Punk 2010

KopfHörer, 6. Jänner 2010, 11:40
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    foto: fluch

Hass, Hass, Hass. Unter diesem Titel kübelt die aus dem Burgenland über Wien nach Berlin gezogene Band Ja, Panik im aktuellen Datum nämliches Ungemach aus.

Und zwar über Wien. Wobei Wien hier für den Rest Österreichs steht, aber als einzige halbwegs ernstzunehmende Großstadt im Kleinstaat ist Wien der Hauptmagnet für junge Menschen, die aus der Provinz in die Welt wollen. Auch wenn sie dann nur bis Wien kommen. Aber darüber will ich jetzt gar nicht Haare spalten.

Wichtiger ist, dass Ja, Panik, die mit ihren letzten beiden Alben im deutschsprachigen Raum einige Aufmerksamkeit erregt haben, nun also in Berlin leben und dort mit Wien abrechnen. In einem über fünf Seiten gestreckten Text wird gut Gift und giftig Galle gespuckt. Und zwar so, wie man es von den Ja, Panik-Texten kennt. Sprunghaft, assoziativ, alles und nichts berührend. Mit der Schrotflinte geschossen, ein paar Treffer, einiges geht daneben. Jedenfalls fasst die Band, wer genau was getextet hat, bleibt unklar – „Text: Ja, Panik“–, ihre Wien-Erfahrungen in Worte, die wenig Gutes am Wasserkopf lassen.

Darin ist einiges, dem ich zustimme, manches ist ein Pofel bzw. wächst sich aus, über manches müsste man differenzierter diskutieren. Aber darum geht es Ja, Panik nicht. Es ist eine Abrechnung. Gut möglich, dass die den Verfassern in ein paar Jahren ein wenig peinlich ist, muss sie aber nicht. In all der Unschärfe taugt mir das prinzipielle Statement dieses (scheinbaren) Schlusstrichs. Fuck you! Das wird nicht nur irgendwo im Text einem Veranstalter an den Hals gewünscht, der ganze Text winkt mit dem Stinkefinger, prangert das zu-Tode-umarmen an, das Verhindern unter dem Vorwand der Unterstützung, das Selbstzufriedene und das Falsche.

Das findet sich zwar überall auf der Welt, aber bei einer diesbezüglichen Sensibilität kann einem das gerade in Ö, in Wien, besonders aufstoßen. Über „Lehrjahre auf feindlichem Terrain“ wird gekotzt, mediale Willkür angeschlatzt und hin und wieder richtig trefflich formuliert: „Man tauft sich die nützlichsten Arschlöcher Freunde und bastelt sich so ein miefiges Netzwerk (...)“. Ein Manifest für das Hatebook, das Fuckbook – oder auch schlicht Punk 2010. Taugt mir.

Hier wird gar nicht erst versucht, als ließe sich das alles ändern. Nicht für Ja, Panik. Angeekelt wendet sich die Band ab, haut ab, und zeigt damit wenigstens selbst, was sie in Wien vermisst: Haltung. An ihrer Konsequenz wird Ja, Panik zu messen sein, die Vorlage stimmt jedenfalls. Hier noch der Link zur Geschichte – leider online nur unvollständig. Die Printversion wartet noch mit einer lustigen E-mail-Korrespondenz zwischen Andreas Spechtl und Harry Fuchs vom Österreichischen Musikfonds auf - leider verkehrt rum abgedruckt ...) (Karl Fluch, derStandard.at, 6. 1. 2010)

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
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der erleuchtete
00
ja, panik

is ein schlechter burgenländer-witz
hehe

die Resi-Tant Evil
00

Eines scheinen diese Möchtegernpunks allemal in Wien gelernt zu haben: das Rekrutieren von (resp. Kriechen in) neue, nützliche A***l**er, indem man sich ausufernd über die alten und ex-nützlichen auslässt.
Wobei dies schonwieder derart klischeehaft-wienerisch ist, dass es in Wien hauptsächlich von zuagrasten Gscherten praktiziert wird ... in oftmaliger Verkennung des Umstands, selbst eine Großstadt ist nicht groß genug, das beliebig lange fortzuführen. Und eines Tages dann ist man alle potentiellen, nützlichen Idioten durch. Was dann noch bleibt, ist, in eine andere Großstadt zu ziehen. Nicht wahr, die Herren Ja-Panik?

Dyne
00

Welchen Stil Ja,Panik spielen ist auch egal,wenns gefällt !

Ja, zum Glück gibt es Myspace !

Eine großartige Chance für österreichische Musiker den hießigen Strukturen zu entfliehen.

Nicht angewiesen auf irgendwelche Manager, Musikjournalisten.

Qualität setzt sich auch dort durch !

knievel
20
punk?

die band selbst sieht das offenbar anders, zumindest verlautet die beschreibung ihrer eigenen homepage

"Die aus dem Burgenland stammende und mittlerweile in Wien ansässige Indie-Rock-Band stellt sich und ihre Aktivitäten vor."

Don Vincenzo
00

Diese Art des Indie-Rocks nennt man auch "Post-Punk" (=Spätpunk).

Aurelia Biedermann
41

hab mal auf myspace reingehört:
bestenfalls ndw, aber nie und nimmer punk.

safeasmilk
00

es geht hier um die attitude, nicht die musik !!!!

Aurelia Biedermann
00

ach so.

und ich dachte, es geht um eine band ...

thomislav
00

macht nichts, kann jedem/jeder passieren...

palmer_eldritch
00

Der Zeitungsartikel ist Neue Deutsche Welle?

Aurelia Biedermann
00

die band.

tarantoga
04
sorry, aber

will jetzt ja nicht spiessig sein. aber das wort "punk" würde ich jetzt wirklich eher sparsam einsetzen bei ja,panik.
ein haufen verkopfter, verstörter typen, die iin ihrer verwirrtheit als roten faden scheinbar die überzeugung in irgendetwas "recht" zu haben nutzen. die sicher derrida und baudelaire reclam-ausgaben auf nena-platten stapeln.
und: sorry. nur weil sie anfangen gegen wien und sonstiges raunzelnd zu klagen. DAS soll in der tradition von punk stehen? bin ja nicht allzu engstirnig ala "das ist punk und das nicht". aber nur weil alle brav sind, muss nicht der einzige der ein bissi anders ist, direkt der oberfreak sein. so das prinzip langhaarigster wilder in katholischer schule, oder wie?

Kind von Traurigkeit
10

Was legen Sie auf ihre Nena-Platten?

schau, schau
01
faszinierend

wenn ja,panik jetzt noch musikalisch so drauf wären, wie sie es textlich sind, dann könnte man die wohl wirklich genießen. aber das wäre dann wahrscheinlich eh widerstrebend zu ihrem scheitern...

richard lewis
03

das problem in wien sind ein paar alteingessene platzhirschen. seit den 80ern ahnunglos, immer anbiedernd, sich immer auf der richtigen seite wähnend. heute knapp 50, veranstalten sie konzerte, machen radiosendungen, schreiben in zeitungen. die müssten mal weg.

der erleuchtete
01
nach guantanamo

oder nach gugging

cannery row
02
und am schlimmsten ist es..

wenn sie labels betreiben oder als "musikmanager" auftreten.

safeasmilk
02

ja und nein. klarerweise nerven diesen ganzen ostermayers, blumenaus und wie sie alle heißen immens. nur würde ich deren einfluss nicht überschätzen. trotzdem wäre es an der zeit für sie, sich in die wohlverdiente frühpension zu begeben oder das ressort/den bereich zu wechseln.

richard lewis
01

man würde sich einfach mehr kontrapunkte wünschen, dann würden auch die von ihnen angesprochenen nicht so nerven.
das problem ist doch, dass seit 20 Jahren die musikberichte in dieser zeitung von den selben 2 leuten kommen, dass seit anbeginn von FM4 die selben 10 Leute die themensendungen machen, usw usf. wer hier im laufe der vielen, vielen jahre nicht verhabert, ist entweder masochist oder blöd.
die wertschätzung für ja,panik ist ja wieder nur eine importierte, man weiß doch, wie über diese band vor dem spex-boost hier gesprochen wurde. props an spechtl, dass er sich jetzt nicht davon einlullen lässt.

Dyne
00

Es ist richtig!

Wirklich gewichtigen Einfluß haben die von ihnen genannten nicht.

Immerhin kamen Bands und kommen Bands NACH Österreich die auch ohne deren Hilfe mühelos relativ große Hallen füllen.

Es wären unter den österr.Bands auch etliche,die dieses Potential hätten-auch aus den"Indie-Bereich"

Eine verjüngung der musikalischen "Elite" wäre angebracht.

Was good old Germany betrifft-da ist die Szene ja nicht nur auf Berlin konzentriert.
Die musikalischen Möglichkeiten dort sind um ein vielfaches besser-allerdings ist der Konkurenzkampf auch um einiges härter.

Es ist gut wenn man als Künstler ein paar Tonträge absetzen kann.
( Ausgenommen:Hobby-Musiker,die müssen ja nicht von den Tantiemen leben :-) ! )

Litschi Monster
30
Das war ihnen vorher nicht klar?

Gibt kaum was peinlicheres als die Ne-raus-Stadt, wo die "Punks" in ihrem "Freiraum" von einem staatlichen Sozialarbeiter betreut werden. Goldig. Hand aufhalten - Goschen halten und SPÖ wählen wird einem in diesem Kaff von klein auf eingetrichtert. Dementsprechend nur gleichgeschaltene Zombies. Aber das erbärmlichste: die Wiener halten sich für Großstädter. Haha.

Will Lightbody
01

Frustriert, weils beim Schwarzfahren erwischt worden sind?

Sockenpuppe
05
auf wien zu schimpfen

ist sooooooo wienerisch...

hams schnell glernt, die burgenlaender.

Morandi
01
vollständige version

http://bit.ly/5h9xCG

seayou
04

i <3 wien, beste infrastruktur und geiles inspirierendes klima.
wie viele interessante bands kamen in den letzten jahren aus berlin? und wieviele aus wien?

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