Lichtdruck beschleunigt Ionen mit 40facher Energie

10. Jänner 2010, 11:29

Deutsche Physiker kommen Konzept eines kostengünstigen kompakten Laser-Teilchenbeschleunigers großen Schritt näher

Berlin - Mit einem neuen Mechanismus zur Laser-Ionenbeschleunigung konnten Physiker des Berliner Max-Born Instituts zusammen mit Kollegen aus Garching und München Teilchen 40fach effizienter beschleunigen als bisher. Sie nutzten dafür den Lichtdruck, also den direkten Impulsübertrag zwischen Laserfeld und Materie - ein Mechanismus, der seit langem vorhergesagt worden war.

Die Energie der beschleunigten Teilchen konnte dabei um ein Vielfaches gesteigert werden. Damit kommen die Physiker dem Konzept eines kostengünstigen kompakten Laser-Teilchenbeschleunigers, zum Beispiel für die medizinische Tumorbestrahlung, einen großen Schritt näher.

Licht ist selbst für Physiker ein wundersamer "Stoff". Es besteht aus Photonen, den Elementarteilchen des Lichts, die keine Masse haben, aber Energie und Impuls besitzen und niemals in Ruhe sein können. Sie bewegen sich stets mit der größten im Universum möglichen Geschwindigkeit. Treffen sie irgendwo auf, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie geben ihre Energie ab und werden dabei vernichtet oder sie werden reflektiert und übertragen ihren Impuls in Form eines Rückstoßes.

Lichtdruck gegen Schwerkraft

Letzteres Phänomen bezeichnet man als Lichtdruck. Er ist bei normalen Lichtintensitäten kaum beobachtbar: Ein Spiegel bewegt sich durch den Lichtdruck bekanntlich nicht. Lediglich im Weltraum erfahren Satelliten über lange Zeiten tatsächlich eine messbare Ablenkung durch das Sonnenlicht. Im Innern der Sonne sind die Verhältnisse ganz anders: Hier ist die Lichtintensität so gewaltig, dass der Lichtdruck in der Lage ist, die ungeheure Schwerkraft auszugleichen - ohne ihn würde unsere Sonne unter ihrem eigenen Gewicht einfach in sich zusammenfallen.

Moderne Laser können Lichtintensitäten erzeugen, die noch um ein Vielfaches stärker sind als im Innern der Sonne. Auf eine reflektierende Materieschicht wirkt der Rückstoß eines Laserpulses wie ein urgewaltiger Hammer, der resultierende Druck ist der größte, den man künstlich erzeugen kann. Ist die reflektierende Materieschicht nur wenige Atomlagen dick und nicht größer als der Durchmesser des fokussierten Laserstrahls, also nur wenige tausendstel Millimeter, dann erfährt sie die größtmögliche Rückstoßbewegung - fertig ist der Laserbeschleuniger.

In der Tat wird ein solcher Mini-Spiegel während der ultrakurzen Pulsdauer des Lasers fast bis auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Mit konventionellen Verfahren bräuchte man dafür Beschleuniger von etlichen hundert Metern oder gar Kilometern Länge.

Diamantfolien als Spiegel

Entscheidend für die Umsetzung dieses Konzeptes sind ultradünne Diamantfolien - eine Spezialität der Münchner Kooperationspartner. Die Folien sind auch bei nur wenigen Nanometern Dicke noch ausreichend reißfest um sich selbst zu tragen. Und sie müssen unversehrt bleiben, bis das Maximum des Laserpulses sie erreicht. Sendet der Laser auch nur wenige Milliardstel seiner Intensität kurz vor dem Hauptpuls aus, was bei den meisten Lasern unvermeidlich ist, so werden sie einfach verdampft und der Hauptpuls findet keine reflektierende Oberfläche, die zu beschleunigen wäre. "Die Erzeugung höchster Laserintensitäten mit weltweit höchster Pulsqualität ist eine Spezialität des Max-Born-Instituts" sagt Sven Steinke, der am MBI im Rahmen seiner Doktorarbeit zum Thema Laserbeschleunigung forscht.

Damit waren alle Voraussetzung gegeben, das neue Beschleunigungskonzept erstmals erfolgreich im Experiment auszuprobieren. Die so erzeugten Ionenstrahlen haben eine höhere Energie als mit bisherigen Methoden und weisen eine sehr scharfe Energieverteilung auf. Außerdem wird die Laserenergie besonders effizient - etwa 40-mal effizienter als bisher - in Energie der Ionen umgesetzt.

Theorie bestätigt

Mit den Experimenten konnten die Forscher eine bereits bestehende Theorie untermauern, wie sich monoenergetische Ionenstrahlen erzeugen lassen. Diese theoretischen Arbeiten beschäftigen sich auch mit der Skalierbarkeit des Prozesses. So wird eine quadratische Abhängigkeit der Ionenenergie von der Laserintensität erwartet, im Vergleich zu einer linearen im "klassischen" Beschleunigungsfall. "Das bedeutet, man kann wesentlich höhere Ionenenergien bei gleicher Laserintensität erwarten" so Steinke.

Dies ist wesentlich bei der Planung neuer und größerer Laseranlagen und auch für die Realisierbarkeit medizinischer Laser-Ionenquellen, da hier gewisse Mindestenergien und eine monoenergetische Energieverteilung nötig sind. Diese Parameter sind entscheidend, wenn es darum geht Ionenstrahlen beispielsweise für die Tumortherapie einzusetzen. (red)

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18 Postings
Cyber Motzer
00
22.2.2010, 04:30
man braucht nur 1000000 Mal

mehr Energie um einen vergleichbaren Lichtdruck mit Spiegeln zu erzeugen...

Freund der Sanktionen
02
10.1.2010, 13:21
Ein kleiner Fehler:


Es ist keineswegs der Lichtdruck allein, der in Sternen der Schwerkraft entgegengerichtet ist und die Implosion des Sterns verhindert. In erster Linie ist dafür der Druck des Gases selbst verantwortlich...

LCD
10
10.1.2010, 19:41

Nein, nicht der Druck des Gases (Der gase kann man nicht sagen, weil Helium kaum vorkommt), sonder eine dauerhafte Kernfusion-Explosion.

Aristarch
00
11.1.2010, 12:54
Was soll eine "Kernfusion-Explosion" sein?

Kapitalismus Luege
011
10.1.2010, 14:39
Druck der Gase

deswegen falle auch ich nicht in mich zusammen.

quod erat demonstrandum
00
11.1.2010, 12:46
Einfach exzellent

Ganz großes Tennis!!

ARO5
03
11.1.2010, 08:36

Gelobt sei auch das von der Natur eingerichtete Überdruckventil ;-)

max 1231
 
00
11.1.2010, 07:38
sie sind ein echter energiebolzen

fackeln sie ihre gase doch einfach ab dann haben sie bioenergie. es gibt echt leute die lauern hinten mit dem feuerzeug !

h 90
00
10.1.2010, 19:05

danke! So gelacht habe ich schon lange nicht mehr

martinus
 
01
10.1.2010, 12:12

wie kann Licht überhaupt einen druck ausüben wenn keine Masse dahinter ist? Wenn ich zwei spiegel gegenüber aufstelle und Licht hin und her reflektieren lasse, könnte ich ja den Rückstoß verwenden um Energie zu erzeugen und so hat man ein Perpetuum mobile, weil langsamer wird das Licht ja nicht. Wo ist hier der fehler in der schlussfolgerung?

Harald Schoenknecht
00
11.1.2010, 14:15

Licht verliert Energie durch die Kraft-Uebertragung, deshalb muesste man staendig neue Photonen in die Apparatur "pumpen"... besser: Casimir-Effekt ( http://de.wikipedia.org/wiki/Casimir-Effekt ), da wird Ihnen der Kopf richtig verdreht *g*

PeAcE

Mario Ahner
00
10.1.2010, 19:08

Ich seh' das so: Photonen haben zwar keine Ruhemasse, man kann ihnen aber nach hf=mc^2 eine Masse und somit auch einen Impuls zuordnen. Photonen "spüren" ja auch das Gravitationsfeld, wie man an Schwarzen Löchern eindrucksvoll (nicht) sieht.

Naughty Moose
00
10.1.2010, 14:14

"Licht" wird hier als elektromagnetische Welle beschrieben mit 2 Feldkomponenten. Der Lichtdruck (e.g. Beschleunigung in die Propagationsrichtung der Welle) kommt von der sogenannten v-kreuz-B Kraft:

Die Bewegung geladener Teilchen wird durch die Lorenz Kraft beschieben: dp/dt=q(E+v x B). Bei einem Laser, der sich z.b. in z Richtung bewegt und bei dem das E-Feld in x richtung und das B-Feld in y richtung zeigen, werden die Teilchen zunächst in x-richtung durch das E-Feld beschleunigt, und dann durch das Kreuzprodukt v_x*B_y in z-richtung beschleunigt

Damit kann man allerdings nicht wirklich effektiv Ionen beschleunigen (Lichtdruck schwankt mit 2*f des Lasers). Das tolle an dem Experiment ist, dass hier ein zikularer Laser verwendet wurde

Paul Achatz
 
03
10.1.2010, 13:14
Wenn auf den Spiegel Energie übertragen wird,

nimmt die Energie des Photons ab. Die Geschwindigkeit des Photons ändert sich zwar nicht, wohl aber seine Wellenlänge (vgl. Compton Effekt: http://de.wikipedia.org/wiki/Compton-Effekt ). Der Strahlungsdruck ergibt sich aus der Impulsübertragung. Trotz Ruhemasse = 0 hat das Licht einen endlichen Impuls.

Quirks
00
10.1.2010, 12:55
Das Impulserhaltungsgesetz ist der Schlüssel!

NightDragon
 
10
10.1.2010, 12:53

Also wenn ich das alles richtig verstanden habe gibt es 2 Denkfehler. (Reine Vermutung!)
Einer davon ist, das Du 2 Spiegel im absoluten Vakuum haben müsstest, weil andere Teilchen, die der Luft sonst Abschwächung, und Ablenkung bedeuten würden
Und der andere "Denkfehler", das normale Spiegel sicherlich nicht 100% reflektieren. Was wieder ein Verlust der Energie bedeutet.
Außerdem wir bekommt man das Licht zwischen die Spiegel? Eintrittswinkel ist gleich Austrittswinkel... Und Du müsstest mit dem Laser gerade auf die Fläche des Spiegels A schießen, dann in Lichtgeschwindigkeit den Laser durch Spiegel B ersetzen usw...

Messier31
01
10.1.2010, 12:34

Vorerst muss ich mal anmerken, dass ich auf dem Gebiet nicht gerade bewandert bin, aber ich würde das folgendermaßen erklären:

Jeder Lichtquant verfügt über eine gewisse Energiemenge die von der Wellenlänge des Lichts abhängt. Stoßt ein Lichtquant mit einem Teilchen zusammen, wird ein kleiner Teil der Energie an das Teilchen abgegeben. Die Wellenlänge des reflektierten Lichts nimmt also ab. Somit seh ich hier keine Verletzung des Energieerhaltungssatzes.

Hoff ich hab jetzt nicht was komplett Falsches von mir gegeben...

Messier31
00
10.1.2010, 14:44

Korrektur: Die Wellenlänge wird natürlich größer, nur die Energie nimmt ab.

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