Mayers Europablog

Anhörungen: Kein Mitleid mit Jeleva

Thomas Mayer, DER STANDARD, 12. Jänner 2010 22:43
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    Foto: reuters/herman

Das Europäische Parlament hat ein gutes Drittel der Kandidaten für die nächste EU-Kommission einer Anhörung unterzogen. Zwei von zehn Anwärtern sind heute ziemlich ins Schleudern gekommen: am meisten die bulgarische Kandidatin für den Posten der Kommissarin für humanitäre Hilfe, Rumiana Jeleva - immerhin amtierende Außenministerin ihres Landes.

Sie hat offensichtlich den Unterschied zwischen Unvereinbarkeitsregeln in ihrem Heimatland und in der Europäischen Union nicht ganz verstanden. Anders ist nicht zu verstehen, wieso sie sich vor den EU-Abgeordneten nur darauf berief, dass "alle Gerüchte und Anschuldigungen" keine Basis hätten, alles von den Behörden in Bulgarien geprüft worden seien, dass die Angriffe unbegründet seien. Aber zur Sache selbst, auf Details, auf die Frage, warum sie in ihrer Selbstauskunft nicht angegeben habe, dass sie eine Beratungsfirma "Global Consult Ltd." auch noch während ihrer Zeit als EU-Abgeordnete zwischen 2007 und 2009 besessen habe (die sie aber dann verkaufte, um später angeblich Anteile an einer Nachfolgefirma zurück zu erwerben, wie aus dem bulgarischen Firmenregister hervorgehe), auf all das ließ sie sich nicht ein. Das hat die Skepsis des Ausschusses vervielfacht.

Ein Fehler. Und Jeleva lieferte nach der Anhörung vor Journalisten dazu eine seltsame Erklärung. Diese Firma habe in der fraglichen Zeit "keinerlei Geschäftstätigkeit" entwickelt. Also was jetzt? Warum hat sie das nicht im Ausschuss vor den Abgeordneten gesagt? Vielleicht ist ihr ja nur ein Formalfehler passiert, und sie hat daraus keinerlei Profit geschlagen.

Aber darum geht es ab jetzt nicht mehr. Jetzt zählt nur noch, ob sie die  EU-Abgeordneten falsch informiert, in die Irre geführt hat. Wenn sich das in den kommenden Tagen bestätigt, dann war Jeleva eine Kommissarkandidatin. Dann wird sie den Job nicht bekommen. Dann wird Barroso sie opfern und zurückziehen.

Damit würde aber erst recht wieder der Fahrplan zur Wahl der gesamten EU-Kommission - geplant für 26. Jänner - durcheinanderkommen. Dann gibt es wieder eine Verzögerung.

Die nächsten Tage werden das entscheiden. Wie im Eishockey können wir nach dem ersten Drittel also bereits eine kleine Zwischenbilanz ziehen. Solche Anhörungen von Kommissarskandidaten (in den Ländern sind es Ministerkandidaten) sind großartig. Sie sollten auch in Österreich bei Regierungsbildungen verpflichtend eingeführt werden. Jeder Minister sollte sich solchen Prüfungen auf Herz und Nieren stellen müssen, bevor er angelobt wird. Was könnte man sich nicht alles ersparen! Man stelle sich vor, Maria Fekter hätte schon bei ihrer Anhörung im Nationalrat vor einer Ernennung zur Innenministerin gesagt, sie könne sich vorstellen, dass man Asylwerber interniert.

So mühsam diese stundenlangen Befragungen im EU-Parlament für uns professionelle Beobachter auch sein mögen - die Hälfte der Zeit und der Fragen ist total langweilig - so überzeugend ist doch der Gesamteindruck. Man kriegt ein ganzes Regierungsprogramm mehrfach aus den unterschiedlichen Blickwinkeln auf dem Silbertablett serviert. Man kann sich ein gutes Bild auch von der Person des Kommissars, des Ministers machen. Etwa vom neuen Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, der das Gegenteil von Jeleva zeigte: Er war souverän, ein echtes As. Und das alles kann der interessierte EU-Bürger live via Internet verfolgen, wenn er mag.

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17 Postings
knievel
14.01.2010 10:35

um gottesx willen.

die frau dürfte dem photo nach die vorlage für indonesische holzmasken sein *grusel*

leib yggdrasilovic
14.01.2010 09:15
wenn jelewa nicht qualifiziert ist,

sollte sie den job nicht kriegen. warum aber bringt der standard ausschließlich meuchelfotos von ihr ? in meinen augen ist das eine unzulässige mediale vorverurteilung.

sprechendes Gesäß
14.01.2010 10:28

sollte man in einer Qualitätszeitschrift nicht auch mal wieder Groß-schreiben, wenn es angebracht ist.

Andere anmotzen und selber nix besser machen, ist ein Typ den ich immer gerne hab.

http://derstandard.at/plink/126... 2/15321317

leib yggdrasilovic
14.01.2010 16:34
sprechender a.....

ich bin ein anhänger der kleinschreibung aus grundsätzlichen erwägungen; bedeutende deutschsprachige wissenschaftler seit dem 19. jh. haben es vorgemacht, und ich halte es für richtig.

sprechendes Gesäß
14.01.2010 08:39
DANKE

Das mit den Hearings für Österreich sollte auch öffentlich und mit einer TED Umfrage gestartet werden.


DANKE, SUPER IDEE

shaki1
14.01.2010 04:11
Und das alles kann der interessierte EU-Bürger live via Internet


Hat die Seite der Herr Rumpold gestaltet oder wurde sie von der IV gesponsert?

Kakos!

EU - ?a????? ??s??.

tablespace65
13.01.2010 13:13
"Zustände wie am Balkan"...

Gilgamesch
13.01.2010 10:48

die österreichische legislative gehörte komplett neu aufgestellt. eine radikalreform mit vorbild eu-parlament wäre höchst an der zeit.

Gilgamesch
15.01.2010 00:12

natürlich braucht österreich keine 700 abgeordnete.
aber die unabhängigkeit der parlamentarier und die transparenz der entscheidungsfindung gehörten europaweit in den staaten umgesetzt.
korruption und unfähigkeit wird man nie ganz verhindern können, aber wie es sich derzeit in österreich abspielt, ist beispiellos in seiner jüngeren geschichte.

Artischoke
14.01.2010 21:19

In welcher Hinsicht? 700+ Abgeordnete und die beschränkten Kompetenzen die stattdessen bei der Exekutive (also analog BReg + Landeshauptleute) liegen find ich suboptimal. Genauso die Reisen Straßburg - Brüssel. Solche Hearings zB wären ein Vorteil, ich will Weitere hören ;)

WAB6
13.01.2010 10:15

gott sei dank konnte in diesem artikel auch maria fekter untergebracht werden. ohne sie gehts wohl derzeit nicht.

See Tal
14.01.2010 11:20
Der Vergleich ist naheliegend und sie drängt sich täglich auf

mit Grauslichkeiten und / oder Inkompetenz

Ava Tar
12.01.2010 23:58
War unser Naturtalent schon dran ?

Hoffentlich muß er nix aus seiner Doktorarbeit zitieren, sonst bekomt der Baroso bestimt einen grimigen Blick!

potz
12.01.2010 23:22

wenn sie das im Ö Parlment machen passiert genau gar nichts. Die Opposition ist gegen die Ministerkandidaten, die Koalition dafür. Alle werden akzeptiert.

Auf brisante Fragen der Opposition wird mit heisser Luft geantwortet, weil völlig blunzn.

Das müssen wir uns nicht auch noch antun.

Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
13.01.2010 13:22

weil bei uns der NR aufgrund des wahlsystems nur ein erfüllungsgehilfe der jeweiligen regierung ist.
würde man die wahlen trennen (man könnte ja dafür die durch und durch unnötigen HBP-wahlen abschaffen), dann gäbe es auch eine chance auf ein unabhängiges parlament.
steigern könnte man das noch mit wahlkreisen. ein kandidat, der seinem wahlkreis rechenschaft schuldig ist und von diesem wiedergewählt werden will, wird den teufel tun und blind der parteilinie folgen.

Teleobjektiv1
13.01.2010 12:00

Da mögen Sie - leider - Recht haben

Jesus "George W. Bush" Christus
13.01.2010 00:48

Glücklicherweise arbeitet das EU-Parlament da unabhängiger und nicht (so sehr) entlang der Parteibündnis-Grenzen...

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