Kein Zurück zu "Mehr Staat"

6. Jänner 2010, 19:29
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    foto: reuters/chappell

    Martin Feldstein

Ronald Reagan und Margaret Thatcher bewirkten vor 30 Jahren eine Revolution im Denken und in der Politik - Von Martin Feldstein

Vor dreißig Jahren bewirkten Ronald Reagan und Margaret Thatcher sowohl in der Wirtschaft als auch im Bereich der auswärtigen Angelegenheiten eine Revolution im Denken und in der Politik. Ihr Handeln hat die Wirtschaftssysteme der Vereinigten Staaten und Großbritanniens grundlegend und nachhaltig verändert. Der Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa und in der ehemaligen Sowjetunion ist ebenfalls Resultat ihrer Politik.

Natürlich hatten Reagan und Thatcher immer ihre Kritiker, von denen einige nun glauben, dass die Weltwirtschaft zu einer Politik aus der Ära vor Reagan und vor Thatcher zurückkehren wird. Doch jeder, der sich an die amerikanischen und britischen Wirtschaftssysteme vor Reagan und Thatcher erinnert, und der weiß, welche Änderungen sie eingeführt haben, muss auch erkennen, dass sich die Welt nicht zurückdrehen kann.

Ich hatte das Glück, als leitender Wirtschaftsberater des Präsidenten mit Ronald Reagan zusammenzuarbeiten. Aufgrund seiner engen Beziehungen zu Premierministerin Thatcher hatte ich zudem mehrfach Gelegenheit, mit ihr zusammenzutreffen. Sie waren Revolutionäre in ihrem Denken und in ihrer Fähigkeit, andere zu motivieren, grundlegende Veränderungen zu akzeptieren. Als Reagan 1981 sein Amt übernahm, hatte er vier zentrale wirtschaftliche Ziele: Eindämmung der Inflation, Senkung der hohen Einkommensteuersätze, Verkleinerung der Regierung und die Deregulierung des privaten Sektors.

Die Inflation hat rasch abgenommen, von über zehn Prozent im Jahr 1981 auf weniger als vier Prozent im Jahr 1983, weil Reagan die harte Geldpolitik des US-Notenbankpräsidenten Paul Volcker unterstützte. Heute ist eine Inflationsrate nahe null anerkanntes Ziel der US-Politik. Reagans Steuerpolitik verringerte den Spitzensteuersatz von 70 Prozent im Jahr 1980 auf 28 Prozent im Jahr 1986. Obwohl der Spitzensatz auf fast 40 Prozent zurückgeklettert ist, schlägt niemand eine Rückkehr zum Niveau vor der Ära Reagan vor.

Es ist Reagan zwar nicht gelungen, die Ausgaben für Sozialprogramme für Pensionäre zu senken, doch Amerikas nichtverteidigungsrelevante, nach freiem Ermessen zugewiesene Ausgaben wurden um ein Drittel gesenkt, von 4,7 Prozent des BIPs im Jahr 1980 auf 3,1 Prozent im Jahr 1988. 2008 belief es sich auf 3,4 Prozent. Schließlich wurden Regulierungen in unterschiedlichsten Branchen abgebaut, so etwa im Luftverkehr und im Finanzsektor. Im Zuge der Finanzkrise werden den Banken zwar einige Beschränkungen auferlegt werden, eine Rückkehr zu strengen gesetzlichen Auflagen für die Aktivitäten von Banken werden wir nicht erleben.

Reagan bezeichnete die Sowjetunion als "Reich des Bösen" und hat die Verteidigungsausgaben erhöht, um sich so der Bedrohung und den Fähigkeiten der Sowjetunion entgegenzustellen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und des Kommunismus waren, zum Teil, die drastische Reaktion auf die US-Politik und auf die Unfähigkeit der sowjetischen Wirtschaft, mit dem Westen mitzuhalten. Auch hier wird es kein Zurück geben. Als Margaret Thatcher 1979 Premierministerin von Großbritannien wurde, war sie mit einer Wirtschaft konfrontiert, die wesentlich grundlegendere Probleme hatte als die amerikanische. Großbritanniens Wirtschaft war stärker sozialpolitisch gelenkt, mit umfassendem Staatsbesitz und dominanten Gewerkschaften. Sie privatisierte die großen staatseigenen Betriebe und verkaufte Sozialwohnungen an ihre Mieter. Niemand beabsichtigt, die Unternehmen wieder zu verstaatlichen oder diese Wohnungen wieder in Besitz zu nehmen. Die Macht der Gewerkschaften wurde nach langen Generalstreiks dauerhaft gebrochen.

Der Spitzensteuersatz wurde während ihrer Amtszeit als Premierministerin halbiert und sank von 80 Prozent bei ihrem Amtsantritt auf 40 Prozent. Durch zusätzliche Steuern auf Einkommen aus Kapitalanlagen hatte der Spitzensteuersatz, bevor Thatcher die Macht übernahm, anfänglich über 95 Prozent betragen. Obwohl der Spitzeneinkommensteuersatz in Großbritannien unlängst auf 50 Prozent erhöht wurde, gibt es keinen Gedanken daran, zu den Steuern vor der Ära Thatcher zurückzukehren. Mit einer hohen Inflation konfrontiert unterstützte Thatcher einen monetaristischen Ansatz, der hohe Zinsen förderte und die Inflation mit Erfolg drastisch eindämmte. Heute hat Großbritannien eine unabhängige Zentralbank mit einem Inflationsziel von zwei Prozent.

Thatcher unterstützte Großbritanniens Beitritt in die EU, um vom Freihandel profitieren zu können, eine Beteiligung an der Einheitswährung hingegen lehnte sie entschieden ab. Die Labour-Regierung, die ihr nachfolgte, hielt an der Politik, außerhalb der Eurozone zu bleiben, fest, und so werden es auch die Konservativen halten, die wahrscheinlich im Frühjahr 2010 unter David Cameron erneut Regierungsverantwortung übernehmen werden.

Durch die Deregulierung des Finanzmarktes entwickelte sich London zum internationalen Finanzplatz. Einige dieser regulatorischen Änderungen werden möglicherweise zurückgenommen, es ist allerdings unwahrscheinlich, dass Großbritannien eine wichtige Komponente seiner Wirtschaft gefährdet, indem es zu einer Finanzregelung wie in der Zeit vor Thatcher zurückkehrt. Sowohl Tony Blair als auch Gordon Brown, die die Labour-Regierung nach beinahe zwei Jahrzehnten konservativer Herrschaft anführten, waren das Gesicht der marktfreundlichen "New Labour" , und das ist heute das einzige Gesicht, das die Labour-Partei hat. Die drastischen politischen Veränderungen in den USA und GB haben so tiefgreifende Verbesserungen bewirkt, dass es kein Zurück gibt. (©Project Syndicate, 2009; aus dem Englischen von Sandra Pontow, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.1.2010)

Zur Person

Martin Feldstein ist Professor für Wirtschaftswissenschaften in Harvard und war Vorsitzender des wirtschaftlichen Beraterstabes von Präsident Ronald Reagan.

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Jake Gittes
11
10.1.2010, 09:40

Seine Gedanken sind genau so hässlich wie sein Gesicht.

Toni Meister
00
Eine Erwiderung von Prof. Dr.Helmut Kramer ( Ex-WIFO-Chef )

http://derstandard.at/126220915... esen-Staat

Ex-Wifo-Chef Kramer antwortet US-Wirtschaftsforscher Martin Feldstein.

libera
00

poldi, unter der larve eines biedermannes bsit du ganz schön frech und beleidigend
das kann sich auch der feige was herausnehmen

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
00
Nun, einer muss halt den Kasperl spielen ....

Die Redaktion hat den Poldi für diese Rolle ausgewählt. (Er machts ja auch ganz niedlich.)

libera
00

mir gefällt er schon fast
er scheint nie seine geduld zu verlieren
schade, daß er schon verheiratet ist, der kleine
er ist ein echter verlust für die damenwelt

kufd
11

Als Anhänger des Neoliberalismus finde ich den Artikel und die ganzen Postings irgendwie süss.
Will niemand sehen das Ronald Reagan einer der grössten Keynesianer aller Zeiten war?
Beispiele gefällig:
Steuersenkungen auf Pump
Riesen Budgetdefizite
Enorme Investitionen in die Rüstungsindustrie
Wenn das nicht Keynesianismus mit allen seinen negativen Folgen war, dann hat es diesen nie gegeben.
An alle Salonmarxisten "böse" sind nicht Steuersenkungen die Leistungsanreize schaffen, "böse" ist die Umverteilung der Staatsausgaben von Sozialprogrammen hin zu Rüstungsausgaben und alle damit einhergehenden negativen Umverteilungswirkungen.

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
20
Mit einem sehr abstrusen Verständnis von Keynes

Keynes = Defizit (und umgekehrt)
kann man schon zu so absurden Urteilen kommen, kufd.

kufd
01
10.1.2010, 15:38

Für sie gilt auch die Formel:
Ideologische Scheuklappen = nicht zu sinnerfassenden lesen fähig = immer die gleichen Phrasen = Politiker tun immer das was sie sagen => ja sicher!
Zu ihrer Information ich setze Keynes nicht mit Budgetdefizit gleich, auch wenn sie mein Posting krampfhaft in diese Richtung interpretieren wollen.
Das Reagan eine expansive Fiskalpolitik betrieben hat und eine solche wenig mit Monetarismus zu tun hat wollen sie doch nicht bestreiten oder?

libera
21

selten habe ich solch eine zynische zusammenfassung der entmachtung von arbeitnehmern gelesen
der kerl ist noch stolz auf seine "großtaten"
liegt es im interesse des standard, solchen menschenverächtern ein podium zu bieten?
leider ist mit den restlichen sozialisten weltweit auch kein staat mehr zu machen, sie sind immer noch traumatisiert, bzw springen auf den selben wagen auf, wie blair
traurig, traurig

lessismore
00

Marty hat ein Recht auf seinen Schwanengesang!

libera
00

genau, er hat ein recht davon
das nützt er zynisch aus
gerechtfertigt sind solche menschenverachtende blödheiten trotzdem nicht

Poldi Fesch
01
die wollen

halt nicht hungern

Howard Roark1
 
33
Also, meine Herren Salonmarxisten....

auch wenn ihnen allen Thatcher /Reagan unsympatisch sind, Tatsache ist, dass die Thatcher/Reagan Revolution in diesen Ländern die nachhaltigste wirtschaftliche Expansion bewirkt hat, die es je gab. Und das hat mehr zum allgemeinen Wohlstand dieser (und anderer) Völker und zwar in ALLEN Schichten beigetragen, als jede democratic/labour Umverteilung. Wurden auch Fehler gemacht? Klar (z.B. wurde die Bankenderegulierung zu weit getrieben, wie man jetzt sieht)! Aber per Saldo war es ein Segen!

Schade, dass es in Kontinentaleuropa keine solche Revolution gab. Gerade D, A, I und F hätten das gut gebrauchen können.

Traurig, dass im Lande Schumpeters, Hayeks und Poppers immer noch solche wirtschaftliche Ignoranz herrscht.

lessismore
10

" ... nachhaltigste wirtschaftliche Expansion bewirkt hat, die es je gab ... "

Sie leben in einem Paralleluniversum. Wie ist denn das Wetter bei Ihnen heute?

libera
10

genau, per saldo für reiche, abzocker und finazjongleure

Poldi Fesch
02
das die Welt nicht fuer

Depperte ist, koennte man aber wissen

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
10
Jaja, Howard ....

Explosion des Reichtums einer schmalen Schicht der Gesellschaft, Explosion der Armut, Ausverkauf der öffentlichen Infrastruktur - mit allen Folgen der Einschränkung des Angebots, Herabwirtschaftung der Kommunen und Rekordbudgetdefizit. Das ist Reaganomics! Die theoretische Grundlage ist Voodoo (Laffer).
Erfolgreich waren Reagan und Thatcher einzig und allein auf dem Feld der Propaganda. Denn simple Parolen schafft auch der einfache Geist.
(PS. Meinen sie den "Hayek", dem "Demokratie" "eigentlich nichts sagt" und der den "Müßiggang der Reichen" als so gesellschaftlich wichtig preist?
Hayek war ein Moralphilosoph im Geist des 18. Jhdts im Dienst der Herrschenden des 20. Jhdts. - mehr nicht.)

Poldi Fesch
01
eben,

besser unfrei hungern

bob langer
01
typisch

wenns gut war, warens wir, wars schlecht, warens die anderen

solche EXPERTEN braucht die welt sicher nicht

wie happels erben schrieb, die blackouts in nyc 2003 haben anscheinend kein nachdenken bewirkt.

und solche leute erdreisten sich, vernünftigen wirklichen fachleuten zu sagen, sie lägen falsch?


het der typ 2008 verschlafen ?

tatsachenresistent?

witherabbitt
 
11
Wiederbetätigungsverbot für Feldmann und Konsorten!

Happels Erben
21
Brave new world

Und wer davon nicht profitiert hat, ist selber schuld bzw. soll halt froh sein, davor war ja alles schlecht...

Komischerweise erwähnt der Herr Prof. nicht wohin der Weg Reagans und Thatcher geführt hat:

-komplett überschuldetet Volkswirtschaften
-Staatsaufgaben wie etwa Bildung und sogar Sicherheit an Private abgegeben
-eine komplett überalterte Infrastruktur für deren Restaurierung kein Geld vorhanden ist
-Enstehung von Working poors

Wem ausser gewissen Eliten haben diese Reformen etwas gebracht? Den Staaten sicher nicht, und dem Großteil der Bevölkerung auch nicht. Aber im Elfenbeinturm von Havard sieht das natürlich relativiert aus, man muss ja nicht in South Central oder in Detroit leben....

Poldi Fesch
00
Staatsaufgaben wie etwa Bildung

ist aber eine Behauptung

Ivan Bukov
12

Sie duerften sich nicht erinnern wie die Lage in Grossbritannien in den 80er Jahren ausgesehen hat.

libera
10

na, wie wars denn? arbeitende menschen hatten izhr stück kuchen vom gewinn
das m einen sie doch wohl
das mußte man ihnen klarerweise entreißen
wo kämen wir da hin, wenn das volk prosperieren würde

Ivan Bukov
01

Welcher Gewinn?
Fuer sie nochmal zusammenfassend. Die englische Wirtschaft wuchs in den 60ern halb so schnell die wie Deutsche oder Franzoesische. "Most of the people never had it as good" (MacMillian), dass ich nicht lache!
1967 massive Abwertung des Pfunds. 3 Tage Woche 1973-74, Winter of Discontent 1978, Lohnforderungen welche die Inflation weiter einheizten und Streiks die zum Verlust von 9 Mio Abreitstagen fuehrten.
Dann Thatcher in den 80ern die das Land eben radikal umbaute, ueber die schwere ihrer Massnahmen kann man diskutieren, nicht aber uber die Norwendigkeit.
Auch frage ich mich welche Gewinne in den subventionierten Kohleminen oder z.B. beim maroden British Leyland unter den Arbeitern aufgeteilt wurden aber bitte.

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