Streit um Rückzahlung der Auslandschulden kostet Notenbankgouverneur Martin Redrado das Amt
Buenos Aires - Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de
Kirchner hat im Streit um Währungsreserven den Zentralbankchef des Landes
gefeuert. Die Regierungschefin unterzeichnete ein Dekret, das die Absetzung von
Notenbankgouverneur Martin Redrado besiegelt. Er hatte sich geweigert,
Währungsreserven der Notenbank in Höhe von 6,6 Milliarden Dollar (4,62 Mrd.
Euro) freizugeben, um Staatsschulden zu begleichen.
Das Parlament könnte Fernandez allerdings noch einen Strich durch die Rechung
machen. Ein Bundesgericht blockierte bis zu einer Stellungnahme des Kongresses
die Zentralbank-Gelder.
Zwischen Notenbank und Regierung war es zum offenen Disput gekommen. Redrado
hatte den von Fernandez geforderten Rücktritt abgelehnt. Das Staatsoberhaupt
hatte dem Banker daraufhin Fehlverhalten und Pflichtversäumnisse vorgeworfen.
Als Interimschef soll der derzeitige Vize-Präsident der Zentralbank, Miguel
Pesce, einspringen. Aus Kreisen der Bank verlautete, Redrado werde der Anweisung
der Präsidentin folgen, aber rechtliche Schritte gegen seine Entlassung
einleiten.
Das Tauziehen zwischen Fernandez und Redrado hatte neue Zweifel an der
Zuverlässigkeit des Landes als Schuldner genährt. Argentinien hatte vor acht
Jahren eine massive Schulden-Krise durchgemacht. Nach Schätzungen von Ökonomen
muss sich die Regierung 2010 zwischen zwei und sieben Milliarden Dollar leihen,
um Forderungen zu bedienen. Mit den Milliarden der Zentralbank will Fernandez
ein Tilgungsprogramm speisen.
Mit der Entlassung des Notenbankgouverneurs ist Fernandez noch nicht am Ziel.
Eine Richterin fror die Devisenreserven am Freitag ein, bis das Parlament
Stellung genommen hat. Der Kongress ist bis März in der Sommerpause. Allerdings
wird eine Sondersitzung am 20. Januar erwogen. Die Abgeordneten könnten
versuchen, Dekrete der Präsidentin zurückzuweisen. (APA/Reuters)