helfen könne, Spenden zu koordinieren.

FBI warnt vor betrügerischen Spenden-Aufrufen

Die US-Bundespolizei FBI hat unterdessen zur Vorsicht bei Spenden über das Internet aufgerufen. Wie schon bei Naturkatastrophen in der Vergangenheit müsse mit Betrügern gerechnet werden, die Not und Spendenbereitschaft in krimineller Absicht ausnutzen, erklärte das FBI. Persönliche Daten oder Bankdaten sollten nicht preisgegeben werden. Internetnutzer sollten sich bemühen, die Rechtmäßigkeit karitativer Organisationen und deren Spendenaufrufe möglichst genau zu prüfen. Außerdem warnte das FBI davor, Weblinks oder E-Mail-Anhänge zu öffnen, weil auf diese Weise Computerviren verbreitet werden könnten. Der Internetdienst Twitter etwa wurde am Mittwoch nach dem Erdbeben mit Spendenaufrufen für Haiti regelrecht überschwemmt.

Musiker gründet Hilfsorganisation

Zahlreiche Schauspieler und Musiker sagten am Mittwoch Spendenaktionen ihre Unterstützung zu. Der aus Haiti stammende Hip-Hop-Star Wyclef Jean bat um sofortige Hilfe für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in seinem Geburtsland. Unterstützt wird der 40-jährige Musiker von den Schauspielern Angelina Jolie und Brad Pitt, die am Mittwoch ihre "tiefe Bestürzung" über die schlimme Lage in Haiti äußerten. Auch die Schauspieler Lindsay Lohan, Jessica Alba und Ben Stiller appellierten an ihre Fans, über die von Wyclef Jean gegründete Hilfsorganisation "Yele Haiti" und andere Organisationen für die Opfer zu spenden.

Nach Aufzeichnungen der US-Erdbebenwarte USGS hatte das Beben am Dienstag kurz vor 17.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr MEZ) begonnen, das Epizentrum lag nur 15 Kilometer von Port-au-Prince entfernt. Das Land liegt im kleineren westlichen Teil der zu den Großen Antillen gehörenden Karibik-Insel Hispaniola. (APA/Reuters/red)

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Martina77
15.01.2010 12:12
Präsident

Der Präsident hat im Fernsehen mit weinerlicher Stimme beklagt, dass sein Präsidentenpalast eingestürzt sei. Der hat aber Sorgen! Wie es seinen Leuten geht, ist ihm wurscht.

sonja1978
15.01.2010 08:52

gibts irgendwo die möglichkeit gebrauchsgüter zu spenden?
oder geht nur geld?

sonja1978
16.01.2010 17:30

warum krieg ich rote stricherln?

das war natürlich ernst gemeint.

Ist ja möglich, dass auch anderes gebraucht wird - werkzeug oder kleidung oder schuhe oder ...

wenn die rot-strichler schon geld gespendet haben - as i did red-line-jerks - dann is ok...

alterschweizer
16.01.2010 17:08

an welche Art Gebrauchsgüter denken sie denn ??

Mustek
15.01.2010 08:12

Wenns darum geht ein anderes Land wegzubomben (tschuldigung, den terror zu bekämpfen meine ich), schaffens innerhalb von 24 Stunden eine ganze Streitmacht ans andere Ende der Welt.

Um Hilfstruppen quasi vor die eigene Haustüt zu schicken brauchens 3 Tage....

USA, USA, USA!!!

peter schmidt
 
16.01.2010 18:09
jetzt mal nicht so viel meckern.

mich bedrückt eher dasman als us-amerikaner oder kubaner oder paragayuaner, chinese und bürger des einen oder anderen staates bereits mit etwas stolz auf die leistungen des eigenen landes bei diesem unglück blicken kann.

als österreicher sind wir - bis jetzt?- noch nicht wirklich in erscheinung getreten die 700.00 von der regierung sind nicht so viel.

die schweitzer stellen schon (zwar eine kleine aber immerhin ) hilfstruppe zusammen.

alterschweizer
16.01.2010 17:09

welches land haben die denn spontan ohne Vorbereitung in 24 stunden weggebombt ?

+KABOOOM+
16.01.2010 11:52
äääää

Nein, auch das dauert länger. Ist nicht so wie in Rambo.

Der Waehlerwille
 
15.01.2010 22:42
wie ging der spruch?

wenn man keine ahnung hat einfach mal die fr#sse halten ..

insertnamehere
 
15.01.2010 09:21
Wann haben die USA das letzte Mal binnen 24h eine Streitmacht ans andere Ende der Welt geschafft?

Lesko Powiatem
15.01.2010 09:07

Hinterm Irakkrieg steckt tatsächlich etwas Vorplanung dahinter, auch wenn es vielleicht nicht so ausschaut.

Karl Schreckt
15.01.2010 08:59

populismus hilft den menschen dort auch nicht. was du da redest ist schwachsinn. 1.) sind kriege (wie sinnlos sie auch sein mögen) monate geplant und das erdbeben war es (meines wissens nach) wohl kaum. 2.) sei froh, dass es überhaupt ein land gibt, dass die möglichkeiten hat so eine hilfe zu leisten

wie schon öfters erwähnt wäre es sicher sinnvoller das geld mehr in richtung kathastropheneinsätze zu fokusieren, als in richtung kampf. dann würde es tatsächlich schneller und massiver funktionieren

luchmhor
15.01.2010 08:55

So sieht auch nur deine Realität aus.

Schreck
15.01.2010 07:59

Der überaus sympathische und von Gott selbst ermächtigte Pat Robertson meldet sich auch wieder einmal zu Wort: ""... something happened a long time ago in Haiti, and people might not want to talk about it, they were under the heel of the French, uh, you know, Napoleon the third and whatever, and they got together and swore a pact to the devil, they said, we will serve you, if you get us free from the French, true story. And so the devil said, 'OK, it's a deal.' And they kicked the French out, the Haitians revolted and got themselves free, and ever since they have been cursed by one thing after the other, desperately poor."

Die christlichen Taliban gehören endlich in einem "war against terror- the sequel" bekämpft.

suboptimal
 
14.01.2010 22:46
nur für gute Nerven !!!

Eine Überwachungskamera hat das Erdbeben in Haiti aufgezeichnet. Das Video zeigt die volle Wucht der Erdstöße.

http://www.youtube.com/watch?v=yBMpgWHyOIo

sehenswert!

Ilsta
14.01.2010 22:21
Ich hoffe doch die Staatsmacht weiß den Privatbesitz vor Plünderungen zu schützen!

robert rittersmann
15.01.2010 07:20

In einem Land wie Haiti ist sogenannter Privatbesitz oft genug vorher von anderen Leuten gestohlen worden. Da von Plünderung zu sprechen ist zynisch.

Merkelmann
15.01.2010 07:41

Es ist das grundlegende Wesen des Konzeptes des "Privatbesitzes", dass es zuvor gestohlen wurde!

martha martha
15.01.2010 02:14
Sie haben Sorgen....

wenn Sie, Ihre Nachbarn, Kinder, Grosseltern etc. nichts mehr zum beissen und vorallem nichts zu trinken haben, da alles verschuettet ist ja dann haben Sie das moralische Recht und die gottverdammte Pflicht etwas aufzutreiben, und wenn es durch eine s.g. "Pluenderung" ist.

yokozuna
15.01.2010 00:57

Ich hoffe, dass es noch Menschen gibt, die noch Energie für Plünderungen haben.

stiefelknecht
14.01.2010 23:54

plünderungen sind in dem augenblick wohl das geringste problem.. noch dazu schicken die usa zusätzliche soldaten um zumindest in der hauptstadt die ordnung aufrecht zu erhalten und auch den hilfskräften die arbeit zu erleichtern.. in erster linie zählt momentan die rettung überlebender

Zinnmo
 
14.01.2010 22:24

In Haiti gabs schon vor dem Beben keine nennenswerte Staatsmacht. Jetzt ist da gar nichts mehr da. Allerdings gabs auch schon vor dem Beben nicht viel zu plündern.

Ilsta
14.01.2010 22:27

Das nennt man dann wohl Glück im Unglück!

Zinnmo
 
14.01.2010 22:43

Nicht wirklich. Wenn nichts da ist, um es zu plündern, gibt es auch nichts zu essen und zu trinken.

Haiti ist bitterarm. Wirklich bitterarm. Wenn es jetzt noch zu regnen beginnt, und es auf den destabilierten Hängen weitere Erdrutsche gibt...

Ilsta
15.01.2010 09:13

Aber wenn es regnet, erledigt sich wenigstens das Problem mit der Trinkwasserversorgung. Es gibt also auch hier zwei Seiten.

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