Österreichs Asylpolitik zur Anschauung gebracht

07. Jänner 2010 19:15
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    Foto: matthias cremer/der standard

    Gretner: Asylsuchende überwachen statt betreuen?

Wie das Innenministerium der alten Spruchweisheit "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" zu ihrem Recht verhilft: Anmerkungen zum Planungsentwurf für Eberau

Abgesehen von der miserablen politischen Performance der Bundesregierung unter dem Titel "Innenministerin Fekter drückt das heimlich durch, und wir sind dagegen" und der peinlichen populistischen Vorwahl-Aufgeregtheit des burgenländischen Landeshauptmannes und seiner Amtskollegen in allen Bundesländern manifestiert sich die Unrühmlichkeit der Eberau-Debatte auch in einem von der Öffentlichkeit bisher kaum beachteten bildlichen Detail: dem Pseudoentwurf ("Rendering") des bisher unbekannten Asylzentrum-Planers (siehe Abb.).

Sieht so im Jahre 2010 ein Neubau eines Asylzentrums in Österreich aus? Was vermittelt dieses Bild?

Die ersten Assoziationen: Kaserne, Gefängnis, Straflager. In der Mitte der Exerzier- oder Aufmarschplatz, umgeben von kasernenartigen Trakten unter einem heimeligen Satteldach.

Hier geht es dem Bild nach offensichtlich darum, Menschen zu überwachen, sie "beisammen zu behalten", sie zu verwalten. Es ist eine banale Kombination aus Dach-überm-Kopf und Kontrollanlage. Die eigentliche Planungsaufgabe, einen Lebensraum für Asylsuchende zu schaffen, würde wohl ein Fünfjähriger einfühlsamer bewältigen.

Hier geht es schließlich um Menschen - oftmals Familien -, die auf der Flucht sind und die meist weite, gefahrvolle und anstrengende Wege hinter sich haben, um Schutz zu suchen und um ein Menschenrecht geltend zu machen, zu dessen Wahrung sich die internationale Gemeinschaft und somit auch Österreich verpflichtet hat. - Und der Republik fällt dazu nichts Besseres ein als die Errichtung eines Neubaus, dessen Konzept schon im vorigen Jahrhundert antiquiert war.

Gut, wenn man eine Kaserne umfunktioniert, könnte das eine günstige Lösung sein. Aber im Jahr 2010 eine neue zu errichten kann doch wohl nicht ernst gemeint sein?

Ist es aber. Dieses Bild wird auch noch von Innenministerin Fekter und deren Presseabteilung in verschiedensten Varianten offensiv unter die Leute und in die Medien gebracht. Man schämt sich gar nicht dafür, dass die menschenverachtende Haltung gegenüber Asylwerbenden als potenziellen Kriminellen, die man bewachen muss, hier so unverhohlen zum Ausdruck gebracht wird .

Äußerst ungewöhnlich und hinterfragenswert ist im Übrigen auch die "zufällige" Konstruktion, "dass der Architekt Inhaber des Grundstücks in Eberau" sei. Wie kommt denn das, bitte schön?

Mutmaßungen, wonach man einem unbegabten Familienangehöriger des Bürgermeisters endlich einen Auftrag verschaffen wollte oder jemand in akuten Geldnöten das Grundstück schnell einem drittklassigen Architekten verkauft hat, der zum Zug kommen sollte, führen wohl in eine Sackgasse. Wahrscheinlich handelt es sich lediglich um eine dem juristischen Geschick von Beamten des Innenministeriums zu verdankende Umgehung des Vergaberechts unter dem Motto "Es geht ja nur um Asylanten - was brauchen die ein zeitgemäßes Wohnhaus?"

Fazit: Die Diskussion um das Asylzentrum Eberau ist in jeder Hinsicht beschämend - auch für die Kulturnation Österreich. (Sabine Gretner*, DER STANDARD Printausgabe, 08.01.2010)

*Gemeinderätin und Planungssprecherin der Wiener Grünen.

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    pacatianus
     
    10.01.2010 15:09

    Wenn die Fekter im roten burgenländischen Süden ein Asylantenheim bauen will, der Architekt den Plan schon fertig hat und das Grundstück ihm gehört, braucht man ja wohl nur 1 und 1 zusammenzählen. Wir sind das ja gewöhnt Grasser + Meischberger = ÖVP + Architekt

    miwi
    08.01.2010 22:27

    Es wird Zeit, dass das Vergaberecht endlich auch einmal wirkungsvolle Mechanismen zur Ahndung von Vergehen bekommt. Würde es hier um Aktien gehen und nicht um ein Grundstück und einen Planungsauftrag, dann würden wir jetzt über „Insiderhandel“ sprechen.

    Sonnenhungrig
    08.01.2010 20:41

    Wenn der Bund das Grundstück direkt gekauft hätte, dann hätte Niessl Lunte gerochen und das Projekt abgedreht. Deshalb hat man den Architekten als Bauträger dazwischen geschaltet.
    Die Konstruktion ist gar nicht schwer zu durchschauen, wenn man nur ein bisschen nachdenkt. Das erspart alberne Mutmassungen.

    4freedom
    09.01.2010 13:10
    Es sollte wohl besser "Architekt" heißen

    Es ist kaum anzunehmen, dass ein in Österreich ausgebildeter Architekt sich zu einem derartigen Entwurf nötigen lässt. Wer ruiniert sich die Karriere mit deratigem Schrott?

    Es ist eher anzunehmen, dass sich eine dem Vorgang nahestehende Person Google Sketchup heruntergeladen hat und das damit erzeugte Machwerk als "Entwurf" dem ÖVP Bürgermeister überreicht hat.

    oh yeah, just eat 'em!
    09.01.2010 00:11

    Klar. Strohmänner für die Regierung, um etwas vor einem LH geheimzuhalten sind VIEL realistischer als ein bissi Freunderlwirtschaft, von der alle was haben außer dem Steuerzahler. Sicher.

    m+m
    08.01.2010 22:15

    aber das ganze wiederspricht dem vergabegesetz und das vergabegesetzt ist nun mal ein anti korruptionsgesetz.
    also warum sprechen sie von albernen mutmassungen?
    ich weis schon in österreich gibt es keine korruption sind alles geschenke unter freunden oder geschäfte mit ein bisserl einer schiefen optik aber sicher "legal" (weil sie aus welchen gründen auch immer nicht vor gericht landen)

    potamu
    08.01.2010 16:47

    Ein seeehr schön geschriebener Artikel. Danke!

    Walles
    08.01.2010 16:37
    Der Renderer...

    hat ein paar Details "vergessen", damit das Lager nicht so ungastlich wirkt:
    * Es gibt ein hohes Tor vor der Einfahrt mit Überkletterungsschutz
    * zwischen den Gebäuden gibt es hohe Zäune mit Überkletterungsschutz
    * die Aussenfenster sind vergittert
    Man wollte halt die Bürger von Eberau nicht mit einer martialischer wirkenden, vollständigen Darstellung schocken.
    Das Erstaufnahmezentrum schaut deshalb aus wie eine Kaserne, weil dort Leute kaserniert werden. Hui!

    Die Leute dürfen in der Nacht nicht raus, sie werden beim Rein- und Rausgehen bei Verdacht auf Alkohol, Drogen und Waffen gefilzt. Hui!

    Vermutlich kennt Frau Gretner den Unterschied zwischen einem Wohnhaus und einem Asylerstaufnahmezentrum nicht.

    pacatianus
     
    10.01.2010 15:12

    Torüberschrift: ASYL MACHT FREI

    m+m
    08.01.2010 22:09

    das kommt noch mit der planänderung

    eagle13
     
    08.01.2010 16:30
    Ups wo ich irgendwo das Bild sah dachte ich es wäre eine ehemalige Kaserne! Nur wenn man jetzt argumentiert, dass in bestimmte Liegenschaften keine Asylbewerber sollen, weil dies unzumutbar wäre. So frage ich mich wieso bisher dort Soldaten "hausen"

    durften. Oder gilt weiterhin der Spruch der früher auf den BW - Kartoffeln stand: "Für Schweinemast und Bundeswehr"

    N-M
    08.01.2010 15:24
    Menschenwürde

    2010 sollten in Österreich keine Internierungslager gebaut werden. Österreich ist ein Rechtsstaat, das sollte jeder von uns hochhalten, indem

    1. Menschen wie Menschen behandelt werden und nicht wie "Untermenschen"; zu Recht dürfen wir stolz darauf sein, das Asylwerber hier nicht so behandelt werden, wie in einigen anderen EU und Nicht-EU Staaten und deshalb;
    2. ein fairer, den österreichischen Vergabegesetzen entsprechender Wettbewerb durchgeführt wird, bei dem integrere Architekten Entwürfe für ein Erstaufnahmezentrum einbringen, das sowohl die Würde der Asylsuchenden respektiert und auch das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung, die leider auf die Angstmache gewisser Parteien und Medien einsteigen.
    Kosten wird es viell. sogar weniger

    Jan Sommer
    10.01.2010 13:02
    Sie kennen den Unterschied zwischen den Scheinasylanten


    und den, wie Sie richtig beschreiben, zu unterstützenden Echten?

    Die einen tauchen ganz wunderbar aus dem Nichts auf um das System zu missbrauchen und die anderen landen auf einem österreichischen Flughafen und suchen bei der Einreise um Asyl an.

    Kein Wunder, bei der jetzigen Handhabung, dass Strache und Co. bei der Bevölkerung erfolgreich offene Türen einrennen.
    js

    Raphae1
    19.01.2010 13:27

    Warum sollte man am Ort der Asylantragstellung erkennen ob berechtigte Fluchtgründe vorliegen?

    Walles
    08.01.2010 16:37

    Die Diskussion ist müssig, es wird keine Baugnehmigung für einen anderen Entwurf geben.

    Therimon
    08.01.2010 15:17
    "dass der Architekt Inhaber des Grundstücks in Eberau ist"

    interessanter Aspekt auch!

    Kiembeni
    08.01.2010 16:08
    War das nicht zu erwarten?

    Ist doch eine typisch österreichische Problemlösung.

    Andy452
    08.01.2010 14:00
    In einem Nebensatz...

    wird die eigentlich wirklich sinnvolle Lösung wieder einmal genannt.

    Umfunktionierung einer nicht mehr gebrauchten Kaserne zum Erstaufnahmezentrum, z.B. in Oberwart.

    Was für unsere Soldaten gut ist, sollte auch für Asylanten ausreichend sein.

    entenkrages
    08.01.2010 16:09
    oberwart

    lol, ich gehörte zum letzten jahrgang, der dort grundwehrdienst machen durfte (2003/04). Glauben Sie mir, ein Neubau kostet weniger als eine Sanierung dieser Kaserne. Sie ist in so desolatem Zustand und von äußerst schlechter Raumlogistik. Obendrein ist sie VIEL zu klein. Vom Standort (mitten in der Stadt) wärs aber schon gut gewesen...

    wakeup
    08.01.2010 15:32
    Kasernen

    dienen doch anderen Zielen, als Aufenthaltsräume für Asylwerber. Aber natürlich sind auch kreativere Unterkünfte für kreativere Soldaten vorstellbar.

    N. N.
    08.01.2010 15:43
    Ehrlich gesagt,

    eine Kaserne, entsprechend umgestaltet und etwas freundlicher hergerichtet wäre mE völlig ok. In Neuseeland werden Asylwerber gelegentlich in Gefängnissen untergebracht, und Grundversorgung - in Österreich immerhin inklusive Taschengeld - gibt´s dort auch keine. Und das geschah bis zum letzten Jahr unter einer Labour-Regierung.
    Um es mit Hans Rauscher zu sagen: Schluss mit Sudern! Liebe Grüne, sagt uns endlich, wie ihr Asylpolitik gestalten wollt. Diese ständige Raunzerei ist etwas billig. Bitte keine Parteiprogramm-Phrasen, die kennen wir alle zur Genüge, sondern Konzepte, Zahlen, Fakten. Danke.

    Hubert Ungeist
    08.01.2010 15:21
    Hat Darabos schon abgelehnt..

    der will ja schließlich auch mal BGL LH Hauptmann spielejn

    luftgselchter haderlump
    08.01.2010 13:42
    Einen villenartigen Komplex im 7. Bezirk

    wo die Grünen die Mehrheit stellen und die
    As ylwerber somit herzlich willkommen wären.

    Alles andere ist menschenunwürdig.

    Kiembeni
    08.01.2010 14:53
    Hat schon soooooo einen langen Bart!

    Richard III
    08.01.2010 17:31
    ja, und?

    Dann können die "Super anti-Nazi und anti-"rechts" politisch korrekten Bobos endlich mal live erleben, was ja Ihrer Meinung nach so Weltklasse ist (AsylantInnen sind ja voll leiwand und tendenziell nicht krimineller als Nicht-Asylantinnen: oder?) und wogegen man ihrer Meinung nach ja nieee sein darf, wenn man nicht als "Rechter" gelten will.
    Auch wenn das keiner der meisten Poster hier gerne zugibt: Beim Thema Migration/ Asyl etc. urteilt ihr allzu gerne alljene, die aufgrund REALER ERFAHRUNG eine vielleicht leicht ablehnende oder etwas kritische Meinung zu dem Themenkomplex hat, als "Rechte" ab und habt selbst zu MigrantInnen (und damit ich jetzt das gros der unterschichtigen M.) oder gar AsylantInnen KEINEN REALEN KONTAKT.

    LG,

    R

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