Helferin von Anne Frank mit 100 Jahren gestorben

12. Jänner 2010 12:33

In Wien geborene Miep Gies rettete mit den Tagebüchern einen "der wichtigsten Texte des 20. Jahrhunderts"

Amsterdam - Miep Gies, die aus Wien stammende Helferin des jüdischen Mädchens Anne Frank, ist im Alter von 100 Jahren in den Niederlanden gestorben. Gies hatte das weltweit bekanntgewordene Tagebuch des Holocaust-Opfers über den Aufenthalt ihrer Familie im Amsterdamer Versteck gerettet. Die Franks waren verraten worden, Anne starb kurz vor Kriegsende 1945 15-jährig im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Annes Vater Otto hatte nach dem Krieg das Tagebuch veröffentlicht.

Miep Gies wurde am 15. Februar 1909 in Wien als Hermine Santrouschitz geboren. Sie wuchs in armen Verhältnissen auf, weshalb sie im Rahmen eines Projektes zur Unterstützung unterernährter Kinder 1920 von ihren Eltern ins holländische Leiden geschickt und von ihrer dortigen Gastfamilie liebevoll aufgenommen wurde. Dort erhielt sie auch ihren Spitznamen "Miep".

Im Jahr 1922 zog sie mit ihrer Gastfamilie nach Amsterdam. 1933 wurde sie Sekretärin von Annes Vater, dem Geschäftsmann Otto Frank. Es entwickelte sich eine gute Freundschaft zu Otto Frank, seiner Frau Edith sowie den Töchtern Anne und Margot. 2009 wurde Gies anlässlich ihres 100. Geburtstages mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet, schon davor hatte die couragierte Frau zahlreiche Ehrungen bekommen.

Das Königreich der Niederlande wurde 1940 von deutschen Truppen besetzt. Gies war eine Gegnerin der Politik Adolf Hitlers und weigerte sich, Mitglied einer holländischen Nazi-Partei für Frauen zu werden. Deswegen wurde ihr österreichischer Personalausweis für ungültig erklärt und sie aufgefordert, nach Österreich zurückzugehen. Sie bemühte sich nun um die Ehe mit einem Holländer - ihre einzige Chance, als niederländische Staatsbürgerin im Lande zu bleiben - und heiratete Jan Gies im Juli 1941.

Hilfe beim Untertauchen

Als die Gefahr für die jüdische Bevölkerung auch in den Niederlanden zunahm, informierte Otto Frank Miep Gies über seine Pläne, mit der gesamten Familie unterzutauchen. Trotz der Gefahr, die auch für sie dadurch entstand, sagte sie ihm sofort ihre Hilfe zu. Am 5. Juli 1942 erhielt Margot Frank die Aufforderung, sich in einem Arbeitslager zu melden.

Otto Frank versteckte sich und seine Familie im Hinterhaus in der Prinsengracht 263, begleitet wurden sie von Miep Gies. Später stießen noch die Familie van Pels und Gies' Zahnarzt Fritz Pfeffer dazu. In den folgenden zwei Jahren half Miep Gies gemeinsam mit drei weiteren Helfenden den Familien Frank und van Pels sowie Fritz Pfeffer mit Lebensmitteln und Zeitungen, aber auch mit freundschaftlicher Zuneigung und Ermutigung.

Am 4. August 1944 wurden die Versteckten entdeckt und verhaftet. Miep Gies war ebenfalls anwesend, konnte aber einer Bestrafung dadurch entkommen, dass sie wie auch der Kommissar Karl Josef Silberbauer aus Wien stammte. Es war Zufall, dass der SS-Mann, der die Verhaftung der Franks überwachte, Österreicher war. Doch dieser Zufall dürfte geholfen haben, Anne Franks Tagebuch zu retten. "Sie war so ein nettes Ding", sagte Silberbauer nach dem Krieg Ermittlern zur Begründung dafür, dass er die junge Frau mit dem Wiener Dialekt, die er damals im Vorderhaus des Verstecks antraf, nicht weiter verhörte, sondern laufen ließ.

Bestechungsversuch

Einen späteren Bestechungsversuch wies der Polizist jedoch zurück, da er "nicht in der Position" sei, "dies entscheiden zu dürfen". Miep Gies betrat noch am Nachmittag nach der Verhaftung das Hinterhaus und rettete die übrig gebliebenen persönlichen Gegenstände der deportierten Familien, unter anderem auch die Tagebuchaufzeichnungen von Anne Frank. Diese übergab sie 1945 Otto Frank, der als einziger nach Amsterdam zurückkehrte.

Miep Gies lebte zuletzt in guter geistiger Verfassung in der Provinz Friesland. Sie war die letzte noch lebende Helferin, die Anne Frank persönlich kannte. Eine besondere Aufmerksamkeit empfand sie aber als unangebracht. "Ich war keine Heldin", sagte sie oft, wenn Menschen die Tapferkeit bewunderten, mit der sie einst die untergetauchte jüdische Familie Frank bei ständiger Lebensgefahr versorgte. "Mitmenschen in Not zu helfen, ist keine Frage des Mutes, sondern eine Wahl, die jeder Mensch in seinem Leben einmal treffen muss als Unterschied zwischen dem Guten und dem Bösen."

"Mit ihr ist die letzte Zeugin der Geschehnisse in dem Hinterhaus-Versteck von uns gegangen", sagte die Leiterin des Anne-Frank-Museums, Teresien da Silva. Fast bis zuletzt habe sie noch jeden Tag Briefe aus aller Welt gelesen und Fragen über ihre Beziehung zu Anne Frank, deren Eltern und Freunde sowie ihre Rolle als Helferin beantwortet. Miep Gies hinterlässt einen Sohn, eine Schwiegertochter und drei Enkelkinder.

Kondolenzbuch

Im Anne-Frank-Museum wurde ein Kondolenzbuch aufgelegt. Der S. Fischer Verlag in Deutschland äußerte seine Trauer "um diesen außergewöhnlichen Menschen". Miep Gies habe Leben bewahrt und ihr eigenes Leben riskiert - "und einen der wichtigsten Texte des Zwanzigsten Jahrhunderts für uns gerettet", hieß es. Im S. Fischer Verlag sind Anne Franks Tagebuch und Miep Gies' Erinnerungsband "Meine Zeit mit Anne Frank" erschienen. Es handle sich um "zwei Dokumente des gleichen Schreckens und der gemeinsamen Hoffnung", erklärte der Verlag. (red/APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 51
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Der Beobachter3
13.01.2010 19:41
Komischer Artikel!

Und in China ist ein Reissack umgefallen!!

recouvrer la raison
14.01.2010 19:22

da stellt sich nur die Frage:
aus welchen Keller bist du hervorgekrochen und wo sind deine Kammeraden?

pipi pipifax
13.01.2010 22:12

kein sack, wohl eher ein container ... und zwar ihnen auf den kopf.

Kathi1609
 
13.01.2010 21:37
Geht's noch?

Messen Sie Fieber!

suboptimal
 
13.01.2010 11:20
Sie hat _ihre_ Pflicht getan

und _ihre_ Pflicht den gesetzlich gedeckten Pflichterfüllern entgegengestellt

*verbeug*

Brigitte Huber
13.01.2010 09:05
Miep Gies ist gestorben

1010001010001010010
12.01.2010 22:11

beeindruckende frau. was sie als selbstverständlich abtut und unter lebensgefahr bewies, nämlich menschlichkeit, scheint heute immer weniger gefragt und wird sogar öffentlich diffamiert. nicht zuletzt von der unerträglichen innenministerin und ihrer koalitionsregierung.

niTor
12.01.2010 21:20
eine großartige frau

es hätte mehr menschen mit diesem mur gebraucht und es braucht auch heute noch (gerade in diesen tagen) wieder menschen die für andere da sind.
schade, dass der bericht so klein und ganz weit unten steht...

byron sully
12.01.2010 19:42

eine großartige, bewundernswerte frau - eigentlich müßte dieser artikel viel weiter oben stehen.

homer simpson9
 
12.01.2010 15:07

wurde anne ermordet?

Christian Eder
12.01.2010 16:15
Ermordet

Jawohl, sie wurde von den Nazis ermordet. Warum stellen Sie so eine blöde Frage- mit Verlaub?

Stahl_____666
12.01.2010 21:40
.

Anne Frank wurde nicht ermordet sondern starb in unmittelbare Folge ihrer Verbringung ins KZ an Typhus.
Bergen-Belsen war kein Vernichtungslager - die Inhaftierten dort krepierten unter den katastrophalen Lagerbedingungen.

Wladimir Burdajewicz
 
14.01.2010 18:02
Zum Teil haben Sie recht.......

laut "Enzyklopädie des Nationalsozialismus" B-B (KZ) war für die sowjetischen Kriegsgefangenen (Kriegsgefangenenlager) errichtet. Durch den Hungertod, Kälte, Krankheiten der Kriegsgefangenen aber, B-B wurde als Vernichtungslager bewertet. Später, als Auffanglager für die vor allem polnische, ungarische Jüdinnen und für die Selektierung der Juden ins Sachsenhausen Lager diente. Dort angekommen, wurden (spezial Vorrichtung) Gefangene durch den Genickschuss ermordet. B-B "versorgte" auch sg. Außenlager (Neuengamme, Buchenwald, Flossenbürg) mit den Häftlingen die durch Arbeit zum Tode kamen. Insgesamt kamen 50 Tsd KZ Häftlinge und mindestens 30 Tsd sowj. Kriegsgefangene ums Leben.

Waschbären in der Trockenreinigung
14.01.2010 16:42

Hier braucht man keine Spitzfindigkeiten: die Wannseekonferenz ist hinlänglich bekannt, außer bei denen, die es partout nicht wissen wollen. - Was soll das anderes sein als vorsätzlicher Mord?

Wladimir Burdajewicz
 
14.01.2010 18:31
Fälschlicher Weise wird Wannsee-Konferenz...

hinsichtlich der Massenvernichtung der Juden in Verbindung gebracht. Zur Erinnerung. W-Konferenz fand am 20. 01.42 statt. Massenmord an Juden begonnen aber schon mit dem Überfall auf Polen (39) und wurde mit dem Überfall auf die SU (41) verstärkt. Das geheime Treffen der Höheren SS Führern in Wannsee sollte "Verbesserungsvorschläge" der Vernichtung der ganzen Völker überarbeitet werden. Da die Mord- Effizienz "mangelhaft und ungenügend" bewertet wurde (statt Erschießungen "unzumutbar für SS-Schergen" Vergasung, Vernichtung durch Arbeit). Auch das Morden der Einsatztruppen der Polizei im Osten wurde "verbessert". W-Konferenz zum ersten Mal kam Eichmann als kleiner SS Beamte zum Vorschein.

Kathi1609
 
13.01.2010 21:39
das heißt,

wenn ich dich entführ, in ein zimmer sperr und dir eine woche lang nahrung und wasser vorenhalte,
dann bist du einfach an austrocknung gestorben?

Tethys
13.01.2010 09:08

Wenn jemand an den Entkräftung, Unterernährung, daraus folgenden Infektionen stirbt oder durch Zwangsarbeit oder durch die Hand von anderen Häftlingen, die Terror ausüben sollten, dann ist das.... wie war das Wort?.... ach ja: MORD!

hcl
13.01.2010 12:45

Sie sollten sich aber auf österreichische Rechtssprechung beschränken. Der Mordbegriff ist bei uns viel umfassender als in Deutschland.

Tethys
13.01.2010 15:50

Die Aussage meines Postings nicht verstanden?

Aufklärung die fünfte
12.01.2010 23:51

hhahahahha .. jaja die nazis haben kz im allgemeinen als den himmel für abschaum bezeichnet... krepiert sind die leute an ihrer minderwertigkeit und dass sie eben untermenschne waren... jede verbindung zu naziarier sind rein zufällig...

pipi pipifax
12.01.2010 23:07

na hoeren's einmal. sie leugnen - zumindest implizit - nicht einmal die existenz von vernichtungslagern. wer haette das gedacht.

free spirit
12.01.2010 22:12
inhaftierte krepieren unter katastrophalen bdingungen in einem lager, das kein vernichtungslager ist

das erklären sie mir bitte mal...

pipi pipifax
12.01.2010 23:02

sie verlangen viel von einem rechten recken.

pipi pipifax
12.01.2010 17:42

sie muessen schon entschuldigen: als tschakl im atomkraftwerk von springfield kriegt man nicht so viel mit von der welt.

alles neu macht der mai
12.01.2010 15:29
JA.

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