Bildband

Kulturelles Gedächtnis im Zeitraffer

08. Jänner 2010 17:41
  • Artikelbild
    Foto: Springer Verlag

    Anita Kern, Bernadette Reinhold, Patrick Werkner, "Grafikdesign von der Wiener Moderne bis heute. Von Kolo Moser bis Stefan Sagmeister". € 39,95/240 Seiten. edition angewandte im Springer Verlag, Wien / New York 2010

"Grafikdesign von der Wiener Moderne bis heute. Von Kolo Moser bis Stefan Sagmeister"

Direkter, augenfälliger als "reine" Kunst verhandelt Grafikdesign Zeitgeschichte. Unmittelbarer erkennt der Betrachter, also immer auch der Nutzer des Gestalteten den an bestimmte Ereignisse gebundenen Zusammenhang: Das ist oder war das Produkt, die politische Aussage, die kulturelle Strömung, die hier annonciert wird. In der Gestaltung zeigt sich manifest und unterschwellig, welcher Geist gerade herrscht. Ein ganzes Jahrhundert im Spiegel visueller Gestaltung führt Grafikdesign von der Wiener Moderne bis heute gerafft vor.

Zuerst als Ausstellung, nun als ersten Band einer Edition trägt die Wiener Angewandte ihre Bestände an die Öffentlichkeit. Arbeiten von Lehrern und Schülern, von Moser, Löffler und Kokoschka bis Sagmeister und Hickmanns Meisterklassen: Was eine Nabelschau hätte werden können, haben die Kuratorinnen Anita Kern und Bernadette Reinhold und der Sammlungsleiter Patrick Werkner durchwegs in größere Zusammenhänge gestellt. Einerseits berücksichtigen sie die Einflüsse von anderswo, etwa der schweizerischen rationalen Systematik, auf das heimische Geschehen. Andererseits sparen sie die Vereinnahmung der angewandten Kreativität nicht aus - der "Kampfkunst" für die "Gaupropaganda" widmen sie ein eigenes Kapitel.

Die Plakate, Logos und Covers um 1930 überschneiden sich naturgemäß mit der laufenden Ausstellung über den "Kampf um die Stadt" (deren Katalog bald erscheinen soll). Die Chronologie des Grafikdesigns endet vorläufig in der digitalen Überhöhung und Auflösung. Dass manche Künstler zahlreich, andere (fast) gar nicht vorkommen, liegt an der letztlich subjektiven Sammeltätigkeit. Es überrascht jedenfalls, wie umfassend die Auswahl die Nerven der Zeit trifft, als kulturelles Gedächtnis mit - je nach Alter - vielen persönlichen Bezügen. (Michael Freund, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 09./10.01.2010)

der erleuchtete
10.01.2010 21:31
ein sammelsurium der scheusslichkeiten

Boba Fett
08.01.2010 19:04
Dass manche Künstler zahlreich, andere (fast) gar nicht vorkommen, liegt an der letztlich subjektiven Sammeltätigkeit.

das kann man laut sagen.

der umstand, dass sich letztendlich wirklich zahlreiche arbeiten in dem katalog befinden, die mit »Unbekannt« versehen sind, erscheint doch zumindest ein wenig nachlaessig.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.