Mit Pfefferspray gegen Hundekot in der Stahlstadt

Lukas Kapeller und Rosa Winkler-Hermaden, 7. Jänner 2010, 09:00
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    In Graz gibt es sie schon, in Linz soll sie bald folgen: eine Ordnungswache. Sicherheitsbeamte sollen zusätzlich zur Polizei für Recht und Ordnung in der Stadt sorgen.

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    In Graz wird über eine Aufstockung des Personals nachgedacht, das seit November 2007 im Einsatz ist.

Ab September soll es in Linz eine Stadtwache geben - Die SPÖ stimmte überraschend zu, hat jetzt aber ein Glaubwürdigkeitsproblem

"Wie wir es machen, wir machen es falsch." Klaus Luger, SPÖ-Vizebürgermeister von Linz, ist einigermaßen genervt. Seine Partei hat der Einführung einer Stadtwache im Gemeinderat zugestimmt, obwohl sie vor der Gemeinderatswahl im vergangenen Herbst noch dagegen war. "Die Einrichtung einer Stadtwache käme einem zahnlosen Tiger gleich", hieß es damals noch. Begründet hat die Partei den plötzlichen Meinungsschwenk damit, dass man dem Wählerwillen Folge leisten möchte. Die Stadtwache war das Wahlkampfthema Nummer eins der FPÖ. Auch die ÖVP war dafür. Beide Parteien konnten bei der Wahl zulegen. Die SPÖ, die Wählerstimmen verloren hat, sah sich gezwungen zu handeln.

Doch von Kritik bleibt sie deshalb nicht verschont. Im Gegenteil: Die Partei befindet sich in einer Zwickmühle und kämpft mit ihrer Glaubwürdigkeit. Kritik kommt von der eigenen Parteijugend und von den Grünen, die nach dem 180-Grad-Schwenk einen Anstieg der Politikverdrossenheit befürchten. Wenn nach der Wahl nicht mehr das gelte, was zuvor gesagt wurde, sei das nicht gerade förderlich, so Grünen-Gemeinderat Markus Pühringer. FPÖ-Spitzenkandidat Detlef Wimmer, mittlerweile zum Stadtrat für Sicherheit gekürt, lobt zwar die "Kompromissbereitschaft" der SPÖ, sieht jedoch auch eine Gefahr, nämlich dass die SPÖ "nur im Schein dafür, in Wahrheit dagegen" ist. Er kritisiert, dass das SPÖ-Engagement nur gespielt sein könnte. "Es genügt kein Lippenbekenntnis, sondern Worten müssen auch Taten folgen", fordert er.

Keine Stadtwache bei SP-Wahlsieg

SP-Vizebürgermeister Luger - von ihm stammt im Übrigen der Vergleich mit dem zahnlosen Tiger - erklärt im Gespräch mit derStandard.at, dass er nach wie vor nicht euphorisch sei, man aber die Entscheidung der WählerInnen respektieren müsse und deshalb zugestimmt habe. "Hätte die SPÖ bei der Wahl nicht verloren, gäbe es die Stadtwache nicht", betont Luger. Als Gegner der Stadtwache will er sich aber nicht bezeichnen, sondern bloß als Skeptiker. Man werde sich das "Pilotprojekt" nun anschauen und sich nicht in die Quere stellen.

Zugestimmt hat die SPÖ auch aus dem Grund, weil sie Angst hat, sonst in den kommenden Jahren als Sündenbock hingestellt zu werden: "Bei jedem kleinsten kriminellen Anlass wären wir sonst die Schuldigen, die die Stadtwache verhindert haben."

Prävention im "Graubereich"

FP-Stadtrat Wimmer ist unterdessen mit den Vorbereitungen beschäftigt und wünscht sich dabei eine konstruktive Zusammenarbeit aller Parteien. Bis vor Weihnachten hatten die Parteien Zeit, Vorschläge und Ideen zu liefern, wie die Stadtwache, bestehend aus zunächst 18, später 30 Personen, konkret aussehen soll. Die SPÖ aber nahm nicht daran teil und lieferte keine Vorschläge, so Luger. Auch die Grünen verweigerten die Teilnahme, weil sie nach wie vor dagegen sind, berichtet Gemeinderat Pühringer: "Wir waren immer dagegen und haben keine Vorschläge genannt, weil uns das in unseren Augen nicht sinnvoll erscheint."

Die Vorschläge von FPÖ und ÖVP hingegen seien "breit gefächert", so Wimmer. Von der Entfernung von Hundekot, der Verhinderung von Schmierereien, illegaler Bettelei oder Straßenmusik, über die Kontrolle der Sperrstunden soll das Aufgabenspektrum der Ordnungshüter reichen. Wimmer fasst den Auftrag an die Stadtwachebeamten folgendermaßen zusammen: "Sie sollen im Graubereich zwischen Polizei und Magistrat zum Einsatz kommen und als Konfliktmanager agieren."

Bis Ende Jänner werden die Ideen von Experten juristisch geprüft, um zu sehen, was möglich und umsetzbar ist. Kleidungstechnisch stellt sich Wimmer eine Uniform vor. Bewaffnet sollen die Ordnungshüter mit einem Pfefferspray, nicht mit einem Schlagstock sein, da bei letzterem eine aufwendigerer Schulung, um ihn einsetzen zu können, notwendig sei, so der FP-Stadtrat.

Graz: 18 Ordnungshüter seit 2008

Anregungen werden sich die Linzer Politiker möglicherweise auch in der Steiermark holen, denn wo Linz hin will, ist Graz schon längst: Die "Ordnungswache", wie die Hüter von Sitte und Anstand in der Murstadt heißen, patrouilliert dort schon seit mehr als zwei Jahren. Rechtzeitig vor der Gemeinderatswahl 2008 beförderte Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) 18 Magistratsbeamte zur Autorität auf der Straße. Dort exekutieren sie das steirische Landessicherheitsgesetz, Alkoholverbot am Hauptplatz und Fahrradverbot im Stadtpark inklusive. Verwaltungsstrafen bis 30 Euro gibt es außerdem für Missetaten wie Tauben füttern und Wildpinkeln (= Urinieren im Freien).

Auch in Graz war der Ordnungswache ein zähes Ringen zwischen Rot und Schwarz vorausgegangen - allerdings nicht darum, ob eine Stadtwache kommen solle. Nein: Bürgermeister Nagl und sein damaliger SPÖ-Widersacher Walter Ferk stritten darum, wer sie erfunden habe und wie sie heißen solle. Schließlich wurde die Ordnungswache im November 2007 im Grazer Gemeinderat abgesegnet. Nicht nur beide Großparteien, auch die Kommunisten stimmten mit.

Nagl will Grazer Ordnungswache aufrüsten

Mittlerweile scheinen sich die Grazer an die Ordnungswache gewöhnt zu haben - es bleibt ihnen auch keine Wahl. Das Alkoholverbot wurde im Frühjahr 2009 vom Grazer Hauptplatz auf die Partymeile im Uni-Viertel ausgedehnt. Auch über eine personelle Aufstockung denkt Bürgermeister Nagl schon länger nach. Schließlich patrouillieren die bislang 18 Ordnungshüter - vorwiegend umgeschulte Straßenbahnfahrer und Putzkräfte aus dem Magistrat - bei Tag und Nacht.

Nagl will auf 36 verdoppeln, drei Streifen sollen dann das gesamte Stadtgebiet nach widerspenstigen Bürgern durchforsten. Allein: Das Stadtoberhaupt sucht ebenso fieberhaft wie vergeblich nach Personal: Denn niemand, so dringt es laut "Kleiner Zeitung" aus dem Grazer Magistrat, will sich den aufwendigen Job des Ordnungswächters - mit Nacht- und Wochenenddiensten - antun. Ein Problem, das auch noch auf Linz zukommen könnte. Überlegt wird dort deshalb, eine externe Security-Firma zu engagieren. (Lukas Kapeller, Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 7.1.2010)

Kommentar posten
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unterwegs in Österreich
01
Kein Problem

Jede Stadtwachenpatroulle mit 2 Videokameras begleiten und anzeigen, anzeigen, anzeigen.
Nach spätestens einem Jahr stirbt die Stadtwache an Personalmangel.

Und zu den Grazern:
Auslagern an eine private Security-Firma: Die haben dann Null-Rechte, die dürfen dann nicht einmal jemanden anhalten.

luisjordan1
01
11.1.2010, 16:30
denn sie wissen nicht...

...was sie tun.
dobusch und co. ohne linie!!

ira2
 
03
10.1.2010, 12:57

Der Bericht beweist doch, wie schwachsinnig diese "Stadtwache"-Forderung (Lieblingsthema der ÖVP im Wiener Wahlkampf). Und siehe Graz: unterm Strich kommen dann private Hilfssheriffs raus. Nein! Das Gewaltmonopol muss bei der ordentlich dotierten und personell ausgestatteten Polizei bleiben. Sonst wimmelts bald von obskuren Privatarmeen. Ein Albtraum.

RaunzNichtKauf!
 
20
12.1.2010, 21:27
hm...

sie meinen noch hohlere noch gewaltbereite bewaffnete marionetten mit minderem bildungsgrad...

wie soll das denn gehen?

Gilgamesh
03
10.1.2010, 12:28

Die Fahne hoch, die Reihen fest....

Ach so, das war ja eine andere Privatarmee, die für Ruhe auf den Straßen sorgen sollte....

Noch mehr Versager, denen man eine Uniform anzieht, damit die sich wichtig machen können...

Deniz Mermerci
00
10.1.2010, 10:12
Pfefferspray

Was für eine ausgezeichnete Initiative! Demnächst sollten auch Fahrscheinkontrolleure sich mit Pfefferspray und Dienstmarke ausweisen, ein Rottweiler noch dazu, natürlich ohne Maulkorb. Exeekutoren sollte man zu Rate ziehen, sie sind täglich mit Gewaltpotential konfrontiert und wissen sich sanft durchzusetzen.

Mahlzeit!
00
10.1.2010, 17:18
Aso...

Gehen die dort ganz alleine hin? Oder haben die dann doch Begleitung die für ihre Sicherheit sorgt?

Deniz Mermerci
00
11.1.2010, 10:52
Exekutoren

Ja, die sind ohne Begleitung, klären auf über den Vorgang, beraten den Schuldner, nur wenn Notwendig beanspruchen sie Hilfe der Sicherheitsorgane.

Gerhard Schwarz
 
14
10.1.2010, 00:55

Die "Stadtwache" ist eine Schnapsidee und die SPÖ-Zustimmung ist das auch.

belgma
 
03
"Hätte die SPÖ bei der Wahl nicht verloren, gäbe es die Stadtwache nicht"

und deswegen stimmt man zu? klingt mehr nach beleidigter leberwurscht als nach politischer kompetenz!

Eva Ulrich
00

Nein, hier gehts eigentlich nach dem Wählerwillen.
Die beiden Parteien, von denen der Vorschlag kam, haben dazugewonnen.

tablespace65
03
Die "Ordnungswache" in Graz ist eigentlich überflüssig!

Abgesehen davon, dass sie ohnehin zu wenig Kompetenzen hat, nimmt die "Ordnungswache" doch kaum jemand ernst! Es ist zwar schön, dass man die BeamtInnen in eine Uniform gesteckt hat, aber für effiziente "Ordnungshüter" fehlen ihnen einfach die Kompetenzen.

Es wäre meines Erachtens wesentlich sinnvoller, wenn man den Personalstand der Exekutive so weit aufgestockt, dass es ausreichend Polizeistreifen gibt, die (im innerstädtischen Bereich v.a. auch zu Fuß) "durch die Gegend patroullieren". Damit könnte einerseits das "Sicherheitsgefühl" der Bevölkerung wieder größer werden und andererseits könnten dadurch auch einige Einbrecher und Räuber von ihren Vorhaben abgehalten werden...

mistvieh666
 
42

wenn menschen etwas fordern und die politische antwort darauf ist einfach nur: "ihr seids alle faschisten." dann braucht man sich nicht wundern, dass die dann auch faschistische parteien waehlen.
die fpoe mag inkompetent und unsympathisch sein, aber es ist bald die einzig waehlbare partei in oesterreich.

Eva Ulrich
00

Wenn die FPÖ die einzig wählbare Partei für Sie ist, denken Sie auch nicht viel nach.

galiontariaho
02
was macht die fpö wählbar?

mal überlegen. sie bieten keinerlei konzepte oder lösungen, sie war mit dabei, als die exekutive reduziert wurde und bei ihr gespart wurde.
sie zeigt bei jedem pfurz auf ausländer und meint mit dieser banalisierung gewinnen zu können.

sie ver*rscht die bevölkerung indem sie ihr einredet durch amateurisierung der exekutiv-aufgaben würde sich die sicherheit erhöhen..

und bei all diesen katastrophen und fehlern, die allesamt ohne erfolge begleitet werden, behaupten sie, dass eine solche partei ohne ziel und inhalt die einzig wählbare ist?

ich würde sogar behaupten, es ist die einzige wirklich unwählbare partei. und zwar mit abstand

neuer weg
13
linzer Spö - ein fähnlein im Wind... !

es reicht nicht, dass die övp hier mit der Fpö gemeinsame Sache macht.
die Spö muss auch wieder mitmachen !

Wählertäuschung auf unterstem niveau, somit werden die letzten verbliebenen Wähler auch noch enttäuscht.

wann wird die spö (gilt genauso für die övp) lernen, dass der geneigte wähler lieber gleich zum schmied, als zum schmiedl geht ?

auf Leben und Brot
02
Wie wir es machen, wir machen es falsch

RICHTIG

Johnny Brainstorm
26

Stadtwache? Leben wir wieder im finsteren Mittelalter? Oder is das eher sowas SA-mäßiges? Auf jedenfall eine absolute Frechheit und Schnapsidee... Sowas braucht niemand...

Demo gegen Polizeigewalt --- für mehr Sicherheit b
02

in d auch bekannt als ordnungsamt

eigentlich recht harmlos ...

Harry Y.
 
21
Ob es in D oder sonstwo auch sowas gibt, sollte uns aber wirklich sowas von egal sein.

Aber "der Wählerwille" gilt und Prost Mahlzeit.

4freedom
01
Warum nicht die Polizei ausreichend finanzieren?

Erst Polizei einsparen, dann eine neue Truppe erfinden und schwach ausgebildete Kräfte als Hilfssheriffs einsetzen.

Selbst die Ausbildung zum Einsatz von Schlagstöcken scheint die Personen zu überfordern.

Konzeptloser, populistischer Unfung.

whei
00

Geht doch bei all dem nur um das Sicherheitsgefühl.
Und 30 Leute in eine Uniform zu stecken und ihnen einen Pfefferspray zu geben, ist bei weitem billiger als 30 zusätzliche Polizisten auszubilden.

Peter Hammer 06
11
Hoffentlich kaufen'S den Pfefferspray ....

...im Shop der FPÖ - AUF.
A bisserl Umwegrentabilität sollte schon sein,gelln'S deadsoil ;-)

ÖVP-Kampfposter
02
Das Phänomen dieser inflationären Wachen, die sich um jeden Sch**** kümmern müssen, ist wirklich erschreckend.

Muss sich jetzt wirklich der Staat um alles kümmern?
Bald kommt noch die Liebes- und Sexpolizei, die sich um das ordnungsgemäße Abwickeln solcher Akte kümmert.
Vielleicht sollte man dann doch den Jungen und Erwachsenen beibringen, wie man sich verhält und wie nicht. Früher gab es ein schönes Wort dafür: Erziehung.
Heute: altmodischer archaischer Quatsch

4freedom
00
Wenn es niemand machen will ...

kann man ja Ausländer dafür einstellen.

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