Analyse

Irans Bahai werden zu Sündenböcken für Unruhen gemacht

11. Jänner 2010, 18:55

Bei Prozess gegen Führungsmitglieder drohen Todesstrafen - Mussavi und Karrubi wird "Partnerschaft" zum Bahaismus nachgesagt

Teheran/Wien - Für die seit der Islamischen Revolution 1979 religiös unterdrückten, sozial benachteiligten und politisch unter Generalverdacht stehenden iranischen Bahai scheinen noch schwierigere Zeiten anzubrechen. Mindestens 48 Anhänger der vom Perser Bahaullah (1817-1892) gestifteten Religion sind derzeit im Iran in Haft; gegen sieben Führungsmitglieder (fünf Frauen und zwei Männer) sollte heute, Dienstag, in Teheran der Prozess beginnen.

Die Anklage lautet Spionage für Israel - ein sich wiederholender Vorwurf, wegen des Standorts des höchsten Bahai-Heiligtums in Haifa -, Entweihung von Heiligtümern und Propaganda gegen die Islamische Republik. Angesichts der jüngsten Entwicklungen dürfte die Sorge, dass Todesurteile ausgesprochen und auch vollstreckt werden könnten, berechtigt sein.

Denn die Bahai werden neuerdings vom Regime auch für die Unruhen am Ashura-Fest Anfang Jänner verantwortlich gemacht. 13 Bahai - darunter einige Verwandte der schon Inhaftierten - wurden am 3. Jänner verhaftet. Regierungsnahe Medien sprechen von einer "Verschwörung des Bahaismus, öffentlich die Heiligkeit des Ashura-Festes zu entweihen". Bahai hätten während der Demonstrationen Kopien des Koran zerrissen, vor den Augen frommer Ashura-Prozessionsteilnehmer.

Aber nicht nur die Bahai selbst sind gefährdet, die Tendenz geht dahin, den Oppositionspolitikern Mir-Hossein Mussavi und Mehdi Karrubi ein gemeinsames Komplott mit der verfolgten Religion nachzusagen. Von einer "strategischen Partnerschaft" ist etwa auf der Javan-Website die Rede.

Das Regime lässt bei seiner Bahai-Hetze die "Experten" zu Wort kommen. Die Nachrichtenagentur Fars zitiert Nematollah Bavand, einen Politologen, mit den Worten, dass es "keinen Zweifel gibt, dass der Bahaismus, angeführt vom Zionismus, hinter den jüngsten Unruhen steckt".

Und mit ihnen im Bunde sei Karrubi (auf dessen Auto vor wenigen Tagen ein Schussattentat verübt wurde): "Eine Beraterin eines der Präsidentschaftskandidaten, der einen Turban trägt" habe typischerweise den Bahaismus verteidigt. Und sie halte sich mit ihrem Ehemann soeben in Großbritannien auf, wo beide als Spione ausgebildet würden. Die Hintermänner - vor allem "derjenige, der sich als Mann des Talars ausgibt und Parlamentspräsident war", also Karrubi - müssten dringend vor Gericht gestellt und abgeurteilt werden.

Die Freundlichkeit, die den moderaten Geistlichen dem Bahaismus gegenüber nachgesagt wird, kommt unter anderem daher, dass der verstorbene Ayatollah Ali Montazeri - dessen siebenter Todestag die Ashura-Unruhen anheizte -, als er einmal nach den iranischen Bahais gefragt wurde, sinngemäß geantwortet hatte, dass ihnen als Bürger des Iran volle iranische Bürgerrechte zustünden.

Die Propagandisten schaffen noch eine andere abenteuerliche ideologische Kurve, die die wachsenden Spannungen mit Saudi-Arabien widerspiegelt: Mit dem Bahaismus werfen sie auch noch die saudi-arabische sunnitische Doktrin, den Wahhabismus (der seine Anfänge im 18. Jahrhundert hat), in den Ketzertopf. Vergangenen Herbst kündigte ein Vertreter der religiösen Führung an der Azad-Universität, Mohammed Mokhtarzadeh, ein Forschungsprojekt an, im Rahmen dessen die "Unterschiede zwischen Bahaismus und Wahhabismus" erkundet werden sollen: Gemeinsam ist ihnen demnach zumindest, dass sie beide Deviationen seien. Entsprechendes "Informationsmaterial" wurde im ganzen Land verteilt.

Die konservative Zeitschrift Kayhan macht darauf aufmerksam, dass Saudi-Arabien als einziges Land eine Uno-Resolution unterstützt habe, in der Iran wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt wurde. Das sei verständlich, wenn man bedenke, dass der "Wahhabismus wie der Bahaismus ein Produkt des britischen Kolonialismus sei". (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2010)

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Posting 1 bis 25 von 44
1 2
xx Hour1
40
12.1.2010, 19:17

Bahai sind gar nicht oder ganz wenig present in Iranische medien.

Wie kann man dann so eine Hetze Campagne
ohne medien straten ?

Hossam Hassan
02
12.1.2010, 21:53
Juden sind auch nicht sehr präsent in den iranischen Medien

trotzdem sind sie ein Feind. Und wenn man jetzt mit: Aber der Zionismus, aber Israel kommt: in den Hetztiraden gegen Israel werden immer "die Juden" als Problem genannt.

xx Hour1
140
12.1.2010, 14:18

Kein wort glauben, Schlechte Propganda analyse.

Es gibt keine hetze gegen Bahai im Iran.
die Zeitung berichten ganz ganz wenig über Bahai, die politiker sagen auch nichts.
Politologe Nematollah Bavand ist auch ein unbeannter, ein Niemand.

die Beschuldigungen gehen direkt an Hr Mussavi, Karubi, Khatami und ihre Anhänger, von bahai hört man ganz wenig in Medien.

Wenn auch einige von Ihnen Verhaftet, hauptsächlich wegen Teilnahme an Demos und Verletzung des Ordnung und sicherheit.

wegen religion wurde niemand verhaftet.

. Diogenes
00
Da flüchtet man aus diesem Terrorstaat nach Europa

und kann dann hier auch noch so einen Dr.ck lesen...

JoeMasa
01
12.1.2010, 16:18
Hey xx Hour1

Hey xx Hour1,

was machst du hier im standard?
liest du sonst nicht HEUTE?

Inquirer
06
12.1.2010, 14:54

Unter dem Mullah-Regime wurden mehr als 200 Bahai alleine wegen ihres Glaubens hingerichtet. Die Angehörigen dieser religiösen Minderheit sind kontinuierlich Repressionen und Diskriminierungen ausgesetzt, so ist beispielsweise die Bahai-Jugend vom Besuch der Universitäten ausgeschlossen und wurden die Pensionen der Bahai, die im öffentlichen Dienst gearbeitet hatten, gestrichen.

Die Verfolgungen der Bahai sind dokumentiert und wurden von internationalen Gremien (UNO, EU-Kommission) wiederholt verurteilt.

Du kannst dieses – und anderes – Unrecht der iranischen Regierung leugnen so viel Du willst, es wird auf lange Sicht nichts nützen, denn irgendwann kommt die Wahrheit für jeden sichtbar und offenkundig ans Tageslicht.

xx Hour1
81
12.1.2010, 14:44

Bahai spinnen vielleicht ein bisschen, aber sie sind nicht militant und friedlich.

sie haben allerdings Zentralen tempel in Haifa-Israel.

solange sich aus politik fernhalten und keinen kontakt zu Israel aufbauen , werden sie toleriert.

das ist auch der Grund warum sie die letzte 30 Jahren überstanden haben.

Dani B.
03
12.1.2010, 16:39

"solange sich aus politik fernhalten und keinen kontakt zu Israel aufbauen , werden sie toleriert."

solange die muslime in europa keinen kontakt nach saudiarabien aufbauen, werden sie toleriert.

ich höre das wutschnaubende gebrüll der muslime.

im fall der baha'i ist das natürlich was anderes.

Lichtfreak
03
12.1.2010, 16:11
solange sich aus politik fernhalten und keinen kontakt zu Israel aufbauen , werden sie toleriert.

Sagen sie nie mehr Demokratie zum Iran!

Damit haben sie den Klerikalfaschismus zugegeben!

Inquirer
04
12.1.2010, 15:57

Du lieber Himmel! Dass die Bahai einen Tempel in Israel haben, macht sie also verdächtig?

Dazu Folgendes:

1.) Einige der wichtigsten Heiligtümer des Islam befinden sich ebenfalls in Israel. Werden Moslem deshalb des Zionismus verdächtigt?

2.) Das Zentrum der Bahai-Religion befindet sich deshalb in Israel, weil der Offenbarer dieses Glaubens, Bahá'u'lláh, den Großteil seiner vierzigjährigen Gefangenschaft dort verbrachte und dort auch 1892 in Gefangenschaft verstarb. Damals existierte übrigens noch kein Staat Israel. Gefangen gesetzt und verbannt wurde er von der persischen Regierung – und die hält den Bahai heute quasi vor, dass ihr Prophet in Israel verstarb.

Endloses Kopfschütteln.

Wie verblendet kann man sein?

Hossam Hassan
08
12.1.2010, 13:21
Die absurden Vorwürfe sind fast immer die Gleichen

Dass jemand vor den Augen frommer Ashurafeiernder einen Koran zerreissen soll, oder wie im Irak auf den Plakaten von Heiligen herum trampeln soll, oder in Ägypten, wo Christen/Ungläubige den Koran bespuckt haben sollen.
Es geht immer um symbolische Vergehen (wie bei den Mohammedkarikaturen) selten um ein reales Unrecht. Besorgniserregend ist die Mobilisierbarkeit des Mobs, wenn es um solche als Gerüchte in die Welt gesetzten Vorwürfe geht. Moslemischen Aufschreiern ist es egal, wenn ihresgleichen durch Autobomben bei Volleyballspielen zerfetzt werden, aber wenn die Bahai den Koran angreifen ist der Lynchmob zur Stelle. Je dümmer und unhaltbarer der Vorwurf (Bahai würden so etwas im Iran nicht tun) desto glaubwürdiger für den Mob.

No Nonsense
01
12.1.2010, 13:56

Kleine Korrektur: Bahai würden den Koran in keinem Land zerreißen, nicht nur im Iran nicht.

s v
00
12.1.2010, 14:33

Ich denke, jemand der noch seine sieben Tassen beisammen hat, würde in keinen islamischen Land öffentlich den Koran zerreissen...

Hossam Hassan
02
12.1.2010, 14:13
Ist schon klar

Was ich meinte war: Selbst wenn ich mächtig angefressen und böse wäre, würde ich in einem islamischen Land ganz sicher keinen Koran zerreißen, vor allem dann nicht wenn mir wild gewordene blutige Ashuraselbstverstümmeler dabei zuschauen können.

Wer denkt sich denn so was aus und glaubt es?

Das absurd Bestürzende dabei ist, dass es wahrscheinlich keines Anlasses bedarf um eine wütende Menge dazu zu bringen andere zu killen, wenn es einen religiösen Grund gibt, das zu rechtfertigen.

Cello Swiss
07
12.1.2010, 12:21
Bahais

Seit der islamischen "Revolution" werden die Bahais haerter als alle anderen Minderheiten vom Regime der Mullahs verfolgt. Mein Mitgefuehl und meine Sympathie ist bei ihnen allen.

Der Waehlerwille
 
03
12.1.2010, 10:48
die verfolgung der bahai ist übrigens auch etwas dass von den ahmadi cheerleadern

gönnerhaft ignoriert wird.

XYZ123
00
12.1.2010, 10:44
Typisch für diese engstirnigen Religionsfanatiker

Die "Elite" im Iran sind dzt religiöse Fanatiker und solche die die Religion für ihre Zwecke missbrauchen. Es ist typisch dass sie Sündenböcke in anderen Religionen suchen - der Wirklichkeit im Iran, nämlich dem praktizierten Atheismus, können sie nicht ins Auge blicken.

Ernst Guevara
00
12.1.2010, 08:12
auch wenn diese meldung ein graus ist,

so könnte sie auch auf eine schwäche des regimes hinweisen. denn scheinbar schafft es das regime nicht mehr, genug menschen hinter sich zu vereinigen, indem es auf die üblichen sündenböcke/ feindbilder USA und israel hinweist. das regime muss sich scheinbar schon neue sündenböcke suchen und das sind die bahai. für die bahai ist das schlecht, aber man kann dennoch hoffen, dass dies ein zeichen dafür ist, dass dieses faschoregime bald auf dem müllhaufen der geschichte landet. auf dass die grüne welle das regime endlich wegspült!

Potator
02
12.1.2010, 07:33
Verfolgung der Bahai

All den professionellen Israelkritikern ins Stammbuch geschrieben: Die Bahai Religion ist eine der am schnellsten wachsenden Religionen der Welt und das, obwohl sie nicht missioniet.
Israel ist das einzige Land im gesamten Nahen Osten, wo die Bahai nicht verfolgt und benachteiligt werden. Sie errichteten in Haifa ihr wichtigstes religiöses Zentrum und können dort frei und ohne Angst ihren Glauben praktizieren!

vito don´s schwester
00
12.1.2010, 10:19
der feind meiner feinde

ist mein freund oder doch wahre toleranz allen religionen gegenüber? ich kann es nicht beurteilen, denn ich höre das erste mal von dieser gruppe

Potator
04
12.1.2010, 12:57
Toleranz

Das einzige Land im ganzen Nahen Osten, in dem es eine freie Religionsausübung für alle gibt, ist Israel.
Leider schweigt die Welt zu den Verfolgungen der Bahai, aber auch der Christen und Moslems im arabischen Raum.

NONE
22
12.1.2010, 05:25

Das sind Bauernopfer.

Oder besser formuliert, das Regime benutzt potentielle Feinde, schwächt diese (Todesstrafen und Verfolgung) und lastet ihnen den schwarzen Peter an.

Langweilige und altbekannte Strategie. Schade das die Iraner sich mit so einer Regierung herumplagen müssen.

kurt haenel
 
00
12.1.2010, 00:33

das demokratische Element im Iran schlägt wieder einmal Wellen.

MiNeum71
 
02
11.1.2010, 23:55
Es fehlt nur noch, daß die IRI folgendes verkündet:


Neda Agha-Soltan hätte ihren eigenen Tod vorgetäuscht, um - ohne in Verdacht zu geraten - auf Karroubi zu schießen und danach bei den Baha'is unterzutauchen.

Falk Heße
31
12.1.2010, 12:24
Die Mutter aller Satire

Ihr Versuch in Ehren aber gegen die iranischen Kollegen von Comical Ali sind Sie auch nur ein Waisenknabe. Schließlich ist Ihre Satire im Vergleich zu den hanebüchenen Statements, die im Artikel genannt werden, ja fast schon harmlos. Ich wüsste zumindest nicht, wie man die Absurdität, der obigen Unterstellungen, noch auf die Spitze treiben kann. Daher, frei nach Monty Python: Hut ab vor dem Iranian Ministry of Silly Accusations.

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