Übersetzer dringend gesucht

8. Jänner 2010, 16:52
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    foto: www.pixelio.de/andreas morlok

    Dolmetschern und Übersetzern bietet die Europäische Kommission gute Berufschancen. Vor allem die Qualität der Muttersprache ist im Auswahlverfahren wichtig.

Der EU könnten bald die Dolmetscher ausgehen, weshalb die Europäische Kommission talentierte Nachwuchskräfte sucht

Für die Branche der Sprachdienstleister sei 2009 kein so schlechtes Jahr gewesen. "Immer mehr Unternehmen erkennen das enorme Potenzial von Mehrsprachigkeit und interkultureller Kompetenz" , begründet Sabine Kern, Geschäftsführerin von Interlingua Language Services, ihr Fazit. Mit dem Bewusstsein für die Bedeutung mehrsprachiger Kommunikation steige allerdings auch die Nachfrage nach Qualität:"Gerade in Zeiten der Krise, wenn das Geld nicht so locker sitzt, hat derjenige, der die Menschen erfolgreich anspricht, einen entscheidenden Geschäftsvorteil."

Rosige Aussichten

Laut einer Studie, die die Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission Ende November präsentiert hat, sei mit "einer jährlichen Wachstumsrate von mindestens zehn Prozent" zu rechnen, sagt Kern über ihre Branche. Das Marktvolumen würde sich damit im Vergleich 2008 bis 2015 verdoppeln.

Da der Dolmetscher- und Übersetzermarkt durch einen harten Wettbewerb und eine "Unternehmenskleinststruktur" gekennzeichnet sei, "die es dem Kunden schwermacht, den Überblick zu behalten" und seriöse Anbieter auszumachen, steht 2010 für Kern im Zeichen einer umfassenden Qualitätsoffensive. Diese möchte sie vor allem in ihrer Funktion als Präsidentin des ersten internationalen Netzwerks für zertifizierte Übersetzer und Sprachdienstleister, iQTSP, vorantreiben.

Die Europäische Kommission macht derweil auf ein besonderes Problem aufmerksam: In den kommenden fünf bis zehn Jahren werde der Großteil der festangestellten Dolmetscherinnen und Dolmetscher in Pension gehen. Für die deutsche Sprache seien derzeit 62 Konferenzdolmetscher fest angestellt, deren Durchschnittsalter bei 49 Jahren liegt. Daneben werden zahlreiche Freelancer beschäftigt, deren Altersdurchschnitt allerdings noch um ein Jahr höher ist.

Die nötigen Aufnahmeverfahren für die Beschäftigung als Freier Dolmetscher bestanden 2008 nur vier Kandidaten - die angegebene Erfolgsquote von 18,2 Prozent verweist gleich auf die Zahl der Bewerber: magere 22. Als häufiger Grund für das Scheitern bei den Akkreditierungstests wird die mangelnde Beherrschung der Muttersprache angegeben.

Die Qualität des muttersprachlichen Ausdrucks ist jedoch, noch vor den Fremdsprachenkenntnissen, erstes Auswahlkriterium für die Tätigkeit. Um die nun drohende Lücke rechtzeitig zu schließen, startet die Generaldirektion Dolmetschen eine Informationsinitiative, die jungen Sprachtalenten Lust auf den Beruf machen soll. Über die Jobs informiert http://europa.eu/languages/de/home.

Um Migranten den Eintritt in den heimischen Arbeitsmarkt und die Integration in die österreichische Gesellschaft zu erleichtern, hat die Wiener Wirtschaftskammer gemeinsam mit dem Wifi das umfassende Programm "WIP komplett" ins Leben gerufen. Abseits der immer wieder in Schräglage kommenden Integrationsdebatte geht es im ersten Modul um die Wirtschaftssprache Deutsch, in Modul zwei um "Leben und Arbeiten in Österreich" , und im abschließenden Modul werden praktische Übungen abgehandelt. Das Angebot wendet sich vorerst an Menschen mit türkischer oder serbischer Muttersprache.

Neben einer Vielzahl weiterer Anbieter von Sprachkursen bundesweit informiert das Österreichische Lateinamerika-Institut (LAI) über das aktuelle Angebot für Interessierte an der spanischen und der portugiesischen Sprache. Im Februar werden - vor allem auf die studentische Zielgruppe zugeschnitten - Intensivkurse angeboten, die Sommersemesterkurse starten mit 8. März. Das LAI bietet auch vom AMS geförderte Spanischkurse an, jeweils an drei Vormittagen oder Nachmittagen pro Woche. (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.1.2010)

Kommentar posten
23 Postings
Anna
00
14.2.2011, 10:57
Hausgemachtes Problem...

... wenn sie, wie unten schon erwähnt, die meisten Kandidaten gar nicht erst zur Aufnahmeprüfung antreten lassen.
Ich hatte einen 1er im Diplomzeugnis und ein Empfehlungsschreiben einer ehemaligen SCIC-Dolmetscherin und wurde nicht mal zum Vorstellungsgespräch für ein Praktikum eingeladen.
Ätsch, da habts'es jetzt! :-)

super cat
00
14.2.2011, 08:07

Die zweite Hälfte vom Artikel hat mit Übersetzer/Dolmetscher gar nichts zu tun.
Mitten im Text gibt es einen Themenswechsel zu "Deutsch für Migranten" bzw. "Spanisch Intensivkurs". Als ob jemand der einen Deutsch- oder Spanischkurs macht als professioneller Übersetzer/Dolmetscher einsatzfähig wäre.

Maria679
 
00
16.5.2010, 15:10
English NativeCheck bietet etwas feinschliff.... durch Natives

Sprachen öffnen Horizonte. ...stimmt - Google braucht noch etwas feinschliff.... www.nativecheck.at is our modest answer... and is pretty popular too with website content managers & bits and pieces of organizations preparing documents for the EU (in DE & AT)

chechtal
 
00
25.1.2010, 16:47
eigentlich unglaubliche Frechheit seitens der EU

Es ist wirklich unglaublich: Wir bezahlen den EU-Beamten wirklich sehr viel Geld. Hungern müssen sie nicht.
Aber: Warum werden dort Menschen ohne Sprach-kenntnisse (= ziemlich ungebildet) überhaupt angestellt? In vielen europäischen Firmen ist die Firmensprache Englisch. Einfacher für alle und billiger. Neulinge mit nicht so gutem english command verbessern ihre Sprache sehr schnell, durch den täglichen Gebrauch - ein großer Vorteil im nächsten Job.
Und wir müssen noch zu den ganzen Brüssel-Kosten Hundertschaften von Übersetzern und –innen der verschiedenen Euro-Sprachen brennen ....

Grantscherben
02
15.1.2010, 09:51

Fehlt nur noch das Wort "händeringend" wie bei den IT Jobs

blubb11
04
10.1.2010, 13:07
Am Nachwuchs fehlt es der EU nicht

Nur an den Aufnahmebedingungen happert's. Und deshalb halte ich dieses oft gelesene Gesudere von Seiten des SCIC überflüssig.

Offizielles Aufnahmekriterium für eine Freelance-Beschäftigung als Dolmetscher bei der EU: Universitätsabschluss in Konferenzdolmetschen mit mindestens zwei (passiven) Fremdsprachen. In der Praxis werden aber von Bewerbern mit Deutsch als Muttersprache mindestens drei Fremdsprachen verlangt, weshalb viele qualifizierte Bewerber gar nicht zum Test eingeladen werden.

Wurde mir selber inoffiziell so mitgeteilt. Meine Bewerbung läuft seit eineinhalb Jahren, mit meinen leider nur zwei und leider sehr geläufigen Fremdsprachen habe ich aber nicht die geringste Chance auf eine der ach so dringend zu besetzenden Stellen.

Bulkhead
12
Jetzt is aber mal Schluss

Gerade erst den Netzwerkadministrator bei Humboldt gemacht weils geheissen hat ITler werden händeringend gesucht und jetzt muss ich wohl Übersetzer werden...verdammt!

Laird of Glenmore
00
Der Werkmeister fehlt Ihnen noch.

Denken S' an die Facharbeiter, die händeringend gesucht werden.

hans wurst
 
00

ich häng dich locker ab mit dem Werkmeister!

Henry Flower
00
harten Wettbewerb und eine "Unternehmenskleinststruktur"

- wenn es ein paar mittelgroße betriebe geben würde, die nicht beide seiten - kunden wie übersetzerInnen - abzockten, dann würde es evtl. anders ausschauen.

es fehlen ausreichend kapitalisierte unternehmen, die einen wirklich nachhaltigen umgang mit den menschen, die die tatsächliche produktive arbeit leisten, in den mittelpunkt stellen.

und ein grund, warum die kunden den überblick verlieren, sind die vielen warmen eislutscher in der werbung der grösseren firmen.

max 1231
 
101
google language tools sollte man sich mal anschauen

das braucht hinterher zwar noch etwas feinschliff aber wer in the schule beim deutschunterricht nicht geschlafen hat sollte zu einen guten übersetzungsergebniss kommen. interesannt ist auch dass die das ständig verbessern.

byron sully
02
noch etwas feinschliff

ist gut *lol*

die google-übersetzungen mögen ganz o.k. sein, wenn's darum geht, ein einzelnes wort zu übersetzen. aber wenn wer ernsthaft einen ganzen text übersetzen möchte, kann eine google-übersetzung wohl nur als humoristischen zusatz betrachten und nicht als ernsthafte übersetzung.

Erz-Schelm
04
Dann geben Sie ...

einmal den folgenden Satz ein:
Das Schloss muss geölt werden.

Übersetzung ins Englische:
The castle needs to be oiled.

Genau solche Übersetzungen brauchen wir - es geht aufwärts.

Marked1
01

Googles Antwort:
"The locking device must be oiled."

max 1231
 
10
na was soll das jetzt ?

wenn sie natürlich das posting nicht durchlesen bevor sie antworten kanns nichts werden, ist logo. es gibt jede menge spezieller sätze die schwer zu übersetzen sind, deshalb steht in meinen posting ...braucht noch etwas feinschliff.... soll ich ihnen diesen satz jetzt noch übersetzen ?

sekir 09
00

ja, aber ins georgische.

Araquin
07
Marktwirtschaftliche Grundregeln sollte man auch in der EU kennen

Soweit ich weiß, versucht die EU seit Jahren, ihren Dolmetschern und Übersetzern die Löhne zu drücken.

(Abgesehen davon versuchen die meisten Unternehmen, gerade bei Übersetzungs- und Dolmetschleistungen zu sparen, Laien zu nehmen, diese Kosten in Projekten gar nicht einzubeziehen - als könnt das eh jede/r usw.)

Wenn sie aber so wichtig sind, dann ist das keine intelligente Idee.

Denn wenn ein Job Hirn erfordert, aber so gehandelt wird, als wär das nicht der Fall, dann gehen diejenigen, die das Hirn dazu hätten, in Berufe, in denen sie dafür auch entsprechend entlohnt werden.

Jedenfalls gilt es im Fall mangelnden Angebots an kompetentem Nachwuchs immer, die Entlohnung zu prüfen. Wahrscheinlich hakt es auch in diesem Fall genau dort.

Susanne M
06
tatsächlich...

...hakt es insbesondere dort, und in vielen fällen an den arbeitsbedingungen allgemein. nicht nur in der EC (wie zahlreiche berufskollegInnen anmerken), sondern gerade auch in der privatwirtschaft:
die meisten übersetzerInnen und dolmetscherInnen sind einzelunternehmer bzw. freelancer. die meisten fallen in ein atypisches beschäftigungsverhältnis, wo jeder auftraggeber versucht, möglichst billig wegzukommen.
gleichzeitig gibt es immer billigangebote für sprachdienstleistungen - meist bei schlechter qualität. auftraggeber halten sich an sie, weil es billiger kommt. in der folge leidet der ruf der ganzen branche.
deshalb: obiger artikel ist gut, weil er aufmerksam macht. differenziertheit ist aber angebracht.

Dr. Bitter
16

Die nötigen Aufnahmeverfahren für die Beschäftigung als Freier Dolmetscher bestanden 2008 nur vier Kandidaten - die angegebene Erfolgsquote von 18,2 Prozent verweist gleich auf die Zahl der Bewerber: magere 22.
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Die magere Anzahl der Bewerber geht vor allem darauf zurück, dass dieses "nötige Aufnahmeverfahren" in Wahrheit recht unnötig ist.
So unnötig wie das erste internationale Netzwerk für zertifizierte Übersetzer und Sprachdienstleister, iQTSP (und somit auch seine Präsidentin).

Derartige Zertifizierungen können als Abzockversuche betrachtet werden.

voice it
07
übersetzen ist nicht gleich dolmetschen

übersetzen und dolmetschen sind zwei unterschiedliche tätigkeiten, daher gibt es auch zwei unterschiedliche berufsbilder und unterschiedliche ausbildungen (2. studienabschnitt getrennt).

der übersetzer geht von schriftlichem ausgangsmaterial aus, der dolmetscher von gesprochenem. dort gibt es dann die simultan-dolmetschung (gleichzeitig, aus der kabine oder geflüstert von nebenan, das sieht man z.b. bei treffen von politikern, wo die dolmetscher knapp hinter der schulter hervorlugen) oder die konsekutiv-dolmetschung (nach einem kurzen redestück wird gedolmetscht, dann wieder redestück...)

etwas mehr genauigkeit stünde der qualitätszeitung gut an!

Fisch^^Fisch
30

Bezieht sich das alles auf Schrift Dolmetscher oder Synchron?

Also bei Ersteren und vor allem bei Kombinationen rund um Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch bezweifle ich die rosige Zukunft.

Susanne M
11
danke für die frage!

sie beweist, wie unklar die außenwahrnehmung ist. und sie haben trotzdem recht.

meine antwort: der artikel bezieht sich auf dolmetschen UND übersetzen, sehr viel trifft er für das dolmetschen zu, und darauf fokussiert er auch.

nebenbei: synchronisieren ist ein eigenes thema, aber eine erwähnung wert: das dumping für synchro und untertitelung ist extrem, meist werden nicht-fachleute zu schleuderpreisen herangezogen.

und: ich stimme ihnen völlig zu: für viele sprachen ist die aussicht nicht so rosig. weder beim dolmetschen, noch beim übersetzen. expertInnen für interkulturalität und mehrsprachigkeit sind trotzdem (gerade in der globalisierten welt) enorm wichtig!

Te Ata
02
Synchron??

Das gibt's nur im Film.

Das heisst - siehe schon Ingeborg Bachmanns Roman - "simultan".

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