Kritik

Zwei EU-Kommissare bei Anhörung unter Beschuss

12. Jänner 2010, 22:11

Haushaltskontrolle und Betrugsbekämpfung werden zur Kraftprobe zwischen EU-Kommission und Parlament

Brüssel - Harte Kritik musste sich der designierte EU-Kommissar für Steuern, Zölle, Kontrolle und Betrugsbekämpfung, Algirdas Šemeta, bei der Anhörung vor dem EU-Parlament gefallen lassen. Der Litauer hatte keine klare Antwort darauf gefunden, ob er für oder gegen die Ausgliederung der Betrugsbekämpfungsbehörde Olaf aus der EU-Kommission sei.

Die Bulgarin Rumiana Jeleva, Kandidatin für humanitäre Hilfe, wies Vorwürfe strikt zurück, wonach sie eine Firmenbeteiligung nicht offengelegt habe. Souverän meisterten die Kommissare Joaquín Almunia (nun Wettbewerb) und Viviane Reding (Justiz) ihre Anhörung, so wie auch Štefan Füle (Erweiterung).

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Zahlen, Daten, Fakten spielten im Leben von Algirdas Šemeta stets eine wichtige Rolle. Fast acht Jahre lang hat der Litauer das Statistische Amt seines Landes geleitet. Das mag ein Grund gewesen sein, warum die Anhörung des designierten EU-Kommissars für Steuern, Zoll, Kontrolle und Betrugsbekämpfung vor dem Haushaltsausschuss des EU-Parlaments in Brüssel zur bisher trockensten Vorstellung im Bestätigungsverfahren wurde. Aber inhaltlich zur umstrittensten.

Mit Šemeta kam Dienstag Früh der erste Kandidat aus dem Team von Kommissionspräsident José Manuel Barroso ins Schleudern. Noch heftiger wurde es am Abend bei der Kandidatin für humanitäre Hilfe, Rumiana Jeleva, Außenministerin von Bulgarien.

"Der Kandidat kann nicht überzeugen" , schimpfte der SP-Abgeordnete Jens Geier über Šemeta. "Wir haben ein Problem mit der Ausgliederung der Betrugsbekämpfungsbehörde Olaf aus der EU-Kommission" , hielt der Liberale Jorgo Chatzimarkakis ihm vor, "aber sie haben darauf keine klare Antwort" .

Anlass für den Streit sind die Pläne des Präsidenten, die Olaf-Behörde dem direkten Zugriff der EU-Parlamentarier zu entziehen, vorgeblich, um sie unabhängig zu machen. Auch der Chefposten ist vakant. Die Abgeordneten erklären den Kampf gegen Missbrauch für das Wichtigste. Šemeta gelobte jede Kooperation, versprach, alles zu tun, damit EU-Mittel ordentlich verwendet werden. Aber der entscheidende Satz fiel nicht: dass er Olaf anders betrachte als Barroso. "Es gibt da ein Problem" , so die Grüne Ulrike Lunacek.

Dubiose Firmenbeteiligung

Bedrohlich ist die Lage für Jelewa, die wegen ungeklärter geschäftlicher Verhältnisse und Beteiligungen unter Druck kam. "Derzeit sagt die Fraktion zu ihr Nein" , erklärte SP-Abgeordneter Hannes Swoboda am Abend dem Standard. Entweder kläre sie die Vorwürfe auf, "oder Barroso muss sie zurückziehen" .

Jeleva könnte an den strengen Transparenzregeln in der EU scheitern. Seit Tagen kursierten Gerüchte und Dokumente, dass die Konservative in ihrer Vermögernserklärung an das Parlament eine Firmenbeteiligung verschwiegen habe. Von mehreren Abgeordneten danach gefragt, wies Jeleva alle Vorwürfe zurück: "Diese Gerüchte und Anschuldigungen gegen mich und meinen Mann entbehren jeder Grundlage." Nach bulgarischem Recht habe sie alles offengelegt. Sie bestritt, sich im Frühjahr 2009 an einer Firma beteiligt zu haben, die sie vorher verkauft haben soll.

Das behaupten ihre Kritiker von Grünen und Liberalen. Jeleva war von 2007 bis 2009 EU-Abgeordnete - und dürfte ihr Vermögen nicht umfassend deklariert haben. Nun soll der juristische Dienst des Parlaments alles prüfen.

Problemlos verliefen die Anhörungen von Viviane Reding (Justiz, Grundrechte) und dem souveränen Joaquín Almunia (Wettbewerb), von Außenhandelskommissar Karel de Gucht aus Belgien und dem Tschechen Stefan Füle (Erweiterung).(Thomas Mayer aus Brüssel/DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2010)

Kommentar posten
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Vor-- und Nachname
03
13.1.2010, 17:32
auf ÖVP - "Schwarzgeld" - Hahn darf man ja gespannt sein

Mooreel
00
14.1.2010, 19:52

war nix

zimbo
 
02
13.1.2010, 16:37
Alle Achtung, super Vampirfoto.

Vorpotsky
07
13.1.2010, 12:45
Find ich ehrlich gesagt super,

dass das Parlament anscheinend seine neuen Rechte kräftig gebraucht.

t-bonesteak
00
13.1.2010, 14:55
mal sehen, ob einer der kandidaten abgelehnt wird

Dirty Sanchez
 
00
13.1.2010, 12:45
Was für ein Bild!!!!!

soamist
00
13.1.2010, 12:32

sowas kleinliches aber auch

Christine P.
 
011
13.1.2010, 11:17
Eine Behörde für Betrugsbekämpfung der parlamentarischen Kontrolle

zu entziehen, heißt diese zum Spielball diverser korrupter Akteure zu machen. Und das in Zeiten einer durch undurchsichtige Finanzspekulationen, Steuerhinterziehungen und grenzenlose Gier verursachten weltweiten Wirtschaftskrise. Wo bleiben Barrosos Versprechungen, die Union demokratischer zu machen. Ohne parlamentarische Kontrolle auf allen Gebieten bleiben solche Bestrebungen eine Farce.

Kontrahent1
13
13.1.2010, 13:02
Ich traue den meisten EU-Parlamentariern

in ihren Clubs nicht von hier bis da. Da ist doch alles reiner 'Klüngel' wie der Rheinländer sagt.

Lost In Contemplation
00
14.1.2010, 15:57
Ich trau dem EU-Parlament mehr als

- unserem Parlament
- mehr als der EU-Kommission
- mehr als dem Rat (nona)
und
- mehr als unserer Regierung
sowieso.

Kontrahent1
00
15.1.2010, 13:17
Und was sagt uns das ?

Alles im Leben ist 'relativ' !

zimbo
 
01
13.1.2010, 16:38
Sicher, denn man hat ja Martin, als er die Seiten wechselte als Verraeter abgestempelt und wollte ihn auch am Liebsten psychiatrieren.

Das zeigt wohl, wie recht Sie haben.

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00
14.1.2010, 07:44
ach DAHER weht der wind!...

...und ein hpm soll weiterhin zb OLAF "kontrollieren"?

frage: wer genau wollte hpm wann psychiatrieren?

jetzt wird's interessant.

zimbo
 
00
14.1.2010, 12:14
Man hats ihm im Parlament mehrmals zugerufen.

Und er hats im Wahlkampf deshalb auch erwaehnt.

Sie wollen als informiert gelten ?

Kontrahent1
00
14.1.2010, 10:47
Zumindest war der der Einzige,

von dem man einmal die eine oder andere betrügerische Praxis erfuhr (Freitagsstempel z.B.) In Deutschland ist das Mileage-Abfliegen bei Abgeordneten nach ein bisserl Wirbel sang und klanglos untergegangen. Schlauch, Özdemir und die anderen, alle in Amt und Würden. Der Mitarbeiter einer Fluggesellschaft muß die Ermäßigung auf sein Ticket brav als geldwerten Vorteil versteuern.

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00
14.1.2010, 11:46
hat nicht die oest. staatsanwaltschaft den akt zurueckgelegt?...

...re.
"Zumindest war der der Einzige,
von dem man einmal die eine oder andere betrügerische Praxis erfuhr"

Kontrahent1
01
14.1.2010, 12:10
Dafür hatte er wohl

Beweise gesammelt und dieses 'durch Kollegen unterschreiben lassen um zu kassieren' und selber schon zu Hause sein, hat ja ziemlich aufgehört. Hätte es eine Anzeige gegeben, wäre es nicht der erste Akt, der von der Staatsanwaltschaft 'übersehen' wurde.

skip it
00
15.1.2010, 09:44
ich meinte an sich seinen akt...

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02
13.1.2010, 12:49
kurzfassung: jetzt stellen sie sich nur einmal vor,...

...eine behoerde zur betrugsbekaempfung wuerde in oesterreich vom parlament kontrolliert.

und dann sehehn sie sich unsere parlamentarier einmal naeher an.

klingelt's?

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01
13.1.2010, 12:48
was ich gehoert habe, laeuft's genau andersrum:...

...OLAF soll vor allem von der Kommission und von damit oftmals einhergehenden schweren lobbyismus-einfluessen unabhaengig gemacht werden.

und damit stuende eine parlamentskontrolle schlicht nicht an: das eu-parlament kann ja schließlich zb auch nicht den EUGH "kontrollieren".

interessant waere es gewesen, ex-EMP und bestaendigen OLAF-kritiker (im tatsaechlich besten sinn des wortes) boetsch zu dem thema zu hoeren, aber den haben die roten ja erfolgreich abgesaegt.

das waere aehnlich, wie wenn hierzulande das parlament polizeiliche ermittlungen kontrollieren moechte.

zimbo
 
00
13.1.2010, 16:40
Erinnere an den vergessenen Laptop des Olafmanns im Schlafzimmer von Hummelbrunner.

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00
14.1.2010, 08:35
nun denn, zur sache, werter hpm-aficionado...

...
- wer und was ist hummelbrunner?
- bei welcher gelegenheit hat ein "olafmann" einen laptop in dessen schlafzimmer vergessen?
- wann soll das gewesen sein?
- im zuge welcher untersuchung soll denn das gewesen sein?

danke im voraus fuer ihre informationen, die leut warten. ansonsten muesste ich aus gutem grund annehmen, dass sie bewusst luegen und/oder verleumden.

das wollen sie doch nicht, oder?

zimbo
 
00
14.1.2010, 11:30
Valentina H.

Was nun Strache oder HPM ?

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00
14.1.2010, 11:58
tangens re. "was nun? strache oder hpm?"...

...als ob da ein unterschied waer.

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00
14.1.2010, 11:44
koennten sie bitte ganz einfach die anderen fragen beatnworten...

...anstatt sich in raetsel zu ergießen?

oder machen s' ihnen nur wichtig?

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