DER STANDARD-Interview

"Der gute Diktator will ich nicht sein"

Gerald John, 8. Jänner 2010, 17:55
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    foto: christian fischer

    Bundeskanzler Faymann will sich von den Banken Geld zurückholen: "Aber der Mittelschicht drohe ich nicht mit neuen Steuern."

Faymann will niemanden vor den Kopf stoßen: Wie er trotzdem Asylwerber unterbringen, die SPÖ-Linke befriedigen und wieder Wahlen gewinnen möchte

Standard: Ist Ihnen bei Ihrer Fahrt ins Burgenland ein geeigneter Ort für das Erstaufnahmezentrum für Asylwerber ins Auge gestochen?

Faymann: Nein, es geht um etwas anderes. Wenn wir die Verfahren für die Asylwerber verkürzen und alle Länder ihre Quoten für die Aufnahme erfüllen, wird die Verweildauer in so einem Erstaufnahmezentrum kürzer und damit auch die Zahl der dort betreuten Menschen.

Standard: Das heißt, wir brauchen kein neues Aufnahmezentrum.

Faymann: Das wäre der beste Fall.

Standard: Warum haben Sie den Bau eines neuen Zentrums dann im Koalitionspakt festgeschrieben?

Faymann: Sicher nicht aus Langeweile. Aber man kann auch etwas infrage stellen, das im Regierungsprogramm steht, wenn es eine bessere Lösung gibt. Ich traue mich heute nicht zu sagen, ob das Zentrum nach allen Maßnahmen wirklich nicht mehr notwendig ist. Vielleicht brauchen wir eine kleinere Einrichtung als jene, die in Eberau geplant war.

Standard: Und die soll dann wo stehen?

Faymann: Im Regierungsprogramm haben wir den Süden vereinbart. Die Innenministerin soll verraten, welche Gemeinden sich beworben haben.

Standard: Wenn Sie auf Kärnten hoffen: Dort kann Ihre Regierung ja nicht einmal zweisprachige Ortstafeln durchsetzen. Warum soll dieses Land plötzlich die Aufnahmequote für Asylwerber erfüllen oder gar ein Aufnahmezentrum akzeptieren?

Faymann: Nicht die Kärntner machen es schwierig, sondern der Landeshauptmann, der ja jetzt zur Strache-Truppe gehört. Klar ist der dagegen. Aber durchs Reden kommen die Leut' z'samm. Der Landeshauptmann von Tirol, das die Quote auch nicht erfüllte, hat mir versprochen, das zu ändern, aus Salzburg kommen ähnliche Signale. Wenn die Kärntner als Einzige übrigbleiben, lässt sich vielleicht ein Meinungsumschwung durchsetzen. Klar ist: Einen Landeshauptmann kann man nicht hintenrum überlisten, wie das die Innenministerin versucht hat. Deshalb bin ich auch für eine verbindliche Volksbefragung.

Standard: Da könnten Sie das Projekt genauso gut gleich begraben. Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl prophezeit: Die Entscheidung werde eindeutig sein.

Faymann: Nach dem vermurksten Start wird die Bevölkerung tatsächlich große Skepsis haben. Sinn einer Befragung ist aber, das Ergebnis abzuwarten.

Standard: Österreich ist verpflichtet, Asylwerber menschenwürdig zu behandeln. Kann man Entscheidungen, die Menschenrechte berühren, ans Volk delegieren?

Faymann: Ich lese jetzt aus dem Grundsatzprogramm der ÖVP vor: "Die repräsentative Demokratie ist durch Elemente direkter Demokratie sinnvoll zu ergänzen."

Standard: Eine Mehrheit für die Aufnahme von Asylwerbern wird es nie geben.

Faymann: Traiskirchen ist ein Gegenbeispiel, der Bürgermeister ist ja nicht gegen das dortige Aufnahmezentrum, er will nur menschenwürdige Zustände. Und Vordernberg in der Steiermark hat sich bereit erklärt, ein Schubhaftzentrum zu akzeptieren. Würde ich auf nichts Rücksicht nehmen, fielen Entscheidungen natürlich schneller. Aber der "gute Diktator" will ich nicht sein.

Standard: Vielleicht wollen Sie sich nur die Finger nicht schmutzig machen. Sie sind dafür gewählt, heikle Entscheidungen zu treffen.

Faymann: Ja, aber Aug in Aug mit der Bevölkerung und nicht hinterrücks. Ich bin bei den Wahlen auch deshalb Erster geworden, weil ich immer gesagt habe: Das Drüberfahren über die Leut' liegt mir nicht.

Standard: Die Leute würden vielleicht auch für die Abschaffung aller Steuern oder den Rauswurf von Ausländern stimmen, wenn man sie fragt.

Faymann: Die überwiegende Zahl der Entscheidungen in unserem Land fallen ohnehin in der Regierung und im Parlament, sodass ich in Schulklassen immer die Frage höre: "Brauchen Sie uns nicht nur bei der Stimmabgabe alle fünf Jahre?"

Standard: War es nicht gerade das Kernproblem Ihres ersten Jahres als Kanzler, dass das Publikum Sie nicht als durchsetzungsstarken Regierungschef wahrnimmt?

Faymann: Mir ist wichtiger, die Bevölkerung sieht mich am Ende der Legislaturperiode als Regierungschef, der durchgesetzt hat, dass wir etwa bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die Zweitbesten in Europa sind. Und wenn dann dank meiner beharrlichen Art, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen, auch Schritte bei der Verwaltungsreform passiert sind, dann kann ich mir viele teure Wahlplakate sparen.

Standard: Momentan sieht's nicht danach aus. Sonst hätte die SPÖ nicht eine Wahl nach der anderen verloren.

Faymann: Das sehe ich anders, weil ich seit der Nationalratswahl vor einem Jahr in keiner Befragung auch nur eine Stimme verloren habe. Bei den Landtagswahlen sind die Sozialdemokraten von einem Niveau ausgegangen, das sie in der Opposition gegen die ungeliebte schwarz-blaue Regierung erreicht haben, außerdem spielen regionale Besonderheiten eine Rolle.

Standard: Sie wollen trotz der Niederlagen gar nichts ändern?

Faymann: Nein, im Gegenteil. Ein Jahr wird dafür gar nicht ausreichen. Wir müssen zweifach erfolgreich sein: Die SPÖ muss immer mehr wollen, als sie in einer Regierung durchsetzen kann, schließlich ist sie eine soziale Partei, die das Wort Freundschaft schon im Gruß führt. Aber sie muss auch nachweisen können, dass sie wertvolle Teile davon umsetzt.

Standard: Kritiker in der Partei, die sich als Linke deklarieren, vermissen genau das. Stichwort höhere Steuern auf Vermögen. Warum zaudern Sie da so?

Faymann: Erstens soll man halten, was man im Wahlkampf versprochen hat. Etwa, dass die Erbschafts- und Schenkungssteuer nicht wieder eingeführt wird.

Standard: Nicht sehr sozialdemokratisch, sagen die Kritiker.

Faymann: Dafür halte ich andere Formen der Einnahmen für sehr verträglich: Steuern auf Aktiengewinne, auf Finanztransaktionen. Fürs Einnehmen bin ich schon, aber nicht bei den Massen der Bevölkerung.

Standard: Steuern auf Vermögen, die stark auf eine Oberschicht konzentriert sind, sind keine Massensteuern.

Faymann: Gegenbeispiel: Wenn wir etwa bei einer Erhöhung der Grundsteuer die Häuslbauer, die Betriebe und alle Fälle, wo Mieter betroffen wären, ausnehmen, bringt diese nicht mehr viel.

Standard: Je weniger Steuern Sie einnehmen, desto härter wird das künftige Sparpaket ausfallen.

Faymann: Zu meiner Klientel gehören die Arbeitnehmer. Einnahmen von den Richtigen kann man gar nicht genug haben. Ich will etwa bei den Banken via Transaktionssteuer etwas von der Staatshilfe zurückbekommen. Aber der Mittelschicht drohe ich nicht mit neuen Steuern. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.1.2010)

Kommentar posten
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sehrgscheit
00
"Die Innenministerin soll verraten, welche Gemeinden sich beworben haben."

eine kennen wir schon: eberau!

..aber das hat ja irgendjemanden nicht gepasst, weil...
- ach ja: eberau nicht im süden liegt!

schwachkopf!

2ndopinion
00
22.2.2010, 23:27
Liebe TraiskirchnerInnen und ThalhammerInnen,

ich empfehle Ihnen dringendst auf eine Volksbefragung zu pochen, um zu erheben, ob die derzeitigen Asylerstaufnahmezentren in Ihren Gemeinden beibehalten werden sollen.

Das Ergebnis würde vermutlich ähnlich wie in Eberau ausfallen. Würde mich sehr interessieren, was Hr. Faymann dann von der Sinnhaftigkeit von Volksbefragungen in dieser Thematik hält.

Gaius Baltar
00
12.2.2010, 17:16
Grundsätzlich

sollte sich Faymann am Grundsatzprogramm der SPÖ und nicht der ÖVP orientieren!

Das gibts ja nicht!

KTHXBYE
01
28.1.2010, 21:08
"Der gute Diktator will ich nicht sein"

Bei dem reicht's doch nicht mal zum guten Kasperl.

mighty duck
01
15.1.2010, 17:48

Bin ich hier im Krone-Forum?
Das muss ja bei einigen schon weh tun.

b.s.o.d.
03
14.1.2010, 19:01
werner, geh sch...

Wickinger
02
12.1.2010, 22:15

"gut" und "faymann" wurden selten in einem satz genannt...

charley-inc
13
12.1.2010, 13:52
SPÖ-Obmann? haha, der ist gut. Diktator? Der ist ja noch besser.

Was, Bundeskanzler willst du auch noch sein? Aber geh, jetzt genug mit dem Blödsinn, Werner.

sprach der Josef und schickte den kleinen Werner ins Bett...

Dichand & Strache
82
11.1.2010, 12:14
Faymann ist mehr als OK!

Er wurde nur von Strache so hin gestellt!
Aber Strache schaufelt sich gerade selbst sein Grab!
Gott sei Dank!
BZÖVFPKFPÖFIXNOAMAL!

Estereich
02
12.1.2010, 14:14

ich glaub eher dass sich der faymann mit solchen und ähnlichen interviews bzw. aussagen sein eigenes grab schaufelt. man beachte nur die diversen vergangenen wahlen. da zeichnet sich bei den roten ein abwärtstrends, aufgrund der falschen wahlthemen ab!!

mikromalist
 
09
11.1.2010, 11:44
Herr Faymann.

Nach der nächsten NR-Wahl können sie sagen: ich-habe-es-doch-erreicht.
Ja. Ein Mensch mit Ihrem intellektuellen Voraussetzungen, Ihrer Problemlöse-Komptetenz, Ihren Managementfähigkeiten, Ihrem Kommunikations- und Integrationstalent und Ihrer sozialen Integrität kann AUSSCHLIESSLICH in der Politik so weit nach oben kommen?
UNS wird es dann viele schlechter gehen, die SPÖ wird Dritte und Sozialdemokratie wird in AT zur Nullnummer.
Ob mit Drüberfahren oder nicht, ...
Sie wurden zum Verlustbringer.
Eine frühe Einsicht, würde UNS, der SPÖ, der Sozialdemokratie, .. und auch Ihnen sehr gut tun.
Sie haben ja einmal gewonnen. Lassen Sie UNS auch wieder einmal gewinnen?

zinn glaeckl
00
14.1.2010, 21:06
Alles wahr.

Leider.

zxj
02
12.1.2010, 11:53
"Lassen Sie UNS auch wieder einmal gewinnen?"

Geht doch ganz einfach: einfach dem Onkel Hans einen Brief schreiben.

also dann ...
00
11.1.2010, 18:51
Y E S.

dem ist nichts mehr hinzuzufügen ! ! !

"gefaehrliches grauen, elendiges!"
06
11.1.2010, 10:54

diktator? da lachen ja die huehner! waschlappen wuerds eher treffen.

per verser
06
11.1.2010, 09:40
faymann hat eine rechnung gemacht, wie er persönlich am weitesten kommt:

- er weiß, daß er nach den nächsten nr-wahlen weg vom fenster ist: dann kommt schwarzblau.

- er wußte von anfang an, daß er nur dann bundeskanzler, und möglichst die ganze legislaturperiode lang, bleiben wird, wenn er dem pröll gehorcht.

- er weiß, daß er eine parteiinterne reform hin zur solzialdemokratie und zu einer linkswende nicht übersteht: dafür hat er zu vehement den gegenkurs gefahren und das image der spö entscheidend geschädigt.

- er hat zu viele ihm unliebsame leute eliminiert, als daß ihm das im falle einer internen reform ohne kosnequenzen druchginge.

- von häupl hat faymann nach dieser performance nichts mehr zu erwarten.

was also kann er zum schutz der eigenen pfründe noch anderes tun, als diese koalition auszusitzen?

charley-inc
04
12.1.2010, 13:54
Faymann ist nichts anderes

als ein Parteibonze der üblesten Art. Kann nichts, wird aber in der Bonzenpartei SPÖ von Posten zu Posten gehoben. Studium hat er auch keins, braucht er in der "Arbeiterparte" SPÖ auch nicht (er will ja unter seinesgleichen bleiben) aber als Bundeskanzler darf man es heutzutage gerade noch voraussetzen...

Eva Ulrich
10
13.1.2010, 11:55

Und wozu braucht ein Bundeskanzler ein Studium?

Bluesman25
 
00
na klar

wenns nach ihnen ginge würde es reichen auf einer kolchose gearbeitet zu haben. zum glück ist dieser überholte mist vergangenheit.

Linke Chuzpe
13
11.1.2010, 06:19
Was nehmen diese Herrschaften um so aufzutreten?

Ohne jegliche Glaubwürdigkeit aber mit viel Sinnlosschwatz, das liegt am Burgenland, geht es ins nächste Fettnäpfchen.

Immer deutlicher zeigt sich, BürgerIn wird mitreden und nicht der grokonellen Selbstbereicherung über Hr. Neugebauer, Haberzettl, etc. zuschauen.

ORF als Privilegienstadl ist der nächste Fall im Sinne von gefallen. Warum müssen wir ungewollte Meldungen bezahlen, wenn wir doch wissen wer lügt.

Der Vergleich mit Privaten macht sicher. Nicht einmal einen Bildungsauftrag, wie er notwendig wäre, ist zu sehen.

Grokonelle leisten sich den Griff in unsere Taschen und geben dafür weniger als die Hälfte zurück.

Korruption greift um sich und wird per Gesetz abgeschafft.

Nichts mehr ist Korruption - die Selbstbedienung ist legal.

ticco torres
00
10.1.2010, 23:13

faymanderl könnte nicht einmal in einem provinzkabarett den schlechten diktator mimen, die einzige im vom schicksal zugedachte rolle ist das krokodil das vom kasperle (=wähler) verdroschen wird. bonne chance !

Tschurndorf
01
10.1.2010, 20:50
eberau macht es offensichtlich,

die roten sind eine nazionalistenpartie

David Stroganoff
00

Psst, des därf man nicht so laut sagen!

derpradler
02
10.1.2010, 17:39
Daß die Verluderung der Sozialdemokratie

eine europaweite ist, steht fest. Ein SPÖ-Kanzler, der Milliarden den Finazhaien in den Rachen wirft und bei den Sozialleistungen dann zu sparen beginnt, der das Gesundheitssystem, ganz im Sinne der schwarzen Abzocker, weiter herunterfährt, der braucht sich um seine Klientel keine Sorgen mehr zu machen, denn er keine mehr!

Sire de Vienne
00
10.1.2010, 16:57
Grinsemann als Diktator?!?

Höchstens beim Villacher Fasching!

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