Jedoch kein Adoptionsrecht für Schwule und Lesben - Bürgerinitiative sammelte 90.000 Unterschriften für Volksabstimmung
Lissabon (APA/AFP) - Das Parlament in Portugal hat am Freitag die
Einführung der Homo-Ehe beschlossen. Die Abgeordneten in Lissabon
stimmten in erster Lesung einem Gesetzentwurf der sozialistischen
Regierung von Ministerpräsident Jose Socrates zu, der das Recht von
Homosexuellen auf Eheschließung vorsieht. Zugleich lehnten sie
Entwürfe der Grünen und der Linken ab, Homosexuellen auch das
Adoptionsrecht zuzugestehen. Der Gesetzentwurf war im Vorfeld nicht
nur von der konservativen Opposition kritisiert worden, sondern - aus
unterschiedlichen Motiven - auch von Homosexuellenverbänden.
Regierungschef Socrates verteidigt Homosexuellen-Ehe
Kurz vor einer Abstimmung des Parlaments in
Portugal hatte Ministerpräsident Socrates das Recht der
Homosexuellen auf Eheschließung im Namen von "Freiheit,
Gerechtigkeit, Gleichheit und Humanismus" verteidigt. "Die Eigenheit
des Humanisten ist es, dass er sich durch die Herabsetzung eines
anderen herabgesetzt fühlt, dass er sich durch den Ausschluss des
anderen ausgeschlossen fühlt, dass er seine Freiheit durch
Freiheitsentzug für einen anderen eingeschränkt sieht", sagte
Socrates am Freitag vor dem Parlament in Lissabon. Der vorliegende
Gesetzentwurf solle das jahrzehntelange Unrecht gegenüber
Homosexuellen wiedergutmachen.
Die Zustimmung des Parlaments zur Ausweitung der Rechte von
Homosexuellen und damit zur Homo-Ehe galt als so gut wie sicher. Eine
Mehrheit für zwei andere Gesetzesvorlagen zu einem Adoptionsrecht für
Homosexuelle war hingegen unwahrscheinlich. Die Debatte über die
geplante Neuregelung verlief verhältnismäßig unaufgeregt - anders als
vor der entsprechenden Neuregelung im benachbarten Spanien 2005.
Obwohl auch Portugal stark vom Katholizismus geprägt ist, gab die
katholische Kirche frühzeitig zu erkennen, dass sie sich aus der
Gesetzgebung heraushalten wolle.
Fast die Hälfte der Bevölkerung Portugals lehnt Homo-Ehe ab
In die portugiesischen Bevölkerung stößt die Ausweitung der Rechte von
Homosexuellen zum Teil noch auf eine rigorose Ablehnung. Die Homo-Ehe wird von
45,5 Prozent befürwortet, von 49,5 Prozent jedoch abgelehnt, wie eine im
November vorgenommene Umfrage des Instituts Eurosondagem ergab. Gegen das
Adoptionsrecht für homosexuelle Paare waren 68,4 Prozent der Befragten. Eine
Bürgerinitiative sammelte 90.000 Unterschriften, um die Abhaltung eines
Referendums zu beantragen. Laut Verfassung muss nun das Parlament auch darüber
abstimmen, wird den Antrag aber vermutlich mit der Mehrheit der Linken
zurückweisen. (APA/AFP)