Blutige Weihnachten in Oberägypten

Astrid Frefel, 7. Jänner 2010, 22:43

In einem oberägyptischen Dorf starben acht christliche Kirchgänger und ein Wächter im Kugelhagel von Maschinengewehren.

Die Bluttat nach der Weihnachtsmesse dürfte ein Racheakt sein.

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Am Donnerstag feierten die koptischen Christen in Ägypten ihr orthodoxes Weihnachtsfest. In Nagga Hammadi, 65 Kilometer nördlich von Luxor, stand es im Zeichen der schlimmsten religiösen Gewalt seit Jahren. Aus einem fahrenden Auto feuerten Angreifer mit Maschinengewehren auf Kopten, die nach der Mitternachtsmesse aus der Kirche kamen. Acht Gläubige und ein Sicherheitsbeamter kamen ums Leben, acht weitere Passanten wurden verletzt. Am Donnerstag demonstrierten 3000 aufgebrachte Kopten während der Beerdigungen gegen den ihrer Meinung unzureichenden Schutz durch die Polizei.

Die Spannungen zwischen Christen und Muslimen in dieser Region schwelen seit Anfang November, als ein muslimisches Mädchen von einem Kopten vergewaltigt wurde. Die Polizei geht deshalb davon aus, dass es sich bei dem Anschlag, um einen Racheakt handelt. Der örtliche Bischof hatte zuvor bereits mehrmals Drohungen erhalten. Die Provinz Qena, zu der Nagga Hammadi gehört, ist eine der ärmsten Regionen des Nillandes.

Verhältnis verschlechtert

Das Verhältnis zwischen der muslimischen Mehrheit und der etwa zehnprozentigen christlichen Minderheit in Ägypten hat sich in den letzten Jahren zusehends verschlechtert. Der koptische Soziologe Samir Morqos spricht von intensiven Spannungen in den mittleren und unteren Schichten. Die Zunahme der religiösen Gewalt sei unter diesen Umständen nur natürlich, arme Leute ohne Hoffnung würden gewaltbereit denken und handeln, sagt der Schriftsteller Joussef Ziedan. In den Sonntagsreden der Regierenden wird das Verhältnis zwischen Muslimen und Kopten dagegen schöngefärbt und die Probleme als isolierte Ereignisse unter den Teppich gekehrt.

Die Kopten in Ägypten sind Arbeiter, Bauern, Handwerker, Freiberufler und reiche Geschäftsleute. Die zunehmende Islamisierung - hunderttausende Ägypter haben in Saudi-Arabien gearbeitet und dessen intolerante Form des Islam mitgebracht - macht allen zu schaffen. Der Staat verschlimmert die Lage, indem er sich aus vielen Bereichen zurückzieht und damit Millionen Ägypter zwingt, sich für Schulen oder medizinische Versorgung an die Moschee oder die Kirche zu wenden.

Unterstützt durch eigene Radio- und Fernsehsender versuchen seit einigen Jahren beide Glaubensgemeinschaften eine theologische und ideologische Überlegenheit zu kreieren. Mit dem Resultat, dass die religiöse Polarisierung der Gesellschaft zunimmt und jeder Alltagskonflikt, sei es um Land, Wasser oder einen Kaufvertrag, zu einem Religionskrieg ausartet. Oberägypten ist heute noch vom Stammesrecht, also auch der Blutrache, geprägt. Morqos denkt deshalb, dass die "koptische Frage" nur im Zusammenhang mit dem Aufbau eines echten Bürgerstaates gelöst werden kann. (Astrid Frefel aus Kairo, DER STANDARD, Printausgabe 8.1.2010)

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nofretete69
 
52

der monotheismus ist eine religion von 3 büchern, die sich gegenseitig ablehnen !

die menschen schaffen sich gott nach ihrem ins gegenteil verkehrten ebenbild !

tora, bibel und koran sind von menschen verfasste schriften , durch nichts begründet " heilig " !


usw, usw................

Chien de Pique
02

Den Monotheismus wollte (zumindest ist das eine Lesart, neben Henotheismus) schon Ihr geschätzter Herr Gemahl und Koregent einführen. Sie sind Schuld!!

nofretete69
 
10

ja mei, monotheisman gabs und gibts viele , nur ein weitere beweis , dass das alles menschengemacht ist !
wie sähe die welt wohl aus, hätte sich zarathustra durchgesetzt ? :-)

jo eh
01

ich fürchte, die reinkarnierte "nofretete69" kann sich daran nicht mehr erinnern bzw. weiß kaum über den aton-kult bescheid

jo eh
00

welche anderen monotheistischen religionen lehnt das j.dentum als die älteste von den dreien konkret ab?

nofretete69
 
10

der gott des talmud ist ein gott für alle oder ein gott für die juden ?

Fritz Wunderlich
00
13.1.2010, 11:55

der gott des talmud? welchen von den zweien? oder meinst du den des tanach? oder gar der thora, hehe?
In judenfeindlichen Publikationen werden seit dem Mittelalter Stellen aus dem Talmud zitiert, um die jüdische Tradition in Misskredit zu bringen. Teilweise handelt es sich bei den „Zitaten“ um schlichte Fälschungen. Aber auch die echten Zitate sind in der Regel aus dem Zusammenhang gerissen und missachten die im Talmud vorherrschende Form der dialogischen Annäherung an ein Thema.
jetzt hast du was für dein leben gelernt

jo eh
00

nochmal: welche monotheistischen religionen lehnt das j.dentum konkret ab?

Alfred Almeder
43
Schlechte Nachricht

für die islamophoben Kampfposter. Ägypten als Empfänger der 2.höchsten Militärhilfe der USA (nach Israel) gehört zu den "Guten". Weder sind die Menschenrechtsverletzungen ("Beschneidungsweltmeister") noch die Demokratieabstinenz dort, ein besonderer Anlaß für die westl. Staatengemeinschaft diese Unterstützung einmal zu hinterfragen. Der soziale Sprengstoff entlädt sich halt gegen die christliche Minderheit (und das schon seit Jahren), da drücken Obama, Merkel und Co schon mal ein Auge zu, schließlich braucht man solche Verbündete gegen die Schurkenstaaten.

The Dark
00
und was

hat das jetzt mit dem Islam zu tun?

Timagoras
 
13
"Ägypten als Empfänger der 2.höchsten Militärhilfe der USA (nach Israel) gehört zu den "Guten". "


was Sie hier insinuieren, entspringt vielleicht Ihrer phantasie, hat aber nichts mit der realität zu tun.
kein regime, das massive menschenrechtsverletzungen zulässt oder fördert, "gehört zu den guten" (egal von wem es unterstützt oder toleriert wird).
und kritik an menschenrechtsverletzungen bzw. terrorakten als "islamophobie" zu diskreditieren, ist so falsch wie arglistig.
Ihre behauptung bleibt somit eine haltlose unterstellung.

do the evolution
20
"kein regime, das massive menschenrechtsverletzungen zulässt oder fördert, "gehört zu den guten""

wie die USA?

Timagoras
 
01
"wie die USA?"


da haben Sie ja gut die "kurve" gekriegt.

aber ich hab nochmal oben nachgelesen: im artikel geht's um Ägypten ;o)

Alfred Almeder
20
Bitte schön

erklären Sie mir doch wie die Realität aussieht.

Chien de Pique
04

Man arrangiert sich nolens volens mit dem Regime als "unserem Schurken", mit dem man wenigstens reden und den man bestechen kann, weil man auch als Supermacht doch irgendwelche Ansprechpartner in der Region braucht, und nicht zuletzt auch, weil alles, was stattdessen kommen würde, wahrscheinlich noch viel schlimmer wäre - und weil Zwangsdemokratisierung leider nur kontraproduktiv ist, wie man in Afghanistan und dem Irak sieht.

Alfred Almeder
00
Aha

Viel Widersprüche zu meinem ursprünglichen statement konnte ich zwar in der Erklärung nicht finden, aber bitte. Nur kleine Anmerkung zu dem "was stattdessen kommen würde, wahrscheinlich noch viel schlimmer wäre", ich nehme mal an, dass in Pjöngyang, Rangoon, Teheran und Peking wohl genau so argumentiert wird, wenn es um deren Kampf gegen "Unruhestifter, Separatisten und Terroristen" geht.

Chien de Pique
01

Ich sage ja nicht, dass Ihr Posting in den Fakten falsch ist. Es gibt nur keine Einschätzung als "Guter", sondern nur ein pragmatisches Arrangieren mit dem Gegebenen (gilt erst recht für das weit schlimmere Saudi-Arabien).

Alfred Almeder
01
D´accord

Politik ist immer und überall Durchsetzung von Interessen, das hat die hollywood-gehirngewaschene Kampfposter-Division aber noch nicht begriffen, die denkt nämlich sehr wohl in diesem Gut/Böse-Schema und bringt ja das oft genug in den Foren zum Ausdruck, die Unfähigkeit zur Selbstkritik unterscheidet diese kaum von religiösen Fanatikern. Das ist dann u.a. auch die Saat, auf welcher die Wahnsinnigen von AlQuaida und Konsorten die Rechtfertigung für ihre Taten finden. Es ist kein Zufall, dass die Attentäter von 11/9 über London bis Detroit in westlichen Verhältnissen sozialisiert od. lange Zeit gelebt haben. Huntington hat mit seinem "Clash of civilizations" das - wenn auch mit Hintergedanken - ja prophezeit.

DieBo
40
Zufall das die Spannungen zwischen Christen und Muslimen zunehmen wenn vermehrt christliche Geschütze und Bataillione in muslimische Länder stehen?

insertnamehere
 
04
Einfach rauszufinden.

Um 1920 standen mW in so ziemlich JEDEM musl. Land der Welt christliche Bataillone und Geschütze (Ausnahme Türkei).

In den 80ern in fast keinem.

Jetzt in ein paar.

Demnach hätte in den 20ern eine Christenhatz die nächste jagen und in den 80ern frohe Eintracht herrschen müssen. ODER aber es liegt an was anderem.

Jürgen Rembremerding
10
Um 1920 erst recht in der Türkei,

weil diese zu große Teilen von den Siegern des 1. Weltkriegs besetzt war!

Der Waehlerwille
 
02
sie nehmen nicht zu

sie waren immer schon da

kopten werden in ägypten sehr regelmässig ermordet

passt nicht in ihr weltbild?

ich bin nicht überascht.

borake
07

stimmt alle christen sind für den irak und afganistan krieg verantwortlich und im umkehrschluss alle moslems für die somalischen, afganischen... fundis! also los bilden sie einen mop, sie dürfen sich entscheiden über welche bevölkerungsgruppe sie in ö herfallen hier leben nämlich beide!

Jürgen Rembremerding
06
wenn dem so wäre,

dann hast Du damit den ägyptischen Muslimen soeben Ehrlosigkeit und Niedertracht gepaart mit maximaler Dummheit attestiert!

Denn was können die Kopten für den Irakkrieg oder Afghanistan?

Bienenkönigin
08
Die Medien - auch der Standard -

orten natürlich wieder die Schuldigen an dem Massaker - die Kopten selbst. Zu wieviel Verantwortungslosigkeit oder Blindheit für die Wahrheiten laßt man sich aus pc und/oder Feigheit gegenüber der "friedlichsten Religion" noch hinteißen?

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