Karriere zieht Österreichs Wissenschafter ins Ausland

27. Jänner 2010 17:30
  • Artikelbild
    Foto: www.pixelio.de/uli carthäuser

    80 von 108 Wissenschaftern aus Österreich würden ihre Sachen packen und an eine Auslands-Uni wechseln

    --> Zur Umfrage

    Würden Sie ins Ausland gehen?

75 Prozent sind beruflich sehr mobil und können sich Umzug durchaus vorstellen

Wien - Wissenschafter sind beruflich mobil. Das zeigt eine Studie von Edward M. Bergman vom Institut für Regional- und Umweltwirtschaft der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien, für die rund 1.800 Wissenschafter an Top-Forschungsuniversitäten der EU (laut Shanghai-Ranking) sowie an österreichischen und Schweizer Universitäten befragt wurden. 75 Prozent der Forscher gaben dabei an, einen Uni-Posten in einem anderen Land zu akzeptieren, falls sie dort bessere Bedingungen vorfinden würden.

Die österreichischen Studien-Teilnehmer liegen dabei genau im Schnitt ihrer Kollegen aus 18 anderen Staaten: 80 von 108 Wissenschaftern aus Österreich würden - "verbesserte Bedingungen" vorausgesetzt - an eine Auslands-Uni wechseln. Etwas anders ist das Bild bei den Wirtschaftswissenschaftern: Hier zeigte nur die Hälfte Bereitschaft zur Mobilität.

Bessere Bedingungen

Unter "verbesserten Bedingungen" verstehen die Wissenschafter vor allem bessere Forschungsmöglichkeiten, höhere Gehälter und Beförderungen - weniger wichtig sind ihnen ein verringerter Publikationsdruck, bessere Sozialleistungen und mehr Kontakte zu Firmen.

Generell zeigten männliche Forscher mehr Bereitschaft zur Mobilität als ihre weiblichen Kollegen. Wissenschafter mit einer hohen Lehrbelastung waren ebenfalls eher bereit, an eine andere Uni zu wechseln.

Von jenen Wissenschaftern, die Bereitschaft zur Mobilität zeigten, wollen rund 40 Prozent ausschließlich an eine Uni in einem anderen EU-Land wechseln. Vier Prozent schließen umgekehrt ein EU-Land explizit aus. Wissenschafter aus Österreich, Großbritannien, Italien, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden wollen überdurchschnittlich oft an einer EU-Universität bleiben - diese Gruppe zeigte sich auch weniger ehrgeizig als Personen, die auch für andere Ziele offen sind: Sie bevorzugten seltener bessere Kollegen oder Studenten, suchten weniger häufig bessere Forschungsbedingungen und zeigten weniger Interesse an höheren Gehältern oder prestigeträchtigeren Unis. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
ashley u.
11.02.2010 15:56

Fakt ist, dass Österreich mit hochqualifiziertem Klientel wenig bis garnichts anfangen kann.
Da versagt bereits der Personaler, der bei Durchsicht der Unterlagen internationale Abschlüsse nicht zu gewichten versteht.
Entsprechende Positionen werden dann lieber per Freunderlswirtschaft besetzt, statt nach Qualifikation, desweiteren sind Frauen grundsätzlich nicht in Führungspositionen zu finden, wenn sie nicht von einer Partei dorthin positioniert wurden....
An den Hochschulen beschwert man sich über deutsche NC-Flüchtlinge...wer gut ist, studiert längst in den Niederlanden oder Deutschland....sollte doch zu denken geben, aber da ist man resistent.

Herr Plumm
03.02.2010 14:26

Wissenschafter MÜSSEN beruflich mobil SEIN...sollte es eigentlich heissen...

Christian S
29.01.2010 15:59
Tatsächlich wird in der Studie nur nach der Bereitschaft

zum Umzug gefragt. Ob es sich die Damen und Herren vorstellen könnten ....

Naturgemäß kommen eindrucksvolle Ergebnisse heraus. Immerhin wird man in der Forschung zu dieser Geisteshaltung erzogen. Außerdem können sich Forscher vieles vorstellen, z.B., dass man im Ausland ganz heiß auf sie wäre und mit Geld überschütten würde..

Der großen Bereitschaft steht gegenüber: die geringe Zahl derer, die es dann wirklich tun. Außer den 2 Jahren Auslands-Postdoc für den Lebenslauf bleiben die meisten dann eh, wo sie sind.

Offenbar ist der Mut zur Tat dann doch nicht so groß wie das Mundwerk. Alle reden darüber, kaum einer tut es wirklich; dieses Gerede vom Auswandern ist nur noch langweilig. Oder es gab ohnehin keine besseren Bedingungen im Ausland.

klein adlerauge
 
29.01.2010 15:51

karriere NÖTIGT die leute ins ausland. auslandserfahrung macht man nämlich nicht mehr freiwillig sondern weil man muss. und es höher bewertet wird als ordentliche publikationen.

und damit begeht man meiner meinung nach drei fehler:

erstens schert man einmal alle über einen kamm. was sehr klug ist bei leuten die eigentlich das selbstständig arbeiten gewöhnt sind, kreative lösungsansätze finden sollen usw.

zweitens setzt man die hemmschwelle herab sich davozumachen: wenn der aufwand (umzug usw.) erledigt ist und die bedingungen dort auch nur gleichgut sind; warum sollte man dann zurückkommen?

drittens wird familie grundsätzlich ignoriert, womit man zwei fliegen mit einer klappe schlägt: weniger forscher gleich und weniger nachwuchs später

C18H27NO3
29.01.2010 15:22
pseudostudie

wer eine wissenschaftskarriere auf der uni anstrebt muss zwangsweise mal ein paar jahre ins ausland, wenn er/sie sich nicht zwangsweise ins out stellen will! Wenns dazu noch besseren gehalt gibt, ja klar sagt man dann ja...
Will man einen tob-job sprich eine professur darf man das sogar exzessiver betreiben und ~15 jahre lang im 2-jahrestakt umziehen. Nein daraus folgt nicht zwangsweise dass alle unis von denen man abgeht schlecht sind bzw. ein katastrophales wissenschaftlervertreibendes umfeld bieten! Was dieser reisezwang allerdings an sozialem tribut fordert bzw. z.t. für leute ranzüchtet ist ein ganz eigenes thema...

Seria
29.01.2010 12:02

vor ca 40 Jahren war es auch eine Frage des Gehaltes, das im Resteuropa deutlich über den Ö Gehältern lag.
In staatsnahen Betrieben war ohne Parteibuch auch keine Karriere zu machen . Wenn man also leistungsorientiert war und nicht bereit war rot oder schwarz zu tun, auch wenn man es nicht war (später wurde das dann nochmal blau objektiviert), dann blieb einem gar nichts übrig als zu gehen (um es NIEMALS bereut zu haben)

K.L.
29.01.2010 09:17
eine andere vielleicht interessante Fragestellung:

wär vielleicht - müssen die Forscher ins Ausland gehen weil Sie hierzulande einfach keine Perspektiven haben (ein post doc ist halt teurer als ein pre doc). Also der Forscher als Zwangsmigrant. Übrigens: in England gibts einen unbefristeten Vertrag nach dem Doktorat und die haben angeblich ohnehin einen Mangel and PhD´s.
Also keine freiwillige Migration sondern zu einem gewissen Teil eine unfreiwillige. Weiters wären die Ströme interessant wohin die Forschungsmigranten ziehen, weil ich denk da haben wir eine schlechte Bilanz. (ausser man meint es sei gut, wenn wir die Forscher loswerden dann eine gute)

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
29.01.2010 09:14
Hierarchie an deutschsprachigen Unis

Bin schon seit einige Zeit weg, aber ich glaube nicht, dass sich die Verhaeltnisse gebessert haben. Was mich sehr stoerte war ist diese Hierarchie (Professoren - Habilitierte - Assistenten).
Im tagtaeglichen Umgang ist nicht Leistung, Koennen etc massgebend, sonderen die Stellung dieser Pension.
Selbst als Besucher mit guten Publikationen in den USA wurde man besser behandelt als ein Habilitierter in Wien. Als dann Angebote kamen, zoegerte ich nicht lange und gab meinen Beamtenposten auf.
Aus familiaeren Gruenden erwog ich eine Rueckkehr, erhielt auch ein paar Rufe als C4. Wurde Nix. Die niedrige Bezahlung war ein Faktor, aber auch das ganze Getue um die "Mitarbeiter": Dies sind nicht junge Kollegen wie in den USA, sondern "Untergebene"

Sophist1
29.01.2010 09:58
Sie heben Ihre Erfahrungen zu sehr auf Österreich ab.

In Deutschland reagieren die Universitätsverwaltungen und die sehr maßgeblichen Forschungs-Gemeinschaften, z.B. Max-Planck-Gesellschaft, erheblich flexibler. Ich weiß nicht welches Fach sie abdecken. Aber bei Naturwissenschaftler hat sich die Forschungswelt in D. massiv verändert.

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
29.01.2010 12:52
C4 gibts ja nicht mehr...

Sicher, in D ist es ein bisschen besser, und - um Ihnen einen Zeitrahmen zu geben - ich verhandelte noch um C4. Mit den Universitaeten selber hatte ich weniger Probleme als mit den Beamten im jeweiligen Ministerium: Besonders Verhandlungen mit NRW-Leuten waren sehr zaeh (nicht nur bei mir, auch andere Kollegen berichteten Aehnliches): Die Beamten sind richtige Schlitzohren (fast so wie in A).

Aber - auch bei Besuchen jetzt - habt jeder Professor 2+ "Mitarbeiter", 1/2 Sekretaerin fuer sich selbst. Vielleicht macht die Buerokratie das notwendig, aber ich habe den Eindruck, dass viele Kollegen es geniessen Chef zu spielen.

Ich forsche eben lieber.

Ein anderer Punkt sind die Massenvorlesungen und die schlechte Behandlung der Studenten.

Sophist1
29.01.2010 17:52
Ich kenne einen Gen-Spitzenforscher, der aus den...

...den USA zurückgekauft wurde: Quasi 4c. eigenes Institut, angehängt an die Uni Münster und formal von MPI beschäftigt.

Untergebene zu haben kann man als Machtanspruch definieren. Ausgangspunkt war das Beamtenrecht, bei der, der viele Beamte unter sich hatte, am höchsten angesehen war (und den höchsten Rang hatte)

Evelyne R.
29.01.2010 09:05
Wen wundert's?

und - nein, man kann's in Österreich nicht zu etwas bringen, es sei denn man ist innenpolitisch bereit alles mitzutragen was irgendwelche Idioten vorgeben.

Round'n'round it goes
29.01.2010 09:00
Alles schon gesagt...

Alles, was ich zu diesem Thema loswerden wollte, ist hier schon gesagt worden: Gute Bildung hat in Ö keinen Stellenwert, wird dementsprechend wenig gewürdigt und entlohnt. Wer wirklich etwas drauf hat, geht schon als Student, spätestens aber als Doktorand oder post-doc ins Ausland, und die meisten bleiben auch dort. Die wirklich klugen Köpfe wandern aus und genießen es, dass anderswo ihre Arbeit entsprechend gewürdigt wird.

NONE
29.01.2010 07:46

Das sagt eigentlich nur eines - andere Länder sind hier attraktiver.

Tja ... wundert doch keinen.

Kelborn
28.01.2010 22:01

da brauch ich keine Studie: Auf einer FH verdienst ein Doktorant 1400€ (vollzeit)... das sagt ja wohl alles.

Moskito, ergo summ
29.01.2010 09:28
Doktorant?

Ich kenne nur Doktorand...

Rittmeister Kopetzký
29.01.2010 14:35

Auf den FHs is das anders!

beethovenfries
28.01.2010 18:57

Schönes Bild. Mehr als ein Handwagerl als U Haul kann man sich von den Gagen des Österreichischen Wisenschaftsbetriebes wohl nicht leisten (ausser man ist Professor, dann kann man aber eh dableiben).

collector1
28.01.2010 14:44

Es ist kein Wunder, dass es österreichische Wissenschafter ins Ausland zieht. Eine Berufung im Hause ist fast nicht mehr möglich, ein "Wissenschafter Walz" ist für eine Professur fast Voraussetzung. Ob dieser Brain drain sinnvoll ist steht auf einen anderen Blatt, teilweise ja, teilweise nein. Wobei meiner Ansicht nach das "Nein" überwiegt. In den letzten Jahren kamen fast nur Deutsche an österreichische Universitäten mit eigentlich exzellenten Gehältern.

Bürger Europas
28.01.2010 13:09

Na, hoffentlich werden die dann als Ausländer nicht interniert...

russiaTV
28.01.2010 03:04
politik und wirtschaft verjagen die begabten

nicht die karriere zieht sie weg...

Mucosaprolaps
28.01.2010 11:45

Seit Gehrer zB ist ein Job als Univ.Ass. nur mehr für Extremoptimisten und Verzweifelte attraktiv: Man darf sich alle paar Jahre um den eigenen Job neu bewerben; ein bisschen Beamtenwillkür reicht, dass jemand, der sich eben noch für einen Nachwuchswissenschaflter hielt, plötzlich unter der Brücke pennt.

Petzi Petz
28.01.2010 15:13
Das Problem ist:

Herumsitzer und Nichtsweiterbringer werden auf ihren Positionen in der derzeitigen Unipolitik nicht entfernt sobald sie einen unbefristeten Vertrag haben. Da kommt man sich als Drittmittelangestellter, der um sein Überleben fürchten muß, jeden Tag aufs neue vera*scht vor.

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
28.01.2010 13:57

1) Ist es nicht schlecht, dass Leistungsvereinbarungen eingeführt wurden. Von den pragmatisierten, habilitierten Schlafwandlern aus der Zeit davor gibt es immer noch genug.


2) War die Postition der Assistenten auch vor Gehrer nicht gut (wenn sie ein bisschen wissenschaftliche Ambitionen hatten und nicht ihre Zeit absitzen)

3) richtig ist: jetzt wie vorher sind die Assistenten noch immer abhängig von einem Prof. Ob sie unabhängig Arbeiten können, hängt von dessen Willkür ab.

Spieler5
28.01.2010 14:41
ihr beide wart wohl schon lang auf keiner österreichischen Uni mehr

es ist nicht möglich, seine befristete Assistentenstelle zu verlängern, an der Uni Wien wird man explizit ein Jahr lang von einer Neubewerbung ausgeschlossen

nach Ablauf der Stelle sucht man sich also a) einen neuen wissenschaftlichen Job (meistens im Ausland), schult b) auf irgendwas Zukunftsträchtiges um oder sucht sich c) einen Mäzen (zB FWF) und schlägt sich mit Selbstantragstellerprojekten durch

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.