Die Sprache der Patienten sprechen

  • Mehrsprachigkeit gehört am LKH Villach zum Krankenhausalltag
    foto: landeskrankenhaus villach

    Mehrsprachigkeit gehört am LKH Villach zum Krankenhausalltag

Am LKH Villach lernen Ärzte und Pflegepersonal Slowenisch und Italienisch und interkulturelle Kompetenzen - Das Projekt wurde nun auch von der EU ausgezeichnet

Der Bedarf an grenzüberschreitendem Denken am Arbeitsplatz Krankenhaus ist in Kärnten naturgemäß groß: aufgrund der zentralen Lage im Alpen-Adria-Raum werden pro Jahr rund 3.000 ausländische Patienten, hauptsächlich aus Italien und Slowenien, am LKH Villach behandelt. Mitarbeiterförderung geht dort daher Hand in Hand mit der Förderung von Mehrsprachigkeit und interkulturellem Lernen.

Barrieren abbauen

Austauschprogramme, Sprachkurse, neue Lehr- und Lernmethoden und Seminare zur Stärkung der interkulturellen Kompetenzen und ein mehrsprachiges Informationsangebot für Patienten sollen mögliche Hindernisse bei der Aufnahme und Behandlung von Patienten reduzieren - Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede nicht im Wege stehen.

Konkret arbeiten Ärzte und Mitarbeiter der Pflege in anderen Krankenanstalten in Italien und Slowenien mehre Wochen mit - ihre italienischen und slowenischen Kollegen bekommen umgekehrt Einblicke in Kärnten. In Zusammenarbeit mit Sprachexperten und -trainern gibt es Sprachkurse für Italienisch, Slowenisch und Deutsch als Fremdsprache. Zusätzlich werden Kurse für Englisch und Kroatisch angeboten. Innovative Lern- und Lehrmethoden wie Lernpartnerschaften und der Einsatz neuer Medien helfen beim Weiterbilden.

Service für Patienten und Besucher

Für die Patienten gibt es Infobroschüren in mehreren Sprachen, multilinguale Aufnahmeformulare und Einverständniserklärungen und einen mehrsprachigen Internetauftritt. Begonnen wurde auch mit dem Aufbau eines mehrsprachigen Leitsystems für Besucher. Hausinterne Dolmetscher und mehrsprachiges medizinisches Personal kommen ebenfalls zum Einsatz.

Umsetzung am Arbeitsplatz

"Das Programm unterstützt unsere Mitarbeiter in ihren fachlichen, aber auch sozialkommunikativen und organisatorischen Fähigkeiten und trägt so zu einer Stärkung des Qualitätsmanagements im Hause bei", sind Pflegedirektorin Kornelia Fiausch, der ärztliche Direktor Ralph Spernol und der kaufmännische Direktor des LKH Villach, Karl Wulz, überzeugt. Für die Mitarbeiter bestehe der persönliche Gewinn in einer erweiterten Perspektive durch das gegenseitige Lernen voneinander und in der Motivation das Neue auch am eigenen Arbeitsplatz umzusetzen.

Übertragbares Konzept

Die Qualitätssicherung des interkulturellen Weiterbildungsprogramms erfolgt über laufende Evaluierung. Ausgezeichnet wurde das bereits mehrfach prämierte Projekt Ende vergangenen Jahres mit dem ESIS-Europasiegel für innovative Sprachenprojekte. Übertragbar wäre das Konzept auch auf andere Krankenanstalten in der Grenzregion. (derStandard.at, 18.1.2010)

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14 Postings
ähm-

was Slowenisch und Italienisch ist, ist klar. Aber was bitte sind "interkulturelle Kompetenzen"?

Tolle Sache!

Meinen herzlichen Glückwunsch! Hoffentlich findet dieses Modell viele Nachahmer.

im grenzgebiet laß ich mir das als beschäftigungstherapie ja noch einreden. aber eigentlich geht alles nur mehr über englisch, wenns schon eine fremdsprache sein soll.und wenn jemand das vielgelobte öster. gesundheitssystem in ansprucn nehmen will dann muß er sich halt auch entsprechend anpassen im benehemen etc un dnicht umgekehrt. das ist nämlich keine dienstleistung

wie wärs wenn die patienten deutsch lernen ?

in Ö spricht man halt deutsch und wer hier wohnt, geld verdienen will und ein problemchen hat soll auch deutsch sprechen können, ist an sich logisch oder ?

Jede sprache mehr ist ein Gewinn.

Dass sollte auch für Ein bis Keinsprachige, Ewiggestrige, einleuchtend sein.

Da geht's um das Grenzgebiet. Und dort ist so eine Forderung durchaus nachvollziehbar.

aha.

und wenn jemand aus dem ausland für eine behandlung hereinkommt ist es ja wohl auch selbstverständlich...? sind Sie nicht auch froh dass die zahnärzte in sopron gut deutsch sprechen?

Der versteht gar nicht die Ironie

weil ihm die Monokultur das Hirn versaut hat.

Finde ich in einer Grenzregion absolut sinnvoll.
Aber wenn jetzt die Ärzte in Wien alle Serbisch, Türkisch und Suaheli lernen sollen ist der Witz draußen.

In Wien

eher Romani (Romanes), Slowakisch, Tschechisch, Ungarisch. Und wieso nicht Deutsch?

wie wärs wenn alle mal gscheit englisch lernen täten?


das mit dem "ein paar sprachkurse machen und dann mit patient kommunizieren können" funktioniert sowiesonet, ich spreche da aus erfahrung


In Wien hielte ich es für sinnvoll, wenn zuerst mal alle Deutsch und dann bei Bedarf alle Englisch lernten.

Ausserdem brauche ich für den Umgang mit Italienern oder Slowenen wohl kaum eine spezielle zusätzliche "interkulturelle Kompetenz".

offensichtlich brauchen Sie das aber dringend.

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