Staatsanwalt klagt Militär an

7. Jänner 2010, 08:37

Zelaya und Diplomaten kritisieren Schritt als Justizmanöver - Weiter Konflikte nach Putsch und Präsidentenwahl

Tegucigalpa - Der Generalstaatsanwalt von Honduras hat die Militärführung des Landes wegen des Sturzes und der "Verschleppung" von Präsident Manuel Zelaya im Vorjahr angeklagt. Der Militärspitze werde "Amtsmissbrauch" vorgeworfen, sagte ein Sprecher des Obersten Gerichts am Mittwoch (Ortszeit). Zelaya kritisierte den Schritt als Manöver der Justiz, die den Militärs Straffreiheit zusichern wolle, indem sie sie wegen "kleiner Straftaten" verfolge. Ähnlich äußerten sich Diplomaten in der Hauptstadt Tegucigalpa. Offensichtlich solle die "Fassade einer unabhängigen Justiz" gewahrt werden, sagte ein Diplomat, der anonym bleiben wollte.

Zu den Angeklagten zählen der Stabschef der Streitkräfte, General Romeo Vasquez Velasquez, Luftwaffenchef Venancio Cervantes und Marinechef Luis Javier Prince. Generalstaatsanwalt Luis Alberto Rubi wurde im Obersten Gericht vorstellig und forderte die Festnahme der höchsten Kommandanten. Gemessen an der Schwere ihrer Vergehen sei die nun erhobene Anklage allerdings "oberflächlich", erklärte Zelaya. Zudem habe der Generalstaatsanwalt mindestens ebenso viel Verantwortung für den Putsch wie die Militärs.

Neuer Präsident ab Ende Jänner

Das Oberste Gericht hatte seinerzeit die Absetzung und Festnahme Zelayas, der sich zu einem Linkspolitiker entwickelt hatte, verfügt, weil dieser versucht hatte, am Parlament vorbei eine Volksabstimmung durchzusetzen, um womöglich an eine weitere Amtszeit zu kommen. Außerdem wurde ihm Amtsmissbrauch vorgeworfen. Rubi sagte, die Verschleppung Zelayas am 28. Juni nach Costa Rica sei eigenwillig von den Militärs angeordnet worden und nicht vom Beschluss des Obersten Gerichtes gedeckt gewesen.

Der Putsch löste eine Staatskrise aus, die das ohnehin verarmte mittelamerikanische Land in einen zermürbenden Machtkampf riss: Zelaya gab sich nicht geschlagen. Er kehrte im September heimlich in seine Heimat zurück und suchte Zuflucht in der brasilianischen Botschaft in der Hauptstadt Tegucigalpa. Von dort aus kämpfte er auch mit internationaler Unterstützung um seine Rückkehr an die Macht.

Ende November wählten die Honduraner allerdings den konservativen Politiker und Unternehmer Porfirio "Pepe" Lobo zum neuen Präsidenten. Er soll Ende Jänner 2010 als neuer Staatschef vereidigt werden. Zelayas Ansinnen, bis zum Ablauf seiner regulären Amtszeit Ende Jänner wieder in das Amt eingesetzt zu werden, war im Parlament gescheitert.

Übergangspräsident zieht sich zurück

Unterdessen erklärte der nach wie vor international nicht anerkannte Übergangspräsident und Gegenspieler Zelayas Roberto Micheletti am Mittwoch, er werde sein Amt bis zum 27. Jänner ausüben und sich dann ins Privatleben zurückziehen. Die USA haben Honduras Entwicklungshilfe in Millionenhöhe angeboten, wenn er bis zum 15. Jänner zurücktreten sollte. Ursprünglich hatte die internationale Gemeinschaft auf einen noch früheren Amtsverzicht Michelettis gedrängt, dem sich dieser jedoch stets widersetzte.

Zelaya ist nach wie vor in der brasilianischen Botschaft. Ihm droht beim Verlassen des Geländes eine Verhaftung unter anderem wegen Hochverrats, Machtmissbrauchs und Missachtung der Justiz. Die Amtseinführung Lobos Ende des Monats soll die Krise endgültig beenden.(APA)

 

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12 Postings
Robert Fien
03
Die EU und die USA haben in Honduras eindeutig bewießen dass sie in 3.Weltstaaten die demokratischen Entscheidungen der Bevölkerungen AUSSCHLIEßLICH dann respektieren wenn pro-westliche und wirtschaftsliberale Regierungen dabei herauskommen!

Man hätte den Putsch mit wirklich durchgreifenden Sanktionen seitens des Westens leicht zum scheitern bringen können. Stattdessen hat man nach außen so getan als wäre man gegen den Putsch und unterstützte längst klammheimlich die Putschregierung. Jetzt wo diese undemokratische Pseudowahl abgehalten wurde tut man so als hätte man keine andere Wahl und ein Land nach dem anderen erkennt sie an. Das erste war offenbar Deutschland was besonders enttäuschend ist. Und ich dachte Europa ist einwenig besser als die USA was es angeht wirklich global für Demokratie und Menschenrechte einzustehen (Hoffnung genährt durch Ablehnung des Irakkriegs durch D und F). Aber da hab ich mich wohl getäuscht.

Es ist eine riesengroße Schande!

pepitant
00
Schröder hat den Irakkrieg abgelehnt,

nicht Deutschland.

Robert Fien
00
11.1.2010, 14:45
Die Mehrheit, und zwar die überwältigende Mehrheit der Deutschen auch und es hat ihm massiv bei der Wiederwahl geholfen!

In den Ländern der "Koalition der Willigen" hingegen hat man trotz massiver Kriegsablehnung der Bevölkerungen in Umfragein einfach gegen das Volk trotzdem mitgemacht...

Konrad Chreeb
13
Honduras Mission Obamas

Der Putsch war ohne Frage von den USA eingefädelt worden. Beweise dafür gibt es bereits ausreichend. Dabei besonders hilfreich war, dass Obama - der ein besonders begnadeter Lügner und Taschenspieler ist - sich zeitweise zum Schein gegen die Putschisten gestellt hat, um im folgenden deren "Wahlen" anzuerkennen. Glücklicherweise haben bereits sehr viele in Lateinamerika erkannt, dass es sich bei Obama lediglich um den schwarzen Bush handelt oder bestenfalls um eine neue andersfarbige Präsidentenpuppe die der dummen Masse vorgehalten wird, und ihre Konsequenzen daraus gezogen.

Fritz Wunderlich
10
17.1.2010, 12:20

venezolanische "beweise"

nAK
01
Verfahren ist doch bekannt - ein alter juristischer Trick.

Anklage und anschliessend Freispruch. Niemand darf zweimal wegen der gleichen Sache belangt werden.


Wenn jemand einmal freigesprochen wurde, ist er damit sicher. Solange er nicht angeklagt worden ist, müsste er immer mit einer Anklage rechnen.

NONE
04

Die USA können es einfach nicht lassen.

Der Friedensnobelpreisträger Obama "stabilisiert" wieder einmal andere Länder ...

kaloka
20

Obama? Honduras: Das vom Volk gewählte Parlament bestimmt. Das Oberste Gericht verfügt. Per Volksabstimmung wird Turnusgemäss ein neuer Präsident gewählt.

Das die USA die "rote" Revolution von Chavez & Anhang nicht freudig unterstützen, ist klar. Aber in Honduras hat Obama keinen Putsch gemacht.

Warentester
01

Tja der Kater lässt eben das Mausen nicht, und die USA das Putschen nicht. Beides keine großen Überraschungen.

Johannes Morla
 
01
Die CIA, die Exilkubaner in der CIA und nicht Obama

Das war nicht Obama, der das eingefädelt hat, sondern die von vielen Exilkubanern unterminierte CIA. Obama ist allerdings vorzuwerfen, dass er über seine Geheimdienste keine Kontrolle hat.

pepitant
00
Da das keine Frage von Obamas Willen,

sondern seiner Macht ist, würde ich ihm grade das nicht vorwerfen. Allerdings musste er das wissen, als er sich entschlossen hat, um das Präsidentenamt zu kanditieren. Die Frage ist halt, würden Sie lieber die Finger davon lassen oder versuchen, Präsident zu werden und so viel Sie können zu bewirken ? Er hat eine militärisch konkurrenzlose Supermacht übernommen in der in den entscheidenden Positionen Leute sitzen, die zwar nicht einzeln, aber als Netzwerk einfach mächtiger sind als der Präsident. Wie hätte sich das Szenario wohl entwickelt, wäre statt Obama McCain Präsident geworden ?

Fritz Wunderlich
00
17.1.2010, 12:21

solche netzwerke zu entmachten, dauert einfach
mal sehen, wie sich das mit cheney weiterentwickelt

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