Koalition

SPÖ und ÖVP gegen U-Ausschuss

10. Jänner 2010 19:18
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    Foto: apa/barbara gindl/montage:friesenbichler

    Anders als SP und VP können sich Orange und Grüne einen U-Ausschuss zur Hypo in Wien vorstellen, Blau möchte alle Banken unter die Lupe nehmen.

Trotz Notverstaatlichung, hoher Landeshaftungen und Vorwürfen der Parteienfinanzierung will die Koalition keinen U-Ausschuss

Die Koalition setzt in der Causa Hypo Alpe Adria auf die am Donnerstag startende Untersuchung des Kärntner Landtags - und will trotz Notverstaatlichung, hoher Landeshaftungen und Vorwürfen der Parteienfinanzierung keinen eigenen U-Ausschuss im Nationalrat einsetzen. "Man soll den Kärntnern weder die Arbeit noch die Verantwortung abnehmen", sagt SPÖ-Klubobmann Josef Cap zum Standard. Ähnlich argumentiert ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf: "Jetzt sind die Staatsanwaltschaft und der U-Ausschuss in Kärnten am Werk."

BZÖ und Grüne befürworten dagegen die Einsetzung eines Kontrollgremiums zur Hypo in Wien. Die FPÖ kann sich allenfalls einen neuen großen Bankenausschuss vorstellen, der nicht nur die Vorgänge rund um die Kärntner Bank beleuchten soll.

***

Wien - "Der Fall Hypo ist tragisch und traurig genug - man soll hier den Kärntnern weder die Arbeit noch die Verantwortung abnehmen. Daher sollen sie jetzt auch ihren Beitrag zur Aufklärung leisten" : Angesichts des am Donnerstag im Klagenfurter Landtag startenden U-Ausschusses, der die fragwürdigen Vorgänge rund um den Verkauf der Kärntner Hypo Alpe Adria an die Bayerische Landesbank klären soll, spricht SPÖ-Klubchef Josef Cap aus, was er sich von der Arbeit des erneut eingesetzten Kontrollgremiums erwartet. Denn: "Das ist im Interesse der Steuerzahler und Sparer." Dass sich seine Partei auch für einen U-Ausschuss im Wiener Parlament starkmachen wird, schließt Cap aus: "In der Angelegenheit wurde ohnehin dauernd versucht, Verantwortung auf den Bund abzuwälzen."

ÖVP-Klubchef Tauschitz wieder Vorsitzender

Unverhältnismäßig hohe Landeshaftungen, mögliche Parteienfinanzierungen und andere Profiteure im Zuge des Deals, den die damals orange-schwarzen Landesväter finalisiert hatten: Seit die Hypo durch die Notverstaatlichung vor der Pleite gerettet wurde, vergeht kein Tag, an dem nicht neue Vorwürfe gegen die politisch Verantwortlichen vor Ort erhoben werden. Außerdem pikant: Obwohl im Sommer 2007 der erste U-Ausschuss zur Hypo ergebnislos endete, wird auch diesmal Stephan Tauschitz, ÖVP-Klubchef im Kärntner Landtag, den Vorsitz führen. Warum dieser Ausschuss diesmal doch Erhellendes zutage fördern sollte?

Karlheinz Kopf, Klubobmann der ÖVP, ist davon überzeugt, dass "inzwischen deutlich mehr Fakten auf dem Tisch liegen". Deswegen hält auch er kein parlamentarisches Kontrollgremium für notwendig: "Jetzt sind die Staatsanwaltschaft und der U-Ausschuss in Kärnten am Werk."

Teile der Opposition sehen das anders. Der orange Obmann Josef Bucher drängt darauf, dass die Staatsanwaltschaft im Fall Hypo nun rasch ermittelt. "Dafür muss man halt Geld in die Hand nehmen - und Mitte des Jahres könnte dazu dann ein U-Ausschuss im Parlament stattfinden." Nachsatz: "Das soll keine Geringschätzung des Kärntner Landtages sein, aber im Parlament können die Mitarbeiter mehr Recherchetätigkeiten übernehmen, und es gibt eine sorgsamere Aktenbeschaffung." Von der Arbeit des neuen alten Vorsitzenden im Klagenfurter Gremium hält Bucher nicht viel: "Tauschitz hat ja schon beim letzten Mal mehr vertuscht als sich darum bemüht, dass etwas herauskommt."

Grüne wollen "stärker nach München schauen"

Die Grünen sind "ab dem Frühjahr" der Einsetzung eines U-Ausschusses nicht abgeneigt - "bis dahin soll man, was Aufklärung betrifft, stärker nach München als nach Klagenfurt schauen", empfiehlt deren Vizeklubchef Werner Kogler. Was ihn vor allem interessiert: Wie es möglich war, dass Notenbank, Finanzmarktaufsicht und Finanzministerium dem Desaster nicht früher entgegensteuerten. "Die Aufsichtsorgane haben geschnarcht. Das könnte ein Untersuchungsgegenstand sein. " Und wie steht die FPÖ zu dem Thema? Deren Generalsekretär Harald Vilimsky erklärt: "Wenn, dann brauchen wir einen neuen großen Bankenausschuss, bei dem alle Bankenbosse zu Ostgeschäften, Boni, Profiten befragt werden." Denn: "Es bringt nix, eine kleine Regionalbank für das gesamte Bankendebakel verantwortlich zu machen." (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.01.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 458
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Erwin Ator
12.01.2010 08:47
Transparenz geht nur ohne Parteien ...

... die Causa Hypo, das Bankenwesen und alle anderen Skandälchen, in denen "Freunderlwirtschaft" eine große Rolle spielt, machen eines klar: Gerechtigkeit, Transparenz und das Faktuum, dass ALLE vor dem Gesetz gleich sind, wird nur dann gelingen, wenn sich die Justiz vom Gängelband der (Partei)politik abnabelt! Warum sonst wird der vielzitierte kleine Mann wegen kleiner Bagatelldelikte schamlos zur Kasse gebeten während fahrlässig und betrügerisch agierende Banken- und Konzernbonzen mit Bonizahlungen und Abfertigungen für ihre "Leistungen" belohnt werden.
Ein U-Ausschuss ist - wenn man die jüngste Geschichte betrachtet - in der Alpenrepublik längst zum zahnlosen Tiger geworden. So schauts aus!

also dann ...
11.01.2010 18:49
auch klar : der "kuschel-kurs"...

der gegenseitigen s c h o n u n g (oder gar korruption ?) wird wieder einmal zu show... getragen.

da drängt sich nur mehr 1 frage auf :
wie lange lassen w i r uns das noch gefallen ? ? ?

Harald Ecke
 
11.01.2010 17:25
Wie einig sich SPÖVP sein können

Wenn die Bank schon durch unvorstellbare Summen vom Bund (von Ihnen, liebe Steuerzahler_innen) gerettet wurde, dann sollte auch ein Untersuchungsausschuss für restlose Aufklärung und Kontrolle des staatlichen Eigentums sorgen. Dass der Ausschuss zu teuer käme ist angesichts der Rettungskosten für die Banken ein Hohn. Ich fürchte, dass da einige Landesparteien quer durch alle Lager Leichen im Keller haben, die dort bleiben sollen und dass vielen ein Ausschuss zu viel -wenn auch gut vergütete- Arbeit ist.
Die Regierung ist dem Volk als indirekter Eigentümervertreter Aufklärung schuldig!

dodos
11.01.2010 15:40
Online Demo?

Kennt jemand die Adresse von einer Online-demo, so in der Art von 20.000 Kommentare für die Bundesregierung. Gibt es so was?

werwolfi
11.01.2010 15:26

"Man soll den Kärntnern weder die Arbeit noch die Verantwortung abnehmen"

scherzerl, oder?

wie wir gehört haben, ermitteln die bayern mit 7 staatsanwälten, wohingegen in K nach wie vor ein 2. ankläger nicht bewilligt wird.

wie müssten unwillen und unfähigkeit denn aussehen, die das "abnehmen der verantwortung" doch nötig erscheinen lassen würde?

NO : ID
 
11.01.2010 15:20

sagt mal fällt eigentlich jemanden auf, dass wir unserer eigenen barbarei zum opfer fallen?

hass macht blind und zugegeben, ich bin auch blind geworden. aber was wollen wir machen? codex hammurapi? aug um aug, zahn um zahn?

vielleicht leben wir schon in den von brecht und arendt beschriebenen finsteren zeiten - wenn wir uns jetzt unseren niederen trieben hingeben ist alles aufgebaute dahin.

schlußendlich geben wir mit hass dem überwachungsstaat die legitimation zu seiner existenz.

geld ist nur papier/pixel mit darauf projezierten wertgehalt und wir könnten zuerst einmal mit worten abrüstung betreiben (allen voran nehme ich mich da selbst bei der nase), bevor wir der inflation oder was auch immer kommen mag ins auge sehen.

Zensur trägt einen Namen - DerStandard
11.01.2010 14:32

Wer in Österreich noch wählen geht solange es keine fähige Linkspartei wie die PDS in Deutschland gibt, der ist masochistisch veranlagt, neigt zu Schüssen ins eigene Knie und ist im Grunde genommen ein armes Würstchen dem der Durchblick vollends fehlt. Ein 0815 Typ nach dem kein Hahn kräht. Ein Abziehbild, ein Niemand.

carbonara
11.01.2010 14:27
Untersuchungsausschüsse.....

....für jeden Furz werden solche (z.T. recht überflüssige) U.A. gefordert.

Bei einem Finanzdesaster in dieser Größenordnung ist ein U.A. jedoch absolut erforderlich.

Schön wäre natürlich eine unabhängige Untersuchung (man wird ja noch träumen dürfen).

11.01.2010 14:49
Skandalchronik

Vielleicht würde so eine Untersuchung einfach zuviel Dreck aufwirbeln !
Hier ein schon älterer aber sehr interessanter Artikel über die Machenschaften der Hypo-Alpe:
http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/3776461/

Knochenmann
11.01.2010 13:56

Und deswegen wähle ich nicht mehr.

nextdoorhood
11.01.2010 14:11
..und ich auch nicht mehr ... die skandalbrüder..ausg'schamten

Zensur trägt einen Namen - DerStandard
11.01.2010 13:50
Der SPÖ geht der Reis wegen den roten Aufsichtsräten. Gibt es eigentlich korrupte Bereiche wo kein Roter dabei ist ?

natoll
11.01.2010 14:42

ja gabs schon. damals, als schwarz-blau sich das land aufgeteilt hatten. z.b. seibersdorf oder eurofighter.

Gysi the best
11.01.2010 14:55
Kein Roter bei Eurofighter ? Der war echt gut

Zensur trägt einen Namen - DerStandard
11.01.2010 14:47
EADS Androsch als nicht roten zu bezeichnen wäre aber zu gewagt, beinahe grenzdebil.

irrelevant uninteressant
11.01.2010 14:38

Natürlich!

Die IV, der Bauernbund, der Raiffeisen-Sumpf, die ÖVP Nö, und und und.......

Würde den Rahmen sprengen hier.

ei padauz
11.01.2010 14:21

in anbetracht der schwarz regierten bundsländer: ja!

sicha net
11.01.2010 13:48
"Das ist im Interesse der Steuerzahler und Sparer."

Wie Deppat kann man eigentlich sein? Alleine für den Satz gehört dem Herrn Cap ein anständiger Oa***htritt! Zahlen darf der Steuerzahler für das angerichtete Schlamassel... aber Transparenz darf er sich keine erwarten! Der Kärntner U Ausschuß wird schon richten... Genau, die werden sich selbst sicher nicht anpatzen! Alleine das es keinen U-Ausschuß des Nationalrates gibt, beweist für mich, das Gelder an BZÖ & ÖVP geflossen sind und wer weiß was noch!

Die SPÖ ist jetzt entgültig eine Partei der Umfaller und Hosensche**er!

11.01.2010 13:30
ja, ausschuss: wenn dann für alle

ja, entweder ausschuss für alle oder jedenfalls nicht scheinheilig nur auf eine einzelne hinhauen. Denn auch wenns viele (wie zB Kolumnist Rauscher) nicht und nicht wahrhaben will, die ÖVP ist nicht ohnmächtig einfältig am Gängelband eines übermächtigen Haider gewesen, wie das Rauscher beschreibt. Sie ist Akteur in der causa. Und die Banken haben allerorten Dreck am Stecken. Und nur weil Haider nicht mehr klagen kann, sollte derstandard diesem Cover-Meinungsmacher nicht jedes Wortspiel erlauben, um damit Politik und PR zu machen.

Kärnten verlassen - Es wird nicht besser!
11.01.2010 13:29

SPÖ, ÖVP, FZÖ, FPK, FPÖ - Österreich ist so korrupt und verfilz. Pfui.

W.Hammerl
11.01.2010 14:12

Wetten, dass Sie ein Grüner sind?

Schöne Grüße an meine Frau!
11.01.2010 13:08
Kein Wunder,

wenn ein Metelko auf der Investorliste Tilo Berlins stehen soll.

Horstl Schorschl
11.01.2010 13:04
Jaja Herr Pröll schon verstanden.

Transparenz ist wichtig, Transferkonto..., solange es einen selbst nicht betrifft, kann's einem ja egal sein.

Aber für die Parteien sowie für einen selbst gilt absolute Intransparenz.

Darf man fragen wieso!?

Kann es sein, dass sie etwas zu verbergen haben?

Laut ihrer Parteilogik lautet die Antwort auf die vorangegangene Frage definitiv "Ja!"

Können sie sich morgens eigentlich selbst noch in den Spiegel sehen, ohne dem Brechreiz nachzugeben der sie dabei durchströmen muss!? (Gilt genauso für ihren Busenkumpel den Faymann)

munze
11.01.2010 12:50

Und wie wärs mit einem Erstaufnahmezentrum für gefallene Bankiers in, zBsp, Velden?
Oder, vielleicht, Anwesenheitspflicht in Kitzbühel während der Untersuchung?

Horstl Schorschl
11.01.2010 12:47
Die Zensur hier ist auch nicht mehr feierlich.

Offensichtlich darf man seine Meinung hier nicht kundtun.

Aber wenn man schreibt:

"Bravo, bravo supi Pepi... du bist ganz Klass und da Feiyamann auch ihr machts die beste Politik! Ihr seids sooooooooo toll!"

Dann gehts sicher durch.

Drecksland mit Drecksmedienlandschaft = Österreich

Leider sind die deutschen Medien was das angeht den unseren Meilenweit voraus.

Kritische Medien und freie Meinungsäusserung, davon hält man in Ö nirgends viel.

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